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Unsere erste große Reise, bei der wir uns den Reisevirus einfingen, lief noch ganz nach einer Kulturreise a la Studiosus.

18 Starts und Landungen in 3 Wochen brachten uns zu den wichtigsten kulturellen Stätten in Südamerika.

Von Lima ging es nach La Paz, der Hauptstadt von Bolivien. Weiter über den Altiplano zum Titicacasee von Puno nach Cusco, der ehemaligen Hauptstadt der Inkas. Machu Picchu gilt sicherlich zu Recht als einer der bemerkenswertesten und faszinierendsten Orte auf unserem Globus.

Weiter vom Hochland in den Amazonasurwald nach Iquitos erhielten wir einen flüchtigen Eindruck von den feuchten Tropen.

In Quito, der Hauptstadt von Ecuador, konnten wir uns von den kolonialen Einflüssen der Spanier überzeugen und das fruchtbare Hochland um den Cotopaxi und Chimborazo bewundern.

Einer der Höhepunkte der Reise schließlich die 4tägige Kreuzfahrt um die Galapagosinseln, dem Archipel 1000 km westlich des Festlandes exakt auf dem Äquator gelegen. Darwins Evolutionstheorie mit praktischen Ansätzen zu verfolgen und die Tier- und Pflanzenwelt zu studieren, ist sicherlich ein unvergessliches Erlebnis.

Die Galapagosinseln haben uns so beeindruckt, dass wir über den Jahreswechsel 2002/2003 nochmals eine 14tägige Tour im südlichen Bereich der Inseln durchgeführt haben. Diesesmal waren wir nicht mit einem Kreuzfahrtschiff unterwegs, sondern haben auf den Inseln übernachtet in kleinen Pensionen oder haben auf der Hauptinsel Isabela ein Trekking in die Krater des Vulkans Sierra Negra gestaltet. Unsere Transfers von Insel zu Insel wurde mit einfachen Transportbooten durchgeführt. Eine einmalige und wesentlich preiswertere Variante die Inseln zu erkunden.(siehe hierzu die site Galapagos 2002)

Endlich ist es soweit!!!
Wir fliegen mit einer fast 30köpfigen Reisegruppe geleitet von unseren Freund Burchardt, damaligem Arbeitskollegen, über Frankfurt, Bogota, Guajaquil nach Lima, der Hauptstadt von Peru.
Der rund 30 Stunden lange Flug war verbunden mit erheblichen Verzögerungen in Kolumbien und für mich als damals noch flugangstbehafteter Reisender eine Tortur.






Spät in der Nacht fallen wir hundemüde in die Hotelbetten und schlafen ein paar Stunden.
Wir werden vom Strassenlärm geweckt; laut und viel Gehupe. Es war sehr interessant, das Treiben auf der Strasse zu beobachten: Kinder in Schuluniformen (Jungen in schwarz; Mädchen in blau), knatternde Bus- und Autogestelle, der rotblühende Baum vor unserem Hotel und z.T. noch kahle andere Bäume, der Schuhputzer, der dem vornehmen Mann in 15minütiger Agrebie die Schuhe putzte.

Ein gutes Frühstück ließ uns alle Lebensgeister wieder entdecken.

Der Besuch von Lima führt uns in die Innenstadt, wo wir die kolonialen Gebäude um den Hauptplatz, den Plaza des Armas, mit ihren reich verzierten Balkonen, betrachten konnten.




Auf der Plaza del Armas befinden sich die Kathedrale, das erzbischöfliche Palais und der Regierungspalast. Auf dem Platz herrscht ein reges Treiben, denn heute ist einer der wichtigsten Feiertage in Peru. Man bereitet einen festlichen Umzug vor, schmückt den Platz und ganze Schulklassen maschieren bunt gekleidet auf.

Wir haben leider keine Zeit, auf den Umzug zu warten, denn unser Programm ist straff und wir wollen unbedingt in das Goldmuseum.



Die Pracht in den Kirchen ist unbeschreiblich und zeugt von der brutalen Unterdrückung der Spanier im 16. Jhd., als Pizarro die Ureinwohner überrannte und alles Gold stahl. Dieses Gold ziert heute die vielen Kirchen, die teilweise direkt auf die zerstörten Grundmauern der Inkatempel gebaut wurden. Wir werden das später in Cusco noch deutlicher sehen.







Ein kleiner Fussmarsch schließt sich durch die Straßen und Gassen der Altstadt an, zu der Kirche San Francisco, deren schönes Portal wir bewundern können. Auch hier, wie schon so oft, wird der Kontrast zwischen Arm und Reich wieder deutlich.






Lima liegt direkt am Pazifik in einer trockenen Wüstenlandschaft. Wenige km hinter dem dünnen Wüstenstreifen beginnen die Ausläufer der Anden, an denen sich die Elendsviertel der Peruaner hochfressen. Das Gefälle zwischen arm und reich ist extrem groß. Wir sind ziemlich geschockt, als wir diese Viertel mit dem komfortablen Reisebus durchfahren. Niemandem war nach Aussteigen zu Mute.






Am Pazifik gibt es herrliche Strandabschnitte mit hübschen Lokalen. Die westlichen Stadtteile von Lima haben fast alles zu bieten, was es in europäischen Großstädten zu sehen gibt.



Obligatorisch ist ein Besuch im Goldmuseum in Lima, wo es einem privaten Sammler gelungen ist, einige wertvolle Goldschmiedearbeiten der Inkas vor dem Einschmelzen durch die Spanier zu beschützen, und der Nachwelt die grossen künstlerischen Fähigkeiten der Ureinwohner etwas näher zu bringen.

Auch über den Totenkult durch z.B. Mumifizierung und Bestattung in reich geschmückten Grabkammern erfährt man hier einiges.



Am späten Nachmittag bringt uns Walter, der lokale Reiseleiter, dann zum Flughafen, denn wir wollen weiterfliegen nach La Paz, der Hauptstadt von Bolivien.

Auf dem Weg dorthin konnten wir die sozialen Unterschiede in den verschiedenen Stadtvierteln erkennen. Unser Hotel lag in Miraflores, dem Bank- und Geschäftsviertel von Lima. Je näher wir dem Flughafen kamen, desto mehr verdichteten sich die Elendsviertel der Stadt, in denen die Menschen z.T. nur in Lehmhütten oder Holzverschlägen leben. In dem Fluß Rio Rimac, der durch diese Viertel fließt und aus den Höhen der Anden mit seinen gewaltigen Schmelzwassern gespeist wird, wälzen sich in der Trockenzeit Unmengen von Abfällen.

Der Flug nach La Paz sollte etwa 2 Stunden dauern und zu einem der spektakulärsten Linienflügen der Welt zählen. Als sich die etwas gealterte Boeing 737 durch die dicke Garuaschicht (Wolkeninversionsschicht aufgrund von kaltem Humboldtstrom und heißem Wüstenklima) zwang, konnten wir trotz vieler Wolken die Hochebene und die Kordilleren der Anden erkennen. Auch die gewaltigen Ausmaße des Titicacasees konnten wir von oben bewundern, sowie einige Inseln und sogar die Schilfinseln der Uru Indios erkennen.

Wir landen in La Paz, dem höchstgelegenen Flughafen der Welt, auf über 4100m am frühen Abend. Die dünne und sehr kühle Luft macht uns das Atmen schwer, und nach ein paar Schritten wird uns klar, warum viele Menschen die Höhenkrankheit Soroche bekommen.

Am Flughafen begrüßte uns Moises, der bolivianische lokale Reiseleiter. Er zählt zu den Indios vom Stamm der Aymara, einem Volk, das um den Titicacasee lebt und zu der Blütezeit der Inkas mit diesen ständig in Zwietracht stand. Er hatte 5 Jahre in Berlin gelebt und sprach daher ein gutes Deutsch.

Die Nacht in La Paz war wegen der ungewohnten Höhe für uns alle besonders anstrengend. Fast jeder hatte ordentlich Kopfschmerzen. Das sollte aber bald vergehen.

Unser Ziel heute heißt Tiahuanaco, eine berühmte Ausgrabungsstätte der Vorinkakultur in unmittelbarer Nähe des Titicacasees. Die etwa 70km weite Fahrt über die Hochebene und den kleinen Ort Laja wird aufgrund der Schotterstrecke etwa 3 Stunden dauern. Wir werden einen Eindruck bekommen von der ländlichen Bevölkerung, deren Anbaumethoden und Lebenweisen.




Wir überqueren einen 4200m hohen Pass und so wie Moises versprochen, klart das Wetter langsam auf. Kurze Zeit später sehen wir bereits in der Ferne die Ruinen von Tiahuanaco. Hier werden wir gut zwei Stunden Zeit haben uns diese einmaligen Zeugnisse der vorinkaischen Tiahuanaco-Kultur anzuschauen. Diese Kultur bestand etwa ab 1000 v.Chr. bis etwa 1200 n.Chr. und gibt noch heute den Archäologen und Kulturhistorikern Rätsel auf. Weder der genaue Zweck, noch die Tatsache des Untergangs der Kultur sind exakt bekannt, und das macht die Sache so besonders spannend und geheimnisvoll.






Zentrales Element von Tiahuanaco ist das Sonnentor, das durch einen Blitzschlag gespalten ist und reich verzierte Reliefs enthält.







Eine Reihe kolossaler Statuen, die reich verziert sind, stehen auf dem riesigen Gelände der Anlage. Dienten die Figuren zur Anbetung? Waren es Freunde oder Feinde?
Über die Bedeutung der Anlage gibt es keine eindeutigen Aussagen...





In den gemauerten Wänden des Tempels sind viele Köpfe aus Stein eingearbeitet. Sind es die toten Köpfe der besiegten Feinde?







Heute werden wir La Paz verlassen und Richtung peruanischer Grenze nach Norden bis nach Puno weiterfahren. Dabei werden wir mit dem Bus zum Titicacasee fahren, weiter mit einem Katamaran über den See zur Sonneninsel, dem Ursprung der Inkas kommen. Dann geht es nach Copacabana, einem präkolumbianischen Wallfahrtsort und weiter mit dem Bus am Ufer des Titicacasees entlang über July nach Puno in Peru.

Bei Huatajata steigen wir um auf den für uns reservierten Katamaran. Die ersten Eindrücke des riesigen Sees am frühen, leicht bewölkten Morgen sind schon fast berauschend. Unser Schiff setzt sich Richtung Norden in Bewegung und macht dabei einen Höllenlärm, vom Gestank des wahrscheinlich vorsintflutlichen Dieselmotors ganz zu schweigen.










Die aufgehende Sonne, die kalte klare Luft und die noch leicht in Wolken umhüllten Berge der Königskordillere erzeugen eine tolle Stimmung. Wir sehen Fischer in ihren traditionellen Booten, genießen die Aussicht auf die faszinierenden Bergriesen der über 150km langen Königskordillere und hören einen kurzen Vortrag von Moises über die wichtigsten Fakten der Sonneninsel, die wir besuchen werden.




Die Sonneninsel ist der Ursprung des Inkareiches, denn hier erhielten Manco Capac und seine Schwester Mama Ocllo von Inti, dem Sonnengott den Auftrag, mit einem goldenen Stab die Stelle in der Erde zu suchen, in die der Stab gesteckt werden konnte um ein neues Reich zu gründen.

Die beiden starteten ihre Suche auf der Sonneninsel und fanden schließlich 500km weiter nördlich, dem heutigen Cusco, die Stelle, an der der Stab in den lockeren und verhältnismäßig fruchtbaren Boden passte. Cusco wurde dadurch die Hauptstadt des reisigen Inkareiches. Heute kann man auf der Sonneninsel die Reste der terassenförmigen Anbauflächen sehen, sowie einige ehemalige Kult- und Opferstätten der Inkas.

Wir steigen von unserem Schiff und klettern einen kleinen Hang hinauf, was uns bei der großen Höhe verdammt schwer fällt. Selbst unsere Sportler atmen kurz. Auf der Anhöhe haben wir einen phantastischen Blick auf die Insel und die umliegenden Berge. Ein kleiner Quell sprudelt aus einem Felsvorsprung. Er soll magische Kräfte besitzen, wenn man sich mit dem Wasser befeuchtet.

Mittlerweile macht die Sonneninsel ihrem Namen alle Ehre, denn die Wolken haben sich weitgehend verzogen und die Sonne läßt das Wasser des 170km langen und 60km breiten Sees türkisfarben erstrahlen.









Weiter geht die Fahrt in Richtung Copacabana, wo wir wieder in den Bus umsteigen und die berühmte Wallfahrtskirche besichtigen werden.




Vor der Kirche saß eine alte Bettlerin. Seltsame Gedanken verband ich mit ihrer Gestalt. Sie versetzte mich zurück ins Mittelalter, wo Bettler und Krüppel vor der Kirche auf Almosen hofften. Sie sah so gebeugt und elend aus, dass es mir im Magen einen Schlag versetzte. Nur - es ist kein Mittelalter und dieses Bild findet sich auch vor unseren Kirchen heute wieder. Innen in der Wallfahrtskirche wieder wahnsinniger Prunk.

Über dem Altar die Madonna, die uns aber verhangen war. D.h. wir konnten sie in der Seitenkapelle sehen. Als wir dort eintrafen empfing uns sphärische Musik, so kitschig, dass ich es kaum ertragen konnte. Und die Madonna über und über mit Perlen behangen - welch ein Kontrast.






Von Copacabana fuhren wir dann Richtung Puno, der Hafenstadt am nördlichen Ende des Titicacasees.

Mittlerweile haben wir die peruanische Grenze erreicht. Die Grenzformalitäten sind trotz der Feindschaft der beiden Staaten relativ einfach und schnell von Statten gegangen, sodass wir die Fahrt schnell wieder aufnehmen können.

Wir kommen an einem Indiomarkt vorbei. Wir steigen aus, stehen zunächst am Strassenrand und beobachten die Menschen. Es dauert eine Weile, bis wir die Hemmungen überwunden haben und uns ins Marktgetümmel stürzen.

Auch die Indios schauen uns neugierig an und amüsierten sich scheinbar über uns. Ein wohl angeheiterter Mann kam auf Simone zu, nahm sie beim Arm, sagte etwas, worauf alle lachen.

Auf diesem Markt kann man neben Obst und Gemüse, Gewürze, Fleisch und Fisch kaufen. Dabei scheint der Verkauf der Ware Nebensache; vielmehr steht der "Klönschnack" untereinander im Vordergrund. Langsam verlieren wir die Scheu vor den fremdartigen Menschen.










In der Abenddämmerung kommen wir dann in Puno an. Wir haben wieder einmal viel Glück, denn wir können gerade noch rechtzeitig eines der vielen Feste der Indios betrachten. Dieses bestand aus einem Umzug von Kindern, wahrscheinlich Schülern von verschiedenen Schulen. Sie waren bunt gekleidet und geschmückt, machen Musik und sind fröhlich.

Unser Hotel liegt außerhalb auf einer kleinen Halbinsel mit Blick auf den See. Auf dem See kann man die Schilfinseln der Uro Indianer sehen, die auf diesen schwimmenden Inseln leben. Sie sind bekannt für den Bau von Schilfbooten, mit denen Thor Heyerdahl seine Expeditionen zu den Galapagosinseln durchführte.




Heute steht uns ein ganz besonderes Erignis bevor: Die Zugfahrt von Puno nach Cusco über den 4300m hohen La Raya Pass.

Wir betreten das Bahnhofsgelände mit etwas Vorsicht und voller Erwartungen, denn man hat uns eine anstrengende, abenteuerliche und grandiose ganztägige Bahnfahrt, mit Feeling aus dem 19. JHd. angekündigt.

Die ersten Blicke im Getümmel der Menschen, die völlig veraltete und verrostete Diesellok, und die Suche nach unserem "Sonderabteil" beschäftigen uns die folgenden Minuten.

Unser Gepäck ist hoffentlich sicher in einem der maroden Güterwagons eingeschlossen und unsere Plätze sind denn doch noch gefunden worden. Es ist ein einfaches Großraumabteil mit jeweils 4 Plätzen an den Fensterseiten, 2 in Vor- und 2 in Rückwärtsrichtung. Ein kleiner Tisch soll die Möglichkeit eines Essens andeuten. Wenn wir jetzt bereits gewusst hätten, unter welchen Umständen wir hier zu Mittag essen würden, wäre unser Reiseproviant sicherlich reichhaltiger gewesen.




Irgendwann geht es denn auch mit Getöse und Gestöhne sowie den widerlichsten Dieseldämpfen langsam aber ruckartig los. Eine Strecke von fast 400km liegt vor uns. Die Fahrtzeit beträgt zwischen 10 und 12 Stunden (wenn es keine Pannen gibt). Wir fahren mitten durch den Ort Puno, denn die Bahn ist hier Verkehrsmittel Nr. 1 und daher wie bei uns eine Straßenbahn Bestandteil des Weges. Die letzten fliegenden Händler winken uns zu, um vielleicht doch noch ein kleines Geschäft zu machen, aber der Zug hat wohl schon fast Höchstgeschwindigkeit von etwa 40km/h erreicht.




Die Zugfahrt wird in Juliaca für etwa 90min unterbrochen, denn man muss auf den Anschlusszug aus Arequipa warten. Wir nutzen die Zeit, indem wir uns in das bunte Treiben auf dem Bahnhof stürzen. Viele fliegende Händler nutzen die willkommenen Unterbrechung der Fahrt für ein kleines Geschäft mit den wohlhabenden Touristen. Man bietet unstraditionelles Handwerk, Lamafelle und viele Leckereien an.

Endlich ist es so weit, dass die Fahrt weietrgehen kann. Ein großes Tor wird geöffnet, und der Zug kann aus dem abgeschlossenen Bahnhof herausfahren.

Wir fahren mitten durch die Strassen der Stadt und betsaunen die rechts und links neben der Strecke aufgebauten Marktstände. Viele Indios winken uns zu und wollen mit den Leuten in dem schritttempofahrenden Zug ein kleines Geschäft machen.













Weiter geht es in gemächlichem Tempo über die leicht ansteigende Hochebene vorbei an Feldern, Hügeln und kleinen Ortschaften.

Der ein oder andere hat noch etwas verpassten Schlaf der vergangenen Tage nachzuholen.







Es gibt sogar etwas zu essen an Bord. Der Kellner ist die Attraktion des ganzen Zuges. Mit Schweißperlen auf der Stirn sorgt er ständig auf Balance achtend für kleine Snacks für die Reisenden. Verschüttet hat er nach meinen Erkenntnissen nichts. Allerdings waren die Happen auch entsprechend tröge...




Der Zug hält alle paar km und sogar auf Zwischenruf an. Man muss die Geduld (Passiencia) der Menschen hier einfach bewundern. Nach ein paar Stunden Fahrt, teilweise mit Blick auf gewaltige Bergpanoramen, nähern wir uns langsam dem höchsten Punkt der Strecke, dem über 4300m hohen La Raya Pass. Der Pass ist die Wasserscheide zwischen den nach Süden fließenden Zuläufen des Titicacasees und einem der nach Norden fließenden Amazonasquellflüssen.



















Als wir uns dem Pass nähern, beginnt es urplötzlich zu schneien. Wir halten auf der eingleisigen Strecke an und warten eine halbe Stunde auf den Gegenzug aus Cusco. Als dieser uns passiert hat, setzt das Stahlgetüm die nun bergabwärts gehende Fahrt nach Cusco fort. Die fast 900 Höhenmeter Unterschied zu dem Zentrum der Inkas schaffen wir in knapp 3 Stunden. Das Tempo des Zuges bergab ist rasant und man glaubt, der Zug muss auf Grund des schlechten Zustandes der Gleise jeden Moment verunglücken. Die Gläser und Gegenstände auf den Tischen müssen wir mit allem Geschick festhalten...









Als wir in Cusco ankommen, ist es längst dunkel, wir sind hundemüde und fast meschugge vom Gerüttel des Zuges. Im Hotel trinken wir auf der Bettkante noch einen Tee und fallen in wohlverdienten und traumreichen Schlaf.

Wir erwachen im Hotel Libertador, einem der schönsten auf unserer Reise, in einer der schönsten Städte, die wir jemals gesehen haben. Cusco ist jahrhundertelang der Nabel der Welt gewesen und Zentrum eines gewaltigen Reiches, dem der Inkas.

Das Hotel liegt in der Altstadt von Cusco und ist geschickt an das Gassengewirr angepaßt worden. Die z.T. inkaischen Grundfeste wurden modernisiert und in ähnlichem Stil wie damals fertiggestellt. Im Zentrum der Anlage befindet sich ein Atrium mit einem wunderschönen Brunnen in der Mitte.




Wir gehen mit Elisabeth, unserer lokalen Führerin durch die engen und turbulent lauten Gassen der Altstadt in Richtung Sonnentempel und Kloster St Domingo. Hier stand einst eines der religiösen Zentren der Inkas, das von den spanischen Eroberern im 16. Jhd. fast vollständig zerstört wurde. Die Spanier bauten als Zeichen des Sieges einfach auf die Fundamente ihrer Kirchen bzw. Tempel. Im Kloster St Domingo kann man diese Fundamente z.T. restauriert mit ihrer schlichten und robusten Form bestaunen.




Die Granitblöcke wurden so bearbeitet, dass in die Zwischenräume keine Messerspitze mehr passt. Niemand weiss, wie sie das damals handwerklich gemacht haben.

Der sogenannte Inkatempel Coricancha war damals mit einer etwa 3cm dicken puren Goldschicht beschlagen, die die Spanier natürlich als erstes abrissen und in transportable Barren gossen. Die Inkas dachten, die Spanier würden das Gold essen.
















Auf dem zentralen Platz der Stadt, der Plaza del Armas, liegen die wichtigsten christlichen Kirchen der Spanier. Es ist kaum vorstellbar, welche Schätze in der Kathedrale zu sehen sind. Der Kontrast zwischen reicher Kirche und armen Menschen könnte kaum größer sein.

Hier ist sogar absolutes Fotografierverbot und alle paar Meter steht ein Wächter, der rigoros das verbot überwacht. Vielleicht ist es das schlechte Gewissen der Kirche, weshalb man das nicht darf, denn es gibt auch keine Bilder oder Postkarten zu kaufen.







Hier sieht man eine Gasse mit dem berühmten Mauerwerk der Inkas. Bis heute ist es noch nicht vollständig geklärt, wie sie die präzise Bauweise realisiert haben.






An einer weiteren Kirche sind auf dem Portal zwei Dämonen zu erkennen, die klare indianische Gesichtszüge besitzen. Mein Groll gegen die katholische Kirche ist kaum noch zu bremsen.






Unser nächstes Ziel ist die Festung Sacsayhuaman, die auf einem Hügel unweit der Stadt liegt. Aus der Luft betrachtet stellt das alte Cusco einen Puma dar, die Festung den Kopf, die Stadt den Körper und der Fluß den Schwanz.




Die Festung ist ein gigantisches Bollwerk aus drei hintereinanderliegenden zickzackförmigen Mauerwerken, die etwa 300 Meter lang sind und Felsblöcke enthalten, die bis zu 300 Tonnen schwer sind.

Niemand weiss genau, wie die Inkas diese Riesen transportiert haben, denn das Rad war ihnen noch nicht bekannt. Auch den Sinn und Zweck der Anlage kennt man heute nicht genau. Die Theorien gehen von einer Verteidigungsanlage bis hin zu einem religiösen Tempel, eine Version, die uns unsere Elisabeth nahelegte.










Als wir uns voller Erwartungen der erst zu Beginn des letzten Jhd. ausgegrabenen Anlage nähern, kommen uns eine Reihe von Indiomädchen in schöner Tracht mit ihren geschmückten Lamas und Alpakas entgegen. Sie bieten sich als hübsche Fotomotive für ein paar Soles an. Als wir die Stätte betreten, ist es für uns ein tolles Gefühl, diese Bilder, die wir schon so oft in unserer Literatur gesehen haben, endlich live zu bestaunen. Es wirkt in der Realität viel gewaltiger und wir haben das Empfinden, die vielen Stunden des Lesens und Träumens kommen hier zu einem verdienten Höhepunkt.

Auch hier zeigt sich Elisabeth wieder als eine belesene und die Inkas verehrende Person, als sie die Zusammenhänge und Besonderheiten erklärt. Wir durchstöbern die Anlage, klettern über dicke Granitblöcke und steigen schließlich auf das Zentrum, das sogenannte Sonnenzimmer. Von diesem Mythischen Ort aus hat man einen phantastischen Blick auf Cusco, die Tallage der Stadt und die in der Ferne weißschimmernden 6000er Bergriesen. Man kann den zentralen Platz, den Plaza del Armas, die vielen Gassen und Gebäude erkennen.

Wir genießen das Panorama und verweilen ein paar Minuten, denn an diesem heiligen Ort sollen laut ausgesprochene Wünsche in Erfüllung gehen. Da die ganze Gruppe jedoch hier ist, traut sich wohl niemand, und Simone und ich denken unsere Wünsche für uns...






Wir kommen zum Wasserheiligtum Tempu Machay. Das Quellheiligtum birgt drei kleine Quellen, die in einem mehrstöckigen, in einem Hügel eingelassenen Bauwerk entspringen. Hier treffen wir viele Indiokinder, die neugierig auf die Gringos sind und stolz ihre kleinen Besitztümer wie Hund oder Lamajunges zeigen. Ein paar fliegende Händler verkaufen den Fremden alle möglichen Handwerkskünste zu für unseren Verhältnisse unglaublich günstigen Preisen.




Kenku ist eine ehemalige Opferstätte der Inkas. Die Anlage ist eine von Menschenhand behauene und unterhöhlte magische Felskuppe, die von starken zerstörerischen Aktivitäten der Spanier zeugt. Hier wurden Opfertiere und wahrscheinlich auch gelegentlich Menschen dem Sonnengott geopfert.










Eine zickzackförmige Opferrinne im Gestein gab der Kultstätte ihren Namen: Kenko bedeutet Mäander oder "das was sich schlängelt". Ein vor dem Ort positionierter Puma aus einem einzigen Felsblock gehauen, ist als solcher durch die Bearbeitung der Konquistadoren nicht mehr zu erkennen.







Heute morgen müssen wir wieder einmal um 4.00 Uhr aufstehen, denn es geht nach Machu Picchu, der verlorenen Inkastadt, die etwa 100 km nördlich von Cusco inmitten des tropischen Hochlandurwalds liegt.

Dazu ist eine etwa vierstündige Fahrt mit der Andenbahn nötig, denn eine Strasse nach Machu Picchu gibt es nicht.

Wir steigen pünktlich um 5.30 Uhr in den mit 4 Wagen bestückten Schienenbus ein. Das Besondere an der Fahrt ist zum Einen die atemberaubende Landschaft, zum Anderen die aufgrund der großen Steigung nicht vorhandenen Kurven der Strecke. Diese fährt vielmehr auf Spitzkehren mehrmals in wechselnde Richtungen, um sich so an den steilen Hängen auf- und abzuwinden.

Es ist einriesiges Spektakel, wenn der Schaffner aussteigen muss, um die Weiche der Schmalspurbahn per Hand zu stellen. Aufgrund dieser Tatsachen ist es leicht einzusehen, warum die doch recht kurze Strecke in der Zeit von rund 4 Stunden zurückgelegt werden muss.

Nach ein paar Spitzkehren haben wir den Kessel von Cusco verlassen und bewegen uns nun ständig bergab entlang des Pumatals durch die grandiose Berglandschaft.

Das Pumatal ist ein Nebental des Urubambatals, dem heiligen Tal der Inkas. Nach etwa 1 Stunde erreichen wir das Tal, welches viel weiter und fruchtbarer ist als das viel höher gelegene Cusco. Im Tal des Rio Urubamba haben zu der Blütezeit der Inkas viele Menschen gelebt und hier Kartoffeln, Getreide und Früchte angebaut.

Wir sehen während der Zugfahrt verschiedene alte Inkafestungen, u.a. das berühmte Ollantaytambo, schneebedeckte Eisriesen und Gletscher. Wir nähern uns langsam dem Urwald, der ab einer Höhe von 2000m beginnt. Die Luft wird auch erheblich feuchter und es ist angenehm warm. Die Vegetation wird aufgrund der ständig sinkenden Höhe immer üppiger und man kann schon viele Orchideen und andere tropische Pflanzen sehen.








Mittlerweile sind wir schon fast 4 Stunden unterwegs und man kann bereits erahnen, dass das Traumziel Machu Picchu nicht mehr weit sein kann. Das Tal wird immer enger und der Urubamba immer wilder. Wir halten es vor Spannung kaum noch aus.

Als wir in dem Bahnhof am Fusse des Berges ankommen, steigen wir um in kleine Shuttlebusse, die uns die 500 Höhenmeter hinauf zu einer der atemberaubendsden Stätten auf unserer Welt bringen werden.

Die Fahrt geht über holprige Feldwege durch dichten Urwald in Serpentinen den steilen Hang hinauf. Der Fahrer kennt hier wohl jeden cm wie seine Hosentasche und legt eine entsprechende Fahrweise an den Tag. Wir werden kräftig durchgeschüttelt und sind nach einer halben Stunde fast oben. Die letzten Minuten müssen wir zu Fuss über schmale Pfade gehen.

Bereits jetzt haben wir einen phantastischen Blick auf den unter uns schäumenden Urubamba und auf die umliegenden mit Urwald bewachsenen Berge.

Die Spannung ist schier unerträglich und die letzten Meter werden im Laufschritt zurückgelegt. Was sich uns oben zeigt, ist mit Worten nicht auszudrücken.

Alle Fotos und Beschreibungen können den Blick auch nicht annähernd wiedergeben, der sich uns bietet. Ich habe das Gefühl, gar nicht in meiner eigenen Haut zu stecken, so unreal wirkt die Szenerie.

Hier haben wir nun 3 Stunden Zeit, an einer der schönsten Stellen auf unserem Planeten, alles genau anzusehen und sich ins Langzeitgedächtnis zu schütten. Ich glaube, unsere Hirnteile waren heute in Bestform...




Elisabeth hatte sofort erkannt, dass wir noch nicht ansprechbar waren und ließ uns noch ein paar Minuten alleine, bevor sie uns mit ihrer sachkundigen Führung alles genau zeigen und erklären wollte.

Es folgt eine ausführliche Begehung des gesamten Komplexes der von dem Briten Bingham erst 1911 entdeckten und von den Inkas verlassenen Stadt. Wir sehen die Terrassen, die Tempel und Wohnhäuser der etwa 1000 Menschen, die hier wahrscheinlich gelebt haben. Auch hier zeigt sich, dass man noch viele Wissenslücken über die Inkas hat, denn über den Zweck der Anlage und auch den Grund, warum die Inkas die Stadt plötzlich verliessen, gibt es verschiedene Meinungen.



















Einer der heiligen Tempel der Stadt...




Der sogenannte Intihuatanah, das zentrale Heiligtum von Machu Picchu. Der aus einem Fels gehauene Monolith zeigt exakte Sonnenstände, die für die wichtigen Daten im Leben der Inkas dienten.










Nach der Führung haben wir noch viel Zeit auf eigene Faust zu forschen. Simone und ich beschließen, zu dem Hauptaussichtspunkt zurückzugehen und das Panorama für fast zwei Stunden auf uns wirken zu lassen. Von hier aus können wir auf den gesamten Stadtkomplex schauen, sehen den mächtigen Huayna Picchu (junger Berg) gegenüber und das tosende Tal des Urubambas inmitten einer Urwaldlandschaft mit aufquellenden Nebelschwaden unter uns liegen.

Der Eindruck wird uns sicherlich unvergesslich bleiben. Als es Zeit wird, den Rückweg anzutreten, haben wir beide Tränen in den Augen. Die letzten Stunden waren das Geld der gesamten Reise bereits Wert...




Die Rückfahrt nach Cusco ist wieder sehr imposant, da man in jedem Fall wieder auf seinem Platz saß, und so die andere Blickrichtung genießen kann. Die Fahrt dauert diesmal erheblich länger, denn der Zug hatte wohl Probleme mit der Wasserkühlung der Dieselmotoren. Völlig ungeeindruckt läuft der Schaffner mit einem Eimer zum nahen Fluss, füllt ihn mit Wasser und gießt das kalte Nass gegen die Motoren. So geht das Spiel alle paar km weiter ohne dass sich nur einer aufregt (Passiencia).

In Cusco kommen wir am späten Abend an. Wir haben mächtig Kohldampf. Eine Spezialität besonderer Art erwartet uns dann in einen netten Lokal an der Plaza del Armas. Meerschweinchen sind in Peru eine absolute Leckerei und einige aus der Gruppe wollen sie unbedingt probieren. Simone und ich natürlich auch. Als die Dinger dann serviert werden, ist es wohl nur der Gruppentrieb, der uns bewegt, die netten kleinen Tierchen anzurühren. Denn was wir nicht wussten, sie werden nur gehäutet und dann komplett gebraten, mit allen Innereien und Körperteilen. Es ist denn schon eine gewisse Überwindung, aber wenn man sich getraut hat, ist man vom milden Geschmack überrascht. Ein wenig wie Kaninchen, denke ich mir...


Wir verlassen Cusco mit schwerem Herzen und fliegen ins Amazonasgebiet nach Iquitos. Der Landeanflug ist ausnahmsweise sehr angenehm, denn hier kann der Flieger frühzeitig mit dem Sinkflug beginnen, und muss nicht wie in Lima, Cusco, Quito usw. steil herunter. Schon können wir das grüne Meer unter uns erkennen, ja sogar die Mäander eines Amazonasnebenflusses sind gut auszumachen. Die Landung ist äußerst sanft und auf dem Rollfeld erkennt man bereits die Einfachheit und Winzigkeit des Airports.





Als wir die alte Boeing 737 verlassen, trifft uns das hier herrschende Klima mit voller Wucht. Es ist gut 30 Grad warm mit einer nahezu 100%igen Luftfeuchtigkeit. Innerhalb weniger Augenblicke ist man von Kopf bis Fuß klatschnass. Auf dem Rollfeld erkennen wir von weitem eine Menschenmenge, die mit Banderolen und Spruchtafeln die Gäste aus dem Flieger begrüssen möchte.

Der Trubel kann unmöglich der handvoll Touristen gelten. Kurze Zeit später bemerken wir, dass in unserem Flieger ein Politiker mitgeflogen ist, der hier im Urwald auf Stimmenfang ist und eine Aktion zur Bekämpfung des Terrorismus startet. Gut, dass wir das nicht vor dem Flug bereits wußten.

Wir verlassen das Flughafengelände und besteigen unseren bereits wartenden Bus. Eigentlich ist die Bezeichnung Bus etwas übertrieben. Es handelt sich um ein uraltes Gefährt ohne Scheiben und größtenteils aus Holz bestehend. Wahrscheinlich rosten Autos aus Blech hier in diesem Klima viel zu schnell. Nachdem wir unser Gepäck verstaut haben, werden wir mit unserem neuen Reiseleiter bekannt gemacht. Er heißt Luis und spricht nur Englisch, sieht aus wie ein Missionarssohn. Jetzt haben wir drei Leiter: Burchardt, Walter und Luis.

Wir sollen nach einer Fahrt von etwa einer halben Stunde in den Hafen von Iquitos fahren und von dort mit einem Motorboot ca. 30 km den Amazonas flußabwärts zu der Sinchicuy Lodge mitte im tropischen Regenwald gelangen.






Unterwegs können wir die ersten Eindrücke der 250.000 Seelenstadt Iquitos gewinnen. Die Häuser und Hütten, in denen die Menschen leben, sind sehr einfach und haben weder abschließbare Türen noch Fenster. Es ist alles sehr staubig und erscheint unaufgeräumt. Die Strassen sind belebt und die Menschen schauen uns Fremdlingen nach. Ja, manche winken uns sogar zu und freuen sich scheinbar auf ein paar Touristen, die ihnen vielleicht einige Soles bringen werden.




Die Menschen wohnen hier in einem extremen Klima und müssen daher sehr widerstandsfähig sein. In der Trockenheit ist es heiß und es mangelt an Wasser. Der Wasserstand der Flüsse geht dann auf ein Minimum zurück. In der Regenzeit steigt der Amazonas um bis zu 9 Meter und zu den täglichen mehrstündigen Regenfällen kommte eine nahezu hundertprozentige Luftfeuchtigkeit.

Die Menschen leben hier hauptsächlich vom Verkauf von Mineralien und von Erdöl. Einziger Transportweg ist der Amazonas in Richtung Brasilien.




Wir fahren mit unserem Bus mitten durch das Zentrum der Stadt. Der bisherige Schotterweg wird abgelöst durch asphaltierte Strassen und auch die Häuser sehen zunehmend südeuropäisch aus. Auf den Strassen herrscht ein Gewimmel von Menschen. Der Bus muss sich schon bemerkbar machen, um ohne Probleme durchzukommen.

Auffällig sind die Mengen von Taxis, die an chinesische Rikschas erinnern. Sie werden allerdings nicht von einem Fußgänger gezogen, sondern man hat ein kleines Motorrad in das Gefährt integriert. 2 Passagiere können mitgenommen, und für einen kleinen Preis durch die Stadt gefahren werden.

Wir machen einen kleinen Zwischenstop bei der Reiseagentur und haben die erste Gelegenheit, den Amazonas zu betrachten. Wir befinden uns in der Übergangsphase von der Trocken- zur Regenzeit und daher führt der Fluss fast Niedrigwasser. Man kann die vielen Hausboote und Schiffe erkennen und im Hintergrund den dichten Urwald. Der Fluß ist hier einige km breit und schlängelt sich auf einer Länge von über 7000km in Richtung atlantischer Ozean. An der brasilianischen Mündung ist er über 100km breit.

Im Hafen, der übrigens an einem Nebenfluss des Amazonas liegt, sollen wir in ein Motorboot steigen. Die Hütten sind hier auf hohen Pfählen gebaut, um den enormen "Tidenhub" der Flüsse ausgleichen zu können. Das Boot liegt abfahrbereit am Ufer und sieht genauso aus, wie wir es uns vorgestellt haben.Ein schmales Holzboot, etwa 10m lang und mit einem Holzüberbau gegen Regen und Sonne geschützt.

Wir steigen etwas unsicher ein, denn das Boot macht keinen sonderlich seefesten Eindruck. Auf dem Boot erkennt man, dass ein Außenbordmotor für den Antrieb sorgt, und dass über dem Boot eine Art Kabine abgetrennt ist. Es ist das Klo, das über bzw. hinter dem Motor offen angebracht ist. Man sollte also aufpassen, dass man den Motor nicht trifft, und ebenso, dass man sich nicht zu tief bückt...

Mittlerweile hat das Boot abgelegt und tuckert flußabwärts in Richtung Amazonas.  Vom Wasser aus betrachtet, sieht man die Menschen, wie sie am Flußufer Wäsche waschen oder wie sie fischen.  Manche baden sogar, und damit ist das Gerücht über die hier vorkommenden Pitanhas wohl widerlegt. Kurze Zeit später kommen wir an die Mündung des Flusses. Hier kann man sehr beeindruckt sehen, wie unterschiedlich das Wasser der beiden Flüsse gefärbt ist. Das Amazonaswasser ist eine hellbraune Flüssigkeit und trennts sich messerscharf von dem recht klaren Wasser des Nebenflusses. Es sind die Sedimente aus den Anden, die den Fluß so aussehen lassen.

Nach etwa 1 Stunde Fahrt verlassen wir den Amazonas wieder und fahren in einen kleinen Nebenarm hinein. Wir erreichen die Lodge, in der wir die Nacht verbringen werden. Vier große Holzhütten sind hier im Urwald versteckt. Sie stehen auf etwa 1m hohen Pfählen und sind mit in gleicher Höhe laufenden Verbindungsstegen versehen.
Eine Hütte ist etwas größer und dient als Küche und Aufenthaltsraum.








Wenig später geht es los durch den dichten Dschungel in Richtung des Dorfes der Yagua Indianer. Unterwegs zeigt Luis die üppige Vegetation, die vielen Pflanzen wie Orchideen, Kletterpflanzen, Schmarotzerpflanzen usw..Termiten, bunte Schmetterlinge so groß wie Schwalben, Raupen und allerlei kleines Getier sehen wir.

Die Indios im Dorf warteten in ihrer traditionellen Festkleidung bereits auf unsere Ankunft. Es war zunächst eine sehr unangenehme Situation, denn da standen Menschen bereit, um von zahlenden Touristen begafft zu werden. Man versteht die Sprache nicht und hat so nur die Möglichkeit, über Zeichen und freundliches Lächeln zu kontakten.



Aber die Indios kennen diese Situation und ergreifen die Initiative, indem sie uns ihre selbstgemachten Schmuckstücke oder Blasrohre zum Kauf anbieten.

Die Yaguas sind ein Stamm, der noch weitgehend in traditionellem Umfeld lebt und arbeitet. Sie haben ihre Kultur bewahrt und kaum kombiniert mit den Errungenschaften der Zivilisation. Man erkennt an ihren asiatischen, mongolischen Zügen, dass ihre Vorfahren vor 50.000 Jahren über die Beringstrasse nach Amerika gekommen sind. Sie sind fast nackt und tragen einen Lendenschurz aus Bast, den sie an Festtagen anziehen. Sie leben vom Fischen und von der Jagd.















Die Technik des blasens der Pfeile durch ein Rohr beherrschen die Indios perfekt. Sie zeigen uns, wie traumhaft zielsicher bis auf 100m geschossen wird. Für uns ist es bereits eine Herausforderung, den Pfeil überhaupt aus dem Rohr zu bekommen...




Am späten Nachmittag kehren wir zurück zur Lodge und haben vor dem Abendessen noch etwas Zeit, die direkte Umgebung der Anlage zu erkunden. Viele bunte Pflanzen sind anzutreffen, wahrscheinlich ein Paradies für Blumenfans. Einen Papagei sehen wir in den Bäumen und der Lärm der Insekten ist so groß, dass man sich kaum unterhalten kann.







Am nächsten morgen müssen wir leider schon den Rückweg antreten. Nach einer erfolglosen Bootsfahrt mit dem Ziel, ein paar Fische zu fangen, geht es wieder zurück nach Iquitos, wo wir gerade rechtzeitig zum Mittagessen ankommen. Ein tolles Restaurant, direkt am Ufer des Amazonas mit Blick auf das Treiben auf dem Fluß und die nahen Wälder, wurde für uns reserviert.

Die verbleibenden 2 Stunden bis zum Abflug nach Equador nutzen wir für eine Fahrt mit dem Rikschataxi und einem Bummel über den Markt. Der Preis für die Taxis ist nach kurzem Feilschen geklärt und schon kann es losgehen. Man kann sich unschwer vorstellen, wie es aussieht, wenn 14 Taxis hintereinander durch eine Stadt brettern. Es hat jedenfalls eine Mordsgaudi gemacht und die Stunde geht rasch vorbei.

Der anschließende Besuch des Marktes zählt für mich zu einem der Höhepunkte der Reise. Wir schlendern gemütlich durch das Gewirr von Gassen, Marktständen und Menschen. Hier gibt es fast alles zu kaufen, was man sich vorstellen kann. Fisch, Fleisch, Gewürze, Kräuter und Elexiere, getrocknete Delphinpenisse als magische Heilsbringer und vieles mehr. Die Menschen vermarkten ihre Produkte sehr aktiv, und man muss an der ein oder anderen Stelle schon mal etwas deutlicher werden, um klar zu machen, dass man die Ware nicht kaufen möchte.









Heute werden wir Peru verlassen und unsere Reise in Richtung Ecuador fortsetzen. Wir fliegen nach Quito, der Hauptstadt Ecuadors mit einer Zwischenlandung in der Hafenstadt Guajaquil. Quito liegt inmitten der Anden auf etwa 2800m Höhe und ist die zweithöchstgelegene Hauptstadt der Welt. Das Reich der Inkas erstreckte sich bis in den Norden Ecuadors, aber leider ist heute so gut wie nichts mehr von ihrer Kultur zu sehen.

Beim Landeanflug können wir die großartige Lage der Stadt, inmitten eines langgestreckten Talkessels mit riesigen Vulkanen im Hintergrund, gut erkennen. Die Hochebenen sind im Gegensatz zum Altiplano viel grüner, was in erster Linie an der geringeren Höhe und der Nähe zum Äquator liegt.

Der Reisebegleiter auf der Stadtbesichtigung ist der junge Österreicher Erich, der heir in Quito eine Spanischschule eröffnet hat und mit einer Reiseagentur kooperiert.

Wir fahren zu einem der beiden großen zentralen Plätze der Stadt, der Plaza Grande mit der Kirche San Augustin. Weiter geht es zum Haptplatz, an dem das Rathaus, der Regierungspalast und die große Kathedrale grenzen.







Wir haben Glück, denn vor dem Regierungspalast ist gerade Wachablösung. Bunt gekleidete, fast kitschige Soldaten wechseln ihren Dienst in einem wiederkehrenden Ritual. Sie lassen sich durch die neugierigen Blicke und die vereinzelten Versuche, sie zum Lachen zu bringen, nicht aus der Ruhe bringen.



Auf dem Franziskanerplatz treffen wir auf eine Armada von Schuhputzerjungs, die wir kaum abschütteln können. Hier hat man uns besonders vor Taschendieben gewarnt, und wir sind entsprechend vorsichtig. Vor der großen Franziskanerkirche liegen Dutzende von bettelnden und verkrüppelten Greisen und flehen uns nach ein paar Almosen an. Mir läuft es kalt den Rücken herunter bei dem Anblick der armen Leute.










Wir fahren weiter zu einem Aussichtspunkt, von dem man einen herrlichen Blick auf die Stadt und die umliegenden Berge hat. Oben angekommen, erwarten uns bereits einige fliegende Händler, die ihre Strickwaren anbieten wollen. Der Blick von dem Aussichtspunkt ist wahrlich großartig. Unter uns liegt die schöne Stadt Quito und in der Ferne Richtung Norden liegt der Cayambe, der mit knapp 6000m Höhe, der einzige Punkt auf der Welt ist, exakt auf dem Äquator gelegen, der Schnee trägt.






Nach Beendigung der Stadtrundfahrt kehren wir wieder ins Hotel zurück und können endlich einmal früh schlafen gehen. Das haben wir aufgrund der letzten Tage, und auch weil wir morgen wieder um 5.00 Uhr aufstehen müssen, bitter nötig.

Am frühen morgen brechen wir in Richtung Norden auf. Wir fahren auf der berühmten Panamericana, die von Feuerland nach Alaska führt und wollen zum Äquator. In Calderon, einem kleinen Ort, der bekannt ist durch seine Salzteigkunst, machen wir einen kurzen Stop. Wir gehen in die Werkstatt der Künstler und Gabriel, unser neuer Reiseleiter, erklärt und übersetzt uns einiges zu den Fertigkeiten.










Weiter geht die Fahrt nach Norden und kurze Zeit später errichen wir den Äquator. An diesem Punkt der Breite Null ist ein kleines Denkmal in Form einer Weltkugel und eine in den Boden gelassene Eisenschiene angebracht.  Wir steigen aus dem Bus aus, und es dauert eine ganze Weile, bis sich alle gegenseitig fotografiert haben, ein Bein auf der Nord- und ein Bein auf der Südhalbkugel.

Wir haben dabei eine Menge Gaudi und mancher vorbeifahrende Wagen hupt laut den verrückten Touris zu...






Die Fahrt geht weiter und führt uns durch das wunderschöne ecuadorianische Hochland in Richtung Norden. Wir sehen aktive und erloschene Vulkane, haben einen Einblick in die Landwirtschaft der hier lebenden Indios, kommen an vielen Strassenläden vorbei und erfreuen uns guter Laune.

Auf einem Streifgang begegnen mir drei Indiofrauen in ihrer Otavalotracht. Sie tragen Brennholz auf dem Rücken mit einem Gewicht fast genauso schwer, wie sie selbst. Wir lächeln uns freundlich zu und die drei gehen weiter ihres Weges.




In dem Ort San Pablo de Oro haben wir die Gelegenheit, bei einer Indiofamilie die Spinn- und Webtechniken kennenzulernen. Wir werden freundlich empfangen und bekommen zur Begrüßung ein heißes alkoholisches Getränk. Das tut uns recht gut, denn es ist mittlerweile bereits später Nachmittag und entsprechend kühl, was die Indios aber nicht davon abhält, barfuß zu laufen. Wir bekommen eine Lektion über das Spinnen von Wolle und das Weben von herrlich bunten Geweben.

Anschließend macht die Familie Musik, um uns zu unterhalten und natürlich auch ein wenig kauffreudiger zu machen.







Wenig später beschließen wir, zu unserer Hacienda zu fahren, in der wir übernachten werden. Die Ausstattung der Haciend verschlägt uns fast den Atem. Schwere Eichenmöbel, wertvolle Teppiche, offene Kamine, fürstlich gedeckte Speiseräume und jede Menge spanischer Bilder aus dem 17. und 18. Jhd..

Ja, genauso habe ich mir vorgestellt, lebten die reichen Großgrundbesitzer im eroberten Land. Wir genießen ein fulminantes Mahl und setzen uns zum offenen Kamin. Gabriel hat herausgefunden, dass im Ort heute Abend eine Fiesta in der Sporthalle stattfinden soll.
Da wollen wir natürlich hin...



Die Fiesta war der absolute Klopfer. Es handelte sich um einen Schlagerwettbewerb des Dorfes. Jeder durfte ein Lied seiner Wahl vor einer Jury zum Besten geben und wurde kräftig von der Familie und von den Bekannten angefeuert. Das Ganze ging natürlich bei strömendem Grog viel besser von Statten.

Wir tranken kräftig mit, sangen und feierten mit den Leuten, die wir zwar kaum verstanden, die uns aber herzlich in ihren Kreis aufnahmen. Es war zu köstlich; wir hatten viel Spass und weit nach Mitternacht alle Mühe, den richtigen Heimweg zu finden.

Mit dickem Kopf und einem Haß auf den Wecker stehe ich am Morgen widerwillig auf. Simone lacht sich halb kaputt über meinen Zustand und erzählt, dass si sich mit den Zurückgebliebenen am offenen Kamin Indiomärchen vorgelesen hatten. Nach der kalten Dusche leben meine Lebensgeister wieder auf und es kann losgehen zu einem weiteren Höhepunkt der Reise. Wir fahren zu dem berühmten und größten Indianermarkt in ganz Südamerika.

Jeden Samstag werden in Otavalo ein Vieh- und ein Textilmarkt veranstaltet, wo viele Menschen von weit herkommen, um zu kaufen oder zu verkaufen.






Nach den etwa 20 km Fahrt nach Otavalo besuchen wir zunächst den Viehmarkt. Von wetem hören wir schon das Geschrei der Schweine, die mit roher Gewalt nach dem Kauf auf Fahrzeuge gepackt werden. Dabei werden auf Animositäten wenig Rücksicht genommen. Alle möglichen Tiere werden hier gehandelt und dazu amüsiert man sich und trinkt und isst.

Ganze Schweine werden gebraten und an speziellen Ständen angeboten. Aber auch für den  Europäer ungewöhnliche Tiere werden hier verkauft. In einer Schale werden z.B. dicke madenähnliche Käfer geröstet und in einer süßsauren Soße angeboten.

Aufgrund der gestrigen Ereignisse, dreht sich mir der Magen beinahe um...







Auf dem großen Textilmarkt haben wir 2 Stunden Zeit, uns individuell umzuschauen und entsprechend einzukaufen. Wir beschließen, die Weihnachtsgeschenke für die Familie hier zu kaufen und stürzen uns in das Getümmel.

Das Angebot ist so riesig, dass man sich ganz schön konzentrieren muss, um nicht den Überblick zu verlieren. Wir kaufen Hemden, Schals aus reiner Alpakawolle, Schmuck aus gutem Silber und allerlei Kleinkram. Das Handeln mit den cleveren Otavalos macht sehr viel Spass, und man kann eine ganze Menge herunterhandeln. Für manche Stücke sind wir zwei, dreimal von dem Händler nach dem Verlassen des Standes zurückgeholt worden, nachdem wir ihm gezeigt hatten, was wir von dem geforderten Preis halten.



















Die Zeit in Otavalo geht sehr schnell vorbei und wir haben gerade so eben all das bekommen, was wir wollten.

Nach einem leckeren Essen in der Nähe von Otavalo an einem See mit der tollen Kulisse des Vulkans Imbabura, verlassen wir die schöne Gegend wieder in Richtung Süden, um nach Quito zurückzufahren.

So langsam denkt der eine oder andere schon an das Highlight, welches uns in den nächsten drei Tagen hoffentlich erwarten wird. Der Besuch der Galapagosinseln steht uns unmittelbar bevor.

Im Hotel angekommen packen wir nur die Sachen, die wir für die nächsten drei Tage brauchen werden. Der Rest wird uns nach Guajaquil nachgeschickt, wo wir nach der Kreuzfahrt auf Galapagos ankommen werden.

Die Kreuzfahrt im nördlichen Teil der Galapagosinseln war wie erwartet der absolute Höhepunkt der Reise und für Simone und mich als noch unerfahrene Reisende ein Erlebnis der Unbeschreiblichen Art. Wir haben geflennt wie die Kinder, als wir den Archipel wieder verlassen mussten und haben damals schon beschlossen, dass man hier ausführlicher noch einmal hin muss. Das taten wir dann auch 2002 mit einer 12 Tagestour, die nicht per Kreuzfahrt, sondern teilweise mit Zelten auf den Inseln und viel mehr Naturerlebnis verbunden sein wird. Die ausführliche Reisebeschreibung ist auf der site Galapagos 2002 zu lesen...

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Der Empfang in Guayaquil ist wenig erfreulich. Schwülwarme Luft schlägt uns entgegen, das Willkommen der Menschen ist unfreundlich und die Stadt nach den lautlosen Naturereignissen der letzten Tage einfach nur laut, häßlich und stinkig. Ich frage Gabriel, wie es kommt, dass eine wirtschaftliche Metropole wie Guajaquil so verkommen aussehen könne im Vergleich zu der Hauptstadt Quito. Seiner Meinung nach lieget das an der Verteilung: in Guajaquil kämen die Gewinne nur sehr wenigen zu Gute, während man in Quito von vorneherein auf eine breitere Verteilung geachtet hätte.




Am nächsten morgen erwartet uns wieder ein Ereignis der besonderen Art: Die Fahrt mit der berühmten Andenbahn. Normalerweise ging sie von Guajaquil bis Riobamba. Da aber durch Erdrutsche ein Teil der Strecke unterspült ist, fahren wir zunächst ein Stück mit dem Bus. Unterwegs durchqueren wir den Nebelwald, ein Urwald wie aus dem Bilderbuch.










In Huicra besteigen wir dann die Andenbahn. Das Besondere an dieser Andenbahn ist, dass man auch auf dem Dach mitfahren kann. Einige aus der Gruppe und dazu gehören auch Simone und ich, wollen das unbedingt miterleben. Der andere Teil fährt mit dem Schienenbus.

Es ist eine Diesellok mit Gepäckwagen, Lastenwagons und einem Personenwagen. Die Leiter, die auf die Gepäckwagen führt, sieht wenig vertrauenserweckend aus. Doch wir nehmen uns ein Herz und klettern rauf. Oben gibt es einen Eisensteg, auf dem man sitzen kann.

Nachdem wir wie die Spatzen auf der Stange Platz genommen haben, verteilt Gabriel unsere Luchpakete. Die kleinen Schuhputzerjungen sitzen um uns herum und schielen mit großen Augen auf unser Essen. Ich habe ein ziemlich großes Loch im Bauch. So esse ich mein Hühnchen. Den Apfel und die Chips bekommen die Kinder sofort. Ganz brüderlich teilen sie sich die Lebensmittel und dann sogar noch meine abgenagten Knochen - ein beklemmendes Gefühl. Noch einige weitere Reiseteilnehmer geben ihnen ihre Lunchpakete, worüber sie sich königlich gefreut haben...









Dann endlich geht es los. Zunächst einmal rückwärts, um noch einen Wagon dazwischenzuschieben und dann weiter durch atemberaubende Täler und Schluchten, durch Tunnel und über Abgründe zur sog. Teufelsnase.

Es ist ein unbeschreibliches Gefühl auf dem Dach zu sitzen und die angenehme Fahrt mit max. 40km/h zu genießen.














Die Teufelsnase ist eine Meisterleistung der Ingenieure aus dem Ende des 19. Jhds. In zahlreichen Spitzkehren (wie in Machu Picchu) zieht sich der Zug einige 100 Höhenmeter hinauf in Richtung Riobamba. Das Panorama vom Dach aus ist atemberaubend...



















Nach gut 2 Stunden endet unsere Zugfahrt in Alausi - leider - denn wir wären gerne noch weitergefahren. Aber die Strecke ist ab hier wiederrum nicht befahrbar und der Staat hat kein Geld, um die Reparatur durchzuführen.




In Riobamba kommen wir denn wenig später mit dem Bus an und schauen uns den Ort mit seinen Kirchen, Märkten und traditionellen Festen in Ruhe an.








Leckere Meerschweinchen gibt es also auch in Ecuador...




















Der letzte Programmpunkt unserer 3wöchigen Reise nach Südamerika ist der Besuch des Nationalparks Cotopaxi.


Der fast 6000m hohe Vulkan schlummert und kann wieder ausbrechen. Das Gebiet um den Berg ist zum Nationalpark erklärt und bietet eine ausgeprägte Flora und Fauna. Ein kleiner Fußmarsch steht auf dem Programm. Erstmals kommen Simone und mir an dieser Stelle Gedanken, wie wir künftige Reisen begehen wollen: weniger Flüge; weniger Luxus; mehr Wandern und Kontakt zu den Einheimischen...















 
















Wir genießen die Eindrücke des Cotopaxis eine ganze Weile und fahren weiter wieder nach Quito, wo am späten Abend unsere Rückreise nach Deutschland beginnt.


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Peru 1995
Nach dem großen Erfolg unserer ersten Reise nach Südamerika 1993 haben wir speziell an Peru besonders großes Interesse bekommen.
Rund 100 ökologische Zonen gibt es auf unserem Globus, davon kann man ca 85 in Peru zählen. Muss man noch mehr an Reizen an einem Land aufzeigen?
Die Reiseform musste allerdings noch entwickelt werden. So trauten wir uns zaghaft an erste Trekkingreisen heran.


1995 machten wir eine Mischung aus Kulturreise und einfachem Trekking. Nach Besuch der Küstenwüste und dem Überfliegen der Nasca-Linien ging es ins Hochland von Arequipa und ins Colca Canyon. Weiter nach Puno zum Titicacasee und dort auf die Insel Taquille, wo wir beim Bürgermeister übernachtet haben.
Von Cusco fuhren wir mit dem Zug zum km 88 und machten unsere erste Trekkingtour von Ollantaytambo nach Machu Picchu. Parallel zum bekannten Inkatrail wanderten wir auf wenig begangenen Wegen in der Cordillera Vilcanota und fanden Gefallen an unserer neuen Reiseform.
Zum Abschluß noch ein paar Tage nach Puerto Maldonado am Rio Madre de Dios zu einer abgelegenen Urwaldlodge, wo wir die unglaubliche Pflanzenvielfalt des tropischen Regenwaldes erleben konnten.




Wir landen in Lima, der Hauptstadt Perus nach einem anstrengenden Flug mit KLM über Amsterdam und Aruba. In Lima übernachten wir in einem kleinen Hotel (einfach und sauber und ein paar Nummern kleiner, als auf unserer ersten Reise).

Es ist die erste Reise mit Hauser Exkursionen München. In dem Hotel treffen wir auf die Mitreisenden, die aus ganz Deutschland und Österreich kommen und auf unseren lokalen Guide namens Peter. Ein Deutscher, der seit vielen Jahren in Peru lebt und eng verzahnt ist mit der lokalen Agentur hier vor Ort.

Die Reisegruppe ist sehr homogen und mit den meisten Teilnehmern pflegen wir noch heute eine Freundschaft (fast jedes Jahr treffen wir uns reihum bei einem Teilnehmer zum Erfahrungsaustausch).




Auf der Panamericana fahren wir durch Wüstenlandschaften nach Süden der Pazifikküste entlang nach Paracas. Die Pachacamawüste zählt zu den trockendsten Wüsten der Welt. Sie entsteht durch den kalten Humboldtstrom des Ozeans und der Nähe der Anden. Es bildet sich über dem Meerwasser eine Wolkeninversionsschicht, die selten über dem Land abregnet. Es liegt oft ein dichter Nebel über der Wüste. Die Peruaner nennen ihn liebevoll panza de burro (Eselsbauch).




Mit einem schnellen Boot besuchen wir heute Vormittag das Naturschutzgebiet der Ballestas Inseln. Man findet dort seltene Vogelarten, unzählige Seelöwen und Pinguine.



















Auf der Fahrt durch die Küstenwüste sehen wir immer wieder aufgerissene und geplünderte Gräber von frühen Kulturen des Landes. Die Räuber sind scharf auf die Grabbeigaben, die auf den Schwarzmärkten gute Preise bringen. Die mumifizierten Leichenreste werden achtlos liegengelassen. In der trockenen Wüstenluft halten sie sich sehr lange.






















Heute werden wir mit kleinen Flugzeugen die Nazca Linien überfliegen. Am späten Nachmittag, wenn die Sonne bei den Scharrbildern durch ihren schrägen Stand Schatten bildet, kann man die geometrischen Muster und riesenhaften Abbildungen von Affen, Kolibris, Spinnen und anderen Tieren besonders gut sehen.




Das Fliegen ist nicht jedermanns Sache, da der Pilot zur besseren Sicht für die Passagiere meist in Schräglage fliegt, damit man einen besseren Blick auf die Figuren bekommt.







"Der Astronaut"...










"Der Affe"...










"Der Schlangenvogel"...




"Die Spinne"...




"Der Kolibri"...




Und wieder ein geplündertes Gräberfeld...













Wir verlassen die Küstenwüste und fahren hinauf in die Anden, nach Arequipa, der zweitgrößten Stadt des Landes. Malerisch gelegen am Fuße der Vulkane Misti und Chachani wird Arequipa als die schönste Stadt Perus bezeichnet.

Am Vormittag unternehmen wir eine Stadtrundfahrt, sehen den Hauptplatz mit seinen anliegenden Kirchen und Regierungsgebäuden, sowie die beeindruckende Anlage des Klosters Santa Catalina.






















Die Meerschweinchen sind hier besonders cross und schmackhaft...




Ein erster wirklicher Höhepunkt der Reise steht bevor. Die Fahrt ins Colca Canyon, einem der tiefsten Täler der Welt, wo wir hoffentlich den Condoren bei ihren Flugmanövern zusehen können.




Über holprige Pisten, aber dafür durch herrliche Landschaft führt die Strasse. Wir fahren durch karge Gebirgslandschaft, dann wieder durch fruchtbare Täler und Ebenen.







Ein Vulkan stößt eine riesige Aschewolke aus. Das Grollen des Berges ist über viele km zu hören. So etwas haben wir bisher noch nie gesehen.










Heute haben wir den ganzen Tag Zeit, den beeindruckenden Colca Canyon und die Umgebung zu erforschen. Wir finden eine bis zu 3300m tiefe Schlucht vor, die Wände stürzen teilweise fast senkrecht in die Tiefe. Es dauert scheinbar eine Ewigkeit, bis ein geworfener Stein unten ankommt.

Der hier entstehende Aufwind ist bei den Condoren sehr beliebt, die riesigen schwarzen Vögel scheinen in der Luft zu liegen.
















Tief beeindruckt von der "Flugschau" fahren wir wieder zurück nach Arequipa.







Gruppenbild mit Peter Böhm.




Das Moospolster Llarretta wächst ziemlich genau auf 4000m Höhe. Bei den einheimischen dient es als gutes Brennmaterial.







Nach dem Frühstück werden wir zum Flughafen gebracht. Wir fliegen nach Juliaca und fahren von dort nach Puno. Ein kleiner Umweg bringt uns nach Sillustani, wo wir die Grabtürme auf der Halbinsel Umayo besichtigen.

























Heute und morgen steht wieder ein besonderes Ereignis an. Wir werden die Uro Indianer und die Insel Taquile besuchen.

Mit einem Motorboot fahren wir auf dem Titicacasee (3830m) weit hinaus in Richtung Taquile. Auf der Fahrt dorthin besuchen wir die auf schwimmenden Schilfinseln wohnenden Nachkommen der Uro Indianer.

Sie leben hauptsächlich vom Tourismus.






















Im Gegensatz dazu ist Taquile eine weitgehend unberührte Insel mit Vieh- und Landwirtschaft. Hier gibt es noch Gemeinden mit "cooperativas" (Genossenschaften).







Strickend empfangen uns die Männer des Dorfes.







Wir haben genügend Zeit uns auf Taquile umzusehen. Die mediterane Atmosphäre ist überwältigend. Tiefblau der See und weiß das Gestein und die einfachen Gebäude. Die Bewohner von Taquile sind ausgesprochen gute Weber und stellen feinste Strickarbeiten her.




Die Gruppe wird aufgeteilt auf verschieden Familien, wo wir unter einfachsten Bedingungen übernachten können. Ein Hotel oder ein Camp gibt es auf der Insel nicht. Simone und ich werden ganz passabel bei der Familie des Bürgermeisters untergebracht.










Von Taquile geht es wieder zurück nach Puno. Von Puno fahren wir erneut mit der Andenbahn nach Cusco, der ehemaligen Hauptstadt des Inkareiches.

Die Strecke von Puno nach Cusco ist wohl eine der landschaftlich schönsten Strecken in Peru. Wir durchqueren das Altiplano, sehen kleine Dörfer und im Hintergrund vergletscherte Berge, bis wir das Vilcanotatal erreichen. Die Fahrt dauert bis zu 12 Stunden. Eine ausfühliche Beschreibung und Bebilderung findet man im Bericht Peru 1993.

Auch die Besichtigung der Stadt Cusco soll hier an dieser Stelle nicht wiederholt werden. Auch hierzu findet man Bilder und Text im Bericht Peru 1993.

Es wird nun Zeit für unsere erste Trekkingtour in der Cordillera Vilcabamba. Mit dem Bus erreichen wir Ollantaytambo.



Wir besichtigen die Inkaanlage mit den faszinierenden Steinmauern und Tempelresten.










Eine Statue einer der letzten Inkakönige thront am Fuße der Anlage.







Es ist für uns ganz schön aufregend, bei den Vorbereitungen des Trekkings dabeizusein. Unser Gepäck und die Verpflegung werden auf Pferde und Maultiere gepackt, die Mannschaft organisiert und zum Abmarsch geblasen.




Wir überqueren den Urubambafluss und steigen langsam auf, treffen auf eine kleine Quelle und die Höhlen von Nawinpata. Auf unserem Weg stoßen wir auch auf Überreste eines alten Bewässerungssystems.







Bald ist eine kleine Anhöhe erreicht, die eine herrliche Sicht freigibt auf den Ort Ollanta und das Patacancha Tal mit den riesigen Terrassenfeldern.










Heute erreichen wir den höchsten Punkt unseres Trekkings, den 4350m hohen Tambapatapass. Sobald wir diesen Höhenzug überschritten haben, steigen wir ab nach Chancchuco, einer kleinen Siedlung.













Während des nun folgenden Aufstieges Richtung Ancascocha haben wir ständig eine herrliche Aussicht auf die Huayanay Gipfel im Osten, auf den Mt Veronika und hinunter ins Tal.

Wir wandern weiter westwärts, überqueren kleine Bäche, wie den Willkifluß, bis wir schließlich unseren Lagerplatz auf 4000m Höhe erreichen.




Langsam steigen wir weiter auf zum Suero See und lassen das Aucascochatal hinter uns. Wir folgen dem Pfad ostwärts und treffen auf die Inkaruinen von Incaraqay. Nun geht es steil bergab ins Muyumuyu Tal, wo wir verweilen und ein Bad unter einem wunderschönen Wasserfall nehmen können.










Der Salcantay, deutlich über 6000m hoch...













Weiter bergab steigend erreichen wir bald das Keska Tal. Die Vegetation verändert sich allmählich und kleine Bauernhöfe und Felder säumen den Weg.




Am km 88 treffen wir auf die Bahnstrecke von Cusco nach Machu Picchu. Die letzten wenigen km verlief unser Weg auf dem berühmten Inkatrail. Dieser war völlig überlaufen und verdreckt. Wir hingegen sind in den letzten Tagen keinen weiteren Wanderern begegnet und hatten unsere Ruhe. Ich kann diese alternative Route also nur empfehlen.

Die nächsten beiden Tage verbringen wir an dem grandiosen Ort Machu Picchu, den wir zum zweiten Mal auf unseren Reisen besuchen werden. Eine ausführliche Beschreibung und Bebilderung siehe Peru 1993...










Nun wartet der letzte Höhepunkt auf uns, der Urwald von Puerto Maldonado. Ein 30minütiger Flug bringt uns in eine andere Welt. Wir besteigen ein Boot und können bei der zweistündigen Fahrt zu unserer Lodge die ersten Eindrücke und Geräusche des Amazonas Urwaldes aufnehmen.













Die Lodge ist geräumig, sauber und gemütlich. Von hier aus können wir uns auch individuell auf markierten Pfaden ein Bild von der Vielfalt der Pflanzenwelt machen.

Tiere sieht man übrigens im Urwald eher selten bis gar nicht...























In der Morgenstimmung bei der Lodge dröhnen Stimmen, die an eine überdimensionale Klospülung erinnern. Ich frage mich die ganze Zeit, was das wohl sein wird. Kurze Zeit später wird klar, es sind Brüllaffen...







Die drückende Schwüle und Feuchtigkeit gepaart mit der Hitze und dem ohrenbetäubenden Lärm der Insekten und Vögel macht uns ganz schön fertig. Ein Moskitonetz soll uns beim Schlafen vor unliebsamen Besuchern schützen.




























Am Flughafen von Puerto Maldonado warten wir auf die Flieger, die uns wieder in die Zivilisation nach Hause bringen werden.

Eine tolle Reise mit vielen Eindrücken liegt hinter uns. Die Reiseform mit dem inkludierten Trekking hat es uns angetan für zuküntige Pläne.

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1996 wagten wir dann eine 14tägige recht anspruchsvolle Tour in die Cordillera Huayhuash, die wir umrundeten und wo wir unseren ersten 5000er Pass überschritten haben.

Bis zuletzt haben wir gebangt um die Durchführung der Reise, da nur 4 Personen angemeldet waren. Unser guter Kontakt zu Hauser und ein vertretbarer Aufpreis haben die Reise dann möglich gemacht.






Wir fliegen von Lima nach Trujillo, unterhalten und beschnüffeln uns mit Mario unserem Tourguide, Dörte und Günter. Nach der Ankunft in Trujillo und den ersten Blicken während des Fluges auf die Cordillera Blanca und Huayhuash, werden wir am Flughafen abgeholt.




Es folgt eine kurze Besichtigung der Stadt und am Abend ein fulminantes Mal in einem guten Restaurant, wo wir erstmals ceviche essen, eine Rohfischspeise. Sehr lecker und nur in topsauberen Lokalen empfehlenswert.










Am Strand sehen wir die berühmten Tutoraboote (cavallitos de mare/Seepferdchen), die von den hiesigen Fischern benutzt werden.





Bei der ersten kulturellen Besichtigung kommen wir der Mochekultur ein wenig näher (ca. 800-1200 n.Chr.) Wir schauen uns die Huaca de la luna und de sol (Mond- und Sonnentempel) der Mochekultur an. Die beiden Tempelanlagen sind gewaltig, aus Adobeziegel im trockenen Wüstensand erbaut und durch das rauhe Klima sehr stark erodiert. Grabräuber und die Spanier haben ihren Teil dazu beigetragen, aber dennoch hat man bei systematischen Ausgrabungen eine Reihe wertvoller Friese und Räume entdeckt.









Die zentrale Gottheit der Moche war anders als bei den Inkas der Mond neben dem Meer und der Sonne, so dass die Huacea de la luna das besondere Heiligtum darstellte. Jeder Herrscher errichtete auf dem Tempel seines Vorgängers eine neue Anlage, so dass die heutigen Ruinen gewaltige Ausmaße aufweisen können.





Es wurden religiöse Rituale abgehalten, man hat sogar Skelette gefunden, die darauf schließen lassen, dass es sich auch um Menschenopfer gehandelt hat.







Ein weiterer Höhepunkt ist der Besuch des Drachentempels (Regenbogentempel) der Chimukultur (1200 - 1440 n.Chr.).
















Die Hauptstadt der Chimus war Chan Chan. 1440 n.Chr. wurden die Chimus von den Inkas besiegt und die riesige Stadt weitgehend zerstört. Hier lebten ca. 100.000 Menschen auf etwa 24 qkm.








Verschiedene Tempelanlagen und Wohnbereiche sind noch bis heute gut erhalten, aber das meiste ist fast bis zur Unkenntlichkeit erodiert. Wir schauen uns die besterhaltenen Tempel an und sind begeistert von den Ausmaßen, der Schönheit der Fresken und der Atmosphäre im schrägen Sonnenlicht.





Wir sehen einen Prozessionshof, ein Wasserreservoir, eine Friedhofsanlage u.v.m.. Es ist schade, dass man die Anlage wegen ihrer Komplexität kaum vor weiterer Erosion schützen kann.








Wir werden um 5.00 Uhr geweckt und nach einem zu kurzen Frühstück geht die Fahrt auf der Panamericana Richtung Süden los. Die Stadt Trujillo liegt noch im Morgengrauen, als wir die ersten Dünen der trockenen Küstenwüste sehen. Nach wenigen halben Stunden machen wir eine Pause in einem kleinen Ort an der Küste. Ich kann es mir trotz des frühen morgens nicht verkneifen, Fisch zu essen, eine Delikatesse hier an der peruanischen Pazifikküste. Es schmeckt wunderbar und gibt mir Kraft die 12stündige Fahrt nach Huaraz zu überstehen. Wenig später kommen wir nach Casma, wo wir den Tempel der Sechinkultur besuchen werden. Die Kultur der Sechin zählt zu den ältesten des Kontinents und der Tempel wird auf etwa 1200 v.Chr. datiert. Die Teile des Tempels, die freigelegt und zugänglich sind, werden an den Außenwänden von mystischen Figuren, in Kerben in den Stein gemeißelt, verziert. Die Figuren stellen Krieger dar, die mit Waffen in den Händen kampfbereit sind. Ferner sind grausame Verstümmelungen möglicher Feinde abgebildet, die in jedes Horrorkabinett passen würden. Der Zweck der Anlage ist unklar, entweder wollte man den Gegner abschrecken oder man erzählte von vergangenen Siegen.








Unser Weg führt uns nun von der Küste nach Osten ins Landesinnere in die Anden. Die gut ausgebaute Küstenstrasse wandelt sich schnell in eine Schotterpiste übelster Sorte, die wir noch 4 Stunden bis Huaraz überstehen müssen. Huaraz ist die Bergsteigerzentrale in der Cordillera Blanca und liegt etwa 3070 m hoch. Wir fahren das Casmatal entlang und bestaunen die sich wandelnde Landschaft. Schnell sind wir aus der Garuapampe heraus, da lacht uns die Andensonne entgegen. Steil sind die Wände des Tals und karg der Boden. Einzelne Campesinos zwingen dem Boden durch konsequente Bewässerung Getreide und Kartoffeln ab, ja sogar Kohl haben wir gesehen. Nach einigen Stunden erreichen wir den Pass auf ca. 4200 m Höhe und haben einen ersten Blick auf das Tal von Huaraz und die dahinterliegende 180 km lange Cordillera Blanca. Der Himmel ist fast wolkenlos und die Aussicht ist einfach gigantisch. Etliche der 20 6000er liegen in gleißendem Sonnenlicht zum Greifen nah vor uns.













Wenig später wird der Blick frei auf den höchsten Berg von Peru, den Huascaran, der mit fast 6800 m einer der schönsten Berge Südamerikas ist. Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir Huaraz und werden in ein Hostal einquartiert. Eine alte Bierbrauerei wurde umgebaut zu verschiedenen Hütten, in die man Hotelzimmer integriert hat.






Am frühen Morgen verlassen wir Huaraz durch das Santatal in Richtung Süden. Unser Ziel ist Chavin de Huantar, die wahrscheinlich älteste Kultur in Peru. Das Tal des Rio Santa verläuft in Süd-Nord Richtung, ist sehr fruchtbar und birgt herrliche Blicke auf die 180 km lange Cordillera Blanca. Die Fahrt geht ca. 40 km Richtung Süden und die Blicke auf die 6000er der Bergkette sind wunderschön.








Bei Catac verlassen wir die bequeme Asphaltstrasse und biegen ab nach Osten auf die verbleibenden 80 km über staubige Schotterpisten. Nach einiger Zeit gelangen wir an die Laguna Querococha, einem malerischen Bergsee umrahmt vom 5300 m hohen Pucaraja. Zwei Campesinos bieten uns ihre Pferde an. Wir machen uns einen Spass, in der wärmenden Vormittagssonne am See etwas auszureiten.





Am frühen Nachmittag erreichen wir Chavin de Huantar, wo wir die Ruinen des Haupttempels der Chavinkultur besichtigen. Die Chavins lebten etwa 1200 v.Chr. bis 400 . Chr. und verehrten 3 Gottheiten der Natur: Den Puma, der den Donner mit seinem Gebrüll darstellte, den Adler(Condor), der das Element Luft und die Erhabenheit symbolisierte und die Schlange, die das fließende Wasser und den Blitz dargestellte haben soll. Alle Teile und Darstellungen des Tempels beinhalten diese zentralen naturalistischen Werte.












Der Tempel hat wohl im wesentlichen zeremoniellen Charakter. Wir sehen uns die Details in Ruhe an und sind erstaunt über die gut erhaltenen Reste, die das große Erdbeben von 1945 verbunden mit einem gewaltigen Erdrutsch, einigermaßen überstanden haben. Wir erkennen Treppen, Mauern und gut ausgeklügelte Wasserkanalsysteme. Sogar das Innere des pyramidenförmigen Zentralgebäudes ist begehbar.





Simone und ich staunen besonders über die berühmte Hauptfigur, den Lanzon. Dieser ca. 4 Meter hohe Steinobelisk steht im Zentrum der Anlage und symbolisiert die 3 Gottheiten. Wann genau, warum und von wem die Chavin abgelöst wurden, ist noch heute eines der vielen Rätsel der Kulturgeschichte Südamerikas.







Der große und lang ersehnte Tag beginnt. Wir wollen zum Trekking in die Cordillera Huayhuash. Wir verlassen Huaraz am frühen Morgen, sehen die letzten Ausläufer der Cordillera Blanca und wenig später weit am Horizont die mächtige, leicht in Wolken getauchte Silhuette der Cordillera Huayhuash. Noch können wir uns überhaupt nicht vorstellen, diese mächtige Bergkette zu umrunden. Der Yerupaja liegt in Wolken; man siht nur die Ausläufer der Gletscher in gleißendem Licht.





Wir verlassen die asphaltierte Straße nach Lima und biegen ab in Richtung Chiquian, dem Ausgangspunkt unseres 14tägigen Trekkings. Die Landschaft ist karg und die Sonne läßt den Himmel stahlblau erscheinen. Immer wieder gibt es herrliche Blicke auf die Cordillera Huayhuash. In Chiquian kommen wir mittags an und schauen uns den kleinenOrt mit seinen engen Gassen, bunten Menschen und vielfarbigen Häusern an.















Es kommt zu einer kleinen Verzögerung, da die Mannschaft noch nicht komplett ist. Der Versorgungs LKW aus Huaraz ist noch nicht da, so dass wir uns die Zeit vertreiben mit der ersten Kontaktaufnahme mit unseren Maultiertreibern und der Erkundung der Stadt. Nach ein wenig "passiencia" ist es dann so weit, dass die 18 Tragetiere bepackt sind und es losgehen kann.












Unser Pfad führt uns bergab zum Rio Ainin entlang des fruchtbaren Tals. Es begegnen uns viele Einheimische mit Eseln und Kühen. Sie sind sehr freundlich, und neugierig befragen sie uns nach unserem Weg und unserer Herkunft. Die heutige Strecke ist ca. 8 km lang und nicht sonderlich anstrengend, gerade richtig zum Eingewöhnen.






Nach gut 2 Stunden erreichen wir bereits unseren Zeltplatz auf 2800 m, haben also eine Höhendifferenz von etwa 600 m überwunden. Wir lagern direkt am Fluss unweit der Stelle, wo der Rio Quero und der Rio Pativilca sich vereinigen.

Mit nur 30 km Ausdehnung bildet die Cordillera Huayhuash ein sehr kleines Glied in der Kette der Anden, doch eines der eindruckvollsten. Bizarre und wilde Gipfel, schwierigste Eiswände, extrem zerissene Gletscher, grandiose Panoramen, traumhafte Lagerplätze an zahllosen türkisfarbenen Lagunen kennzeichnen diese Zauberwelt der Anden. Sechs Eisriesen mit 9 Gipfeln über 6000 m Höhe bilden das Herzstück eines der schönsten Hochgebirge der Erde, darunter der zweithöchste Berg Perus, der 6634m hohe Nevado Yerupaja Grande mit seinen auf allen Seiten steilen Eisflanken und der für viele als der schönste Berg Südamerikas geltende Nevado Jirishanca Grande, der Kolibrischnabel aus Eis, wie er aus der Quetschuasprache übersetzt heißt.

Die 200 km lange Rundwanderung ist die anstrengendste Hochgebirgswanderung in den peruanischen Anden, mit den meisten Pässen und den größten Höhenunterschieden. Je nach Routenwahl sind sieben bis zehn Pässe zwischen 4500 und 500m Höhe, und somit auf der ausgedehnten Variante über 8000 Höhenmeter zu bewältigen. Der Weg verläuft die meiste Zeit in Höhenlagen zwischen 4000 und 5000 m. Die gewaltigen Steigungen erlauben kaum einmal gemütliches Wandern, ständig bewegt man sich bergauf oder bergab. Dafür bietet diese Tour in einer der großartigsten Hochgebirgslandschaften der Erde überwältigende Eindrücke, ein Aneinanderreihen von unvergleichlich schönen Panoramen mit den wildesten Bergen Perus. Zwei besondere Hauptattraktionen sind auf der Ostseite die Laguna Carhuacocha und auf der Westseite die Laguna Jahuacocha. Diese beiden Gletscherseen liegen unmittelbar vor den hochschnellenden Eiswänden der größten Eisriesen. Hier haben wir auch jeweils einen Zusatztag zur ausführlichen Erkundung der Gegend und zum Dezimieren des mitgebrachten Filmmaterials genutzt.








In den Zugangstälern der Cordillera Huayhuash noch weit entfernt von den Eisriesen und in noch erträglicher Höhe, ist die Vegetation äußerst üppig und die Sonne brennt erbarmungslos in der Mittagszeit.





Der Pfad ist schmal und staubig, und wir werden von allerlei Stechmücken geplagt. Über 4000m gibt es die Viecher allerdings nicht mehr, doch bis dahin vergehen noch zwei Tage.

Die Mannschaft mit den Tieren hat uns längst überholt, so dass wir mit unseren beiden Führern zu lediglich sechs Personen das Tal hinaufmarschieren. Wir gehen äußerst langsam, um uns an die dünner werdende Luft besser anzupassen. Die Steigung des Tales ist gut zu ertragen, jedoch ist das permanente Bergauf in der prallen Sonne sehr anstrengend. Mario motiviert uns, in dem er uns dies als den letzten lockeren Tag der Tour beschreibt.

Die Pflanzenvielfalt in dieser tropischen Region ist trotz der steigenden Höhe beachtlich.










Dies mit tausenden haarfeiner Stacheln besetzten Greisenhauptkakteen begegneten uns auf unserer Reise vielfach, so dass wir häufig aufpassen mussten, nicht auf einem solchen Kissen sitzen zu müssen. Zum Teil blühten sie in wunderschönen Farben.





In dem kleinen Ort LLamac blühten auf dem Dorfplatz gelbe und weße margeritenähnliche Blumen.






Die Nationalblume Perus, die Canduta, blüht in gelben oder in roten Farbtönen.





An klaren Bergbächen, die gespeist sind mit eiskaltem Gletscherwasser, wachsen Schilfe und verleihen ein Aussehen, wie wir es auch aus den Alpen kennen.








Dieses doldenartige Gewächs mit seinen scharfen Stacheln begegnete uns häufig. Es wächst auf blankem Felsen und verträgt bis zu 4000m Höhe.





Kommt man in große Höhen, so nimmt die Länge der Pflanzen erheblich ab, da die starken Winde längeren Pflanzen arg zu schaffen machen würden. Dieses Gebilde, man kann es kaum glauben, ist eine Tannenart und ist nur wenige Zentimeter groß.








In Höhen über 4000 m wächst das sogenannte Llarretta. Diese Polster sind steinhart und nur an der Oberfläche grün. Sie werden von den Einheimischen gerne als Brennmaterial genutzt.





Diese der Margerite sehr ähnliche Pflanze wächst ebenfalls in großer Höhe und besitzt praktisch keinen Stengel.





Kleine Fettpflanzen und andere winzige Hochgebirgsblumen wachsen bis zur Schneegrenze von fast 5000 m.





Wir bauten unsere Camps insgesamt 13 mal auf und ab und unsere Begleitmannschaft bemühte sich, die schönsten und vor allem trockensten Plätze auszusuchen.





Allabendlich, wenn wir von den anstrengenden Märschen ankommend uns müde ins Camp schleppten, waren unsere Zelte längst aufgebaut und im Küchenzelt brodelte es in den Kochtöpfen. Es gab dann Tee und tolles Essen.

Oftmals konnten wir unser Lager zwischen Steinen und Mauern von Viehgattern aufschlagen, um uns vor der beißenden Kälte der Nächte, die bis - 10Grad C kalt waren, zu schützen. Die guten Zelte und die dicken Schlafsäcke gefüllt mit Wärmflaschen ließen uns das Klima gut aushalten.




Das Küchenzelt, das gleichzeitig unser Essenszelt gewesen ist und die Zelte der Träger waren nicht so komfortabel, aber dennoch zweckmäßig.





Bis auf eine einzige Ausnahme waren wir stets die einzigen Menschen an den von unseren Guides liebevoll ausgesuchten Plätzen.





Wir hatten immer genug zu tun, z.B. unsere Sachen auszupacken und zu reparieren, waschen und vor allen Dingen uns nachdem die Sonne untergegangen war, dick einzupacken, um wenigstens bis 20.00 Uhr außerhalb des Schlafsackes auszuhalten.

Wir bekamen in den roten Plastikschüsseln heißes Wasser zum Waschen und tranken, wenn die Sonne noch einigermaßen wärmte, draußen am Campingtisch Tee und aßen Kuchen und Gebäck.

Dick eingepackt haben wir so manchen Sonnenauf- oder -untergang bestaunen können. Mit Pisco, dem landesüblichen Weinschnaps, oder mit mitgebrachtem Strohrum, ließ es sich ganz gut ertragen.

Das Frühstück in der aufgehenden Sonne war, wie wir es von Hauser Reisen gewöhnt waren, fantastisch. Es gab Müsli, Pfannkuchen, leckere Brötchen, Porridge und heißen Tee oder Kaffee. So konnten wir uns für die anstrengenden Etappen genügend Kraft einverleiben.




Unsere lokale Führerin, der Koch Carlos und Hilfskoch Agrippino bereiteten uns hier einen Pisco Sour, das peruanische Nationalgetränk. Zwei von dieser Sorte intus, und man schläft den Schlaf der Gerechten.




Carlos habe ich stets bewundert, wie er in dem für meine Begriffe vorherrschenden Chaos aus Töpfen, Kisten, Kerosinbrennern und sonstigen mehr oder weniger brauchbaren Gegenständen, fantastische Mahlzeiten zauberte. Es gab während der ganzen Reise keine Mahlzeit doppelt. Er erntete nach dem Essen meist Beifallstürme, die er stolz mit einem Lächeln quittierte. Eine Extraportion für mich war ab dem zweiten Abend Standard.








Das Zelt war eng, wenn alle Teilnehmer sich zum Essen einfanden, aber durch die Nähe zum Nachbarn und zu den fauchenden Brennern war es gemütlich warm. Die scheuen Peruaner haben jedoch dank unserer lustigen Gesamtstimmung ihre Angst verloren, und gesellten sich immer häufiger zu uns; bei vielen Trekkingreisen eine völlig undenkbare Situation.








Günter hatte ein Kartenspiel dabei, so dass wir regelmäßig nach dem Essen Mau Mau spielten. Zunächst alleine, aber später hatten wir es geschafft, trotz der großen Sprachprobleme und der natürlichen Scheu, die Träger und Treiber zum Mitspielen zu bewegen.

Es war eine tolle Situation, wie Kommunikation auch ohne Sprache funktionieren kann, und wie ungewöhnlich offen unsere Peruaner sein konnten. Wir hatten plötlich das Gefühl, für eine zeitlang keine Gringos zu sein.





Frümorgens wurden wir pünktlich um 6.00 Uhr mit einer heißen Tasse Tee geweckt, aber dennoch fiel es nicht immer leicht, aus dem warmen Schlafsack in die Eiseskälte zu steigen und die Sachen zu packen.








Hier bereitet Mario einen Cocktail für die Erdmutter Pachamama und natürlich auch für uns. Reichlich Pisco wird erhitzt und mit allerlei Zutaten versehen. Das kochende Gebräu wird flambiert und wenig später sind Trekker und Mannschaft lustiger denn je.









Einer der kulinarischen Höhepunkte war die Pachamanca, übersetzt: das in der Erde gebackene Schaf.








Ein Schaf wurde von einem Campesino gekauft, geschlachtet und fachmännig zerlegt.





Dann wurden Steine zu einem igluähnlichen Gebilde aufgeschichtet und das Innere hohl belassen.





Es wird ein starkes Feuer im Inneren gemacht, das die Steine erhitzt. Das Feuer wird entfernt und das Fleisch, welches vorher eingelegt und in Blätter eingewickelt wurde, hineingelegt. Zusätzlich kamen Kartoffeln in die Hitze. Dann wurde der Haufen mit Erde und Stroh abgedeckt.








Nach etwa 30 Minuten wird das Fleisch und die Kartoffeln ausgegraben.

Die ausgegrabenen Teile des Schafs und die gebackenen Kartoffeln wurden in der Küche noch kurz behandelt und zu einem wahrhaft leckeren Mahl bereitet.

In der untergehenden Abendsonne ließen wir uns das Essen mit einer guten Flasche Rotwein schmecken.




Die Trekkingroute um die Cordillera Huayhuash zählt zu den abgelegendsten Touren in den Anden. Lediglich zwei kleine Ortschaften mit wahrlich mittelalterlichen Verhältnissen und Lebensweisen, ohne Strom und fließendem Wasser liegen an der Strecke.

Dieser Ort heißt Llamac und hat vielleicht 200 Einwohner, die sich ausschließlich von der Landwirtschaft ernähren. Selten vorbeikommende Trekkingtouristen können zwar an einem kleinen Kiosk ein paar Getränke kaufen, aber ansonsten sind die Einwohner noch völlig unbeleckt von den Möglichkeiten der modernen Zivilisation.

Der Dorfplatz ist der zentrale Versammlungspunkt der Gemeinde und birgt natürlich eine kleine Kirche. Die Indios sind an der Oberfläche strenge Katholiken, aber in ihrem Inneren noch Indios mit inkaischen Traditionen und Glauben verwurzelt.

Sie leben in Sozialgemeinschaften, den sogenannten Ayllus, die das Prinzip der gegenseitigen Hilfestellung der angeschlossenen Familien verfolgen. Die Kinder gehen in kleine Dorfschulen, um so wenigstens die Grundkenntnisse des Lesens, Schreibens und Rechnens zu erlernen und so wirtschaftlichen Kontakt in minimaler Form zur Außenwelt halten zu können.





Die Menschen sind harte Bedingungen aufgrund ihrer einfachen Lebensweise und den rauhen klimatischen Verhältnissen gewohnt. Sie gleichen diese Härte durch häufige und ausgelassene Feste aus, auf denen dann viel Musik gemacht wird. Fast jedes Kind kann irgend ein Instrument mehr leidenschaftlich als präzise spielen.

Für diese Menschen sind wir verrückte Gringos, die für sie unvorstellbares tun, nämlich aus Spaß in die Berge zu gehen. Zudem sind wir für ihre Verhältnisse unermeßlich reich, so dass ein Kontakt außerhalb der Bettelei fast unmöglich zustande kommen kann.

Sie bestaunen uns und unsere Ausrüstung und suchen nach Süßigkeiten und Kugelschreibern. Manchmal war es ein sehr beklemmendes Gefühl, das sie in uns auslösten.
















Auf unserem Weg begegneten uns auch Bauern, die fernab von Orten mit ihrer Familie völlig alleine in der Natur leben und sich mit Ackerbau und Viehzucht weitgehend selbst ernähren müssen. Die streunenden und kläffenden Hunde, die es nicht wert sind Namen zu tragen, verraten uns dem Campesino sehr früh.

Die Unterkünfte sind erbärmlich einfach. Aufgeschichtete Steine und provisorische Dächer sollen Wind und Wetter abhalten. Feuer brennt selten, da kaum Brennmaterial außer dem Dung des Viehs vorhanden ist. Wie die Menschen die jährliche Regenzeit überstehen können bleibt für uns rätselhaft. Wir werden zwar neugierib beäugt, aber die Scheu uns anzusprechen ist meist zu groß.





Einige Mütter mit ihren kleinen Kindern treffen wir unterwegs, und wir versuchen mit Hilfe unserer Führer ein paar Sätze zu wechseln. Häufig reduziert sich die Kommunikation jedoch auf "Caramelos" = Süßigkeiten?

Auch hier ist der Wortwechsel vor einem der schönsten Berge der Welt, dem Kolibrischnabel aus Eis, dem Jirishanca Grande, kurz und wenig inhaltvoll. Die Menschen sind einfach zu verschlossen, sich einem Fremden sprachlich zu nähern; Schade!









Die Tierwelt, die wir beobachten konnten, ist vielfältiger, als wir in dieser rauhen und unwirtlichen Gegend erwartet hatten.

Eine der meistgesehenen Vogelarten waren die Andengänse, die ganz ähnlich den bei uns vorkommenden Wildgänsen sind und vornehmlich an den Gletscherlagunen anzutreffen waren. An sie heranzukommen war aufgrund ihrer Wachsamkeit kaum möglich, und so hoben sie mit majestätischen Flügelschlägen in Scharen ab.

Schafe sind in den Anden ideale Zuchttiere für die angesiedelten Campesinos. Sie sind durch ihr Fell gut gegen die Kälte geschützt und liefern Wolle sowie Fleisch, einen Umstand, den auch wir zu schätzen wußten. Allabendlich wurden die recht kleinen Herden von Bäuerin und Hund ins heimische Gehege geholt.











Diese von weitem rabenschwarz erscheinenden Vögel sind Ibisse. Sie sind erheblich kleiner als unsere dem Storch verwandte Gattung und besitzen türkisschimmernde Federspitzen. Sie leben in feuchten Gebieten um die reichlich vorhandenen Gletscherseen und suchen dort nach Insekten und anderen Kleintieren.











Nach zwei Tagen Marsch den Rio Llamac hinauf, erreichen wir den ersten hohen Pass, den Cacanampuntapsss auf etwa 4700 m. Der Aufstieg ist beschwerlich und steil, doch wir gehen so langsam, dass die Anstrengung kaum ins Gewicht fällt. In dieser Höhe ist dieses Prinzip lebenswichtig.

Der Wind ist eiskalt und der Boden noch aufgeweicht vom Regen und Schnee der Nacht. Auch unseren schwer beladenen Tieren fällt der Aufstieg nicht leicht, sie müssen immer wieder mit lauten Rufen ihrer Treiber vorangetrieben werden. Hilft dies nichts, so helfen die Treiber mit offenem Feuer ein wenig nach.

Auf dem Pass angekommen, mit leichten Höhenproblemen in den Knochen, danken wir mit einer Apacheta der Pachamama, der Erdmutter. Diesem Brauch der Indios, bei Erreichen eines Passes oder Gipfels, einen von weiter unten mitgebrachten Stein aufzulegen, folgen wir gerne und manifestieren dies mit einem Schluck Pisco für uns und natürlich auch für die Erdmutter.

Das Wetter ist für die Jahreszeit leider noch zu schlecht, die Fernsicht ist zwar brauchbar, aber der stahlblaue Himmel über den Eisriesen hat sich noch nicht gezeigt. Kräftiges Blasen von Menschen, die im Juno, Juli oder August, also der peruanischen Trockenzeit, geboren sind, soll die Wolken vertreiben. Ich gebe mein Bestes...

Der Pass stellt die Wasserscheide zwischen Pazifik und Atlantik dar. Zum Pazifik sind es etwa 100 km und in der anderen Richtung sind es über 4000 km, bis das Bergwasser in die Wogen des Atlantik mündet.










Das Ziel des heutigen Tages ist zu erahnen, die in der Senke sich befindende Laguna Mitacocha, der erste Gletschersee.

Die letzten Nebelschwaden lösen sich auf und geben die ersten Blicke auf 6000er Massive frei.








Über Ichugras und Llarettapolster laufen wir leicht bergauf über den 4650 m hohen Pass Punta Carhuac stets unser Ziel vor Augen, die Laguna Carhuacocha.

Der optische Höhepunkt der Reise beginnt. Wie von einem Balkon blickt man hinunter auf den eineinhalb Kilometer langen tiefgrünen Gletschersee zu Füßen der Cordillera Huayhuash. Der Carhuacocha ist eines der südamerikanischen Traumziele.





Seit Bergsteiger die grandiosen Huayhuashgipfel entdeckt haben, ist dieser Platz zugleich Basislager für alle Unternehmungen zu den hohen Gipfeln, die vom See in den Himmel schießen. Fast alle 6000er sind von Carhuacocha zu sehen und zu erreichen, noch dazu von ihrer schönsten Seite.

Die Familie Avalos mit ihren 15 Mitgliedern ist die einzige Menschengruppe, die hier wohnt und den selten vorbeikommenden Wanderern und Bergsteigern die Wiesen am Seeufer gerne anbietet.





Will man die Steilflanken mit ihren wunderschönen Gletschern mit den Augen abtasten, muss man den Kopf schon weit zurücklegen, so nahe ragen die Eisriesen auf.





Bevor wir unser Lager an diesem wunderschönen Flecken aufschlagen, passieren wir den Ablauf des Gletschersees mit Hilfe unserer braven Vierbeiner, die allerdings deutliche Anweisungen von ihren Besitzern über sich ergehen lassen müssen, bevor sie sich in Marsch ins Eiswasser setzen.

Beinahe trockenen Fußes kommen wir an unserem Lagerplatz an und genießen die grandiosen Blicke auf die Bergwelt.





Vor uns liegen wolkenlos im Glanz der Sonne und des stahlblauen Himmels der Jirishanca Grande, der Kolibrischnabel aus Eis, einer der schönsten und gefährlichsten Berge der Welt, der Jerupaja Chico und der zweithöchste Berg Perus, der Jerupaja Grande (6634m) sowie der Nevado Siula.

Wir sind vom Anblick der Szenerie so begeistert, dass ein zusätzlicher Ruhetag an diesem Ort eingelegt wird und wir dafür auf einen fakultativen Gipfel an weniger spektakulärer Stelle verzichten wollen.





Zu viert wollen wir versuchen, so nahe wie möglich an die Ausläufer der Gletscher und an die zahllosen kleinen Seen heranzukommen. Simone gönnt sich als einzige einen Ruhetag im Lager. Der Aufstieg und das Balancieren auf der über 100 m hohen und nur wenige Meter breiten Gletschermoräne erweist sich als anstrengende Kletterpartie.





Dafür ist der Blick auf die Eiszungen und die schwimmenden Eisbrocken im durch Kalk trüben Wasser umso lohnender.








Die bis vor wenigen Jahren von Bergsteigern noch unbezwungene Steilflanke des Jirishanca Grande grüßt uns im Zentrum des Panoramas.





















Fasziniert von den Eindrücken und den Naturgewalten herabtosenden Eislawinen vergessen wir fast, rechtzeitig den Rückweg zum Camp einzuschlagen. Wir haben uns mächtig in der Zeit verschätzt und erreichen gerade noch vor der Dunkelheit völlig fertig das Lager, wo man sich schon Sorgen um uns gemacht hatte. Es war ein herrlicher Ruhetag!





Der Abschied von der Laguna Carhuacocha fällt uns sehr schwer, aber Mario tröstet uns und verspricht Ähnliches auf der genau anderen Seite der Bergkette, die wir in wenigen Tagen erreichen werden.








In den folgenden Tagen laufen wir parallel zur Ostflanke der Cordillera Huayhuash mit ständigen Blicken auf die unbeschreibliche Natur.





Wir überschreiten den 4800 m hohen Quesillocochapass und erleben die Bilder des Ruhetages noch einmal aus beinahe 1000 m höherer Perspektive.





Trotz der beachtlichen Höhe und der körperlichen Anstrengung ist die Stimmung in der Gruppe euphorisch angesichts der landschaftlichen Eindrücke. Simones Ruhetag hat sich bezahlt gemacht, sie verspürt keinerlei Ermüdungserscheinungen.





Wir schlagen unser Lager am Carnicerosee auf. Es ist wolkenloser Himmel, der eiskalte Wind pfeift durch alle Ritzen und macht uns ganz schön zu schaffen. Die Nacht auf 4500 m Höhe ist -10 Grad kalt und wir müssen alle Register ziehen, um die Wärme im Schlafsack zu halten. Nach 16.00 Uhr wird kaum noch etwas getrunken, um bloß nicht mitten in der Nacht aufstehen zu müssen.

Die ersten Sonnenstrahlen lassen das Eis über der Grasfläche und dem Rand des Sees schnell tauen. Mit ein wenig Bewegung und einer heißen Tasse Kokatee fühlt man sich schnell wieder topfit für die nächste Etappe.

Das Dorf Huayhuash, das dem gesamten Gebiet den Namen gegeben hat, ist eine trostlose Anhäufung von etwa 10 Steingebäuden, in denen einige Campesinos wohnen. Sie sind entweder sehr scheu oder auf den Feldern gewesen, denn wir haben niemanden von ihnen zu Gesicht bekommen.

Die Laguna Viconga ist unser heutiges Ziel. Der See liegt am Fuße des höchsten Punktes unserer Reise, dem Punta Cuyoc.





Die offizielle Passhöhe ist 5020 m. Wir haben ganz schön Respekt vor dieser Höhe, zumal noch niemand unserer Gruppe jemals so hoch aufgestiegen ist.





Wir nehmen uns sehr viel Zeit und gehe so langsam wie bei einem sonntägigen Schaufensterbummel, um bloß nicht die teufliche Höhenkrankheit zu bekommen. Beinahe auf Passhöhe gibt es herrliche Blicke auf die im Süden liegende Cordillera Raura. Der Rauch der wenige Hundert Meter unter uns ärgert uns ganz schön, aber die Esel haben in dieser Höhe ihren Dienst verweigert und sind nur noch mit brachialer Gewalt zum Weiterlaufen zu bewegen.








Wir haben den Pass erreicht, fallem uns ein wenig stolz in die Arme und feiern den kleinen Erfolg. Über 200 Meter höher als der Mont Blanc ist schon ein schönes Gefühl. Mensch und Tier begegnen sich auf diesem höchsten Punkt unserer Reise. Trotz der wärmenden Mittagssonnenstrahlen pfeift ein unglaublich eisiger Wind über die Höhe. Er macht das Gehen und das Atmen zienlich schwer.








Die Aussicht vom Pass nach Norden eröffnet uns fast die gesamte Cordillera Huayhuash von der Westseite. Wir selbst stehen direkt vor dem Gletscher des Puscanturpa. Wir genießen, fotografieren und atmen schwer.

















Durch das Guanacpataytal steigen wir ab und laufen in nördlicher Richtung die Westflanke der Cordillera Huayhuash entlang. Unser Ziel ist die Laguna Jahuacocha, die genau gegenüber den Haupteisriesen unseres ersten Höhepunktes, der Laguna Carhuacocha liegt.





Eine gefährlich steile Passage erwartet uns an diesem tosenden Wasserfall. Auf allen vieren und mit gegenseitiger Hilfe überwinden wir die problematische Stelle.








Unser Führer Mario ist seit eine Tag wieder in unserer Gruppe. Wir mußten uns leider vor dem 5000er Pass von ihm trennen, da er erste Anzeichen eines lebensgefährlichen Hirnödems hatte. Mit einem Pferd und begleitet von einem der Eseltreiber haben sie einen anderen tiefergelegenen Weg genommen. Dabei hat sich Mario ganz gut erholt. Zur Schonung durfte er hoch zu Roß den weiteren Weg nehmen.











Der erste der beiden Gletscherseen liegt zu unseren Füßen. Die Laguna Jarhuacocha liegt auf 4100 m Höhe und bildet den zweiten Abfluß der gewaltigen Gletscher des westlichen Hauptmassivs der Cordillera Huayhuash. Weit im Hintergrung kann man hinter einer Moräne versteckt, den See Solteracocha erahnen, den wir auf unserem eingeplanten Ruhetag erkunden wollen. Die noch wolkenverhangenen Gipfel der Westflanke des Jirishanca liegen vor uns. Vor wenigen Tagen haben wir den Kolibrischnabel aus Eis von seiner grandiosen Ostseite bewundert.





Am See angelangt suchen wir uns den schönsten Lagerplatz aus und planen unsere Erkundungstour.

Die Wolken verziehen sich wenig später innerhalb weniger Minuten und legen den Blick frei auf den zweithöchsten Berg Perus, den Yerpaja Grande. Die Westseite ist stark vergletschert und gilt als eine der Herausforderungen für Bergsteiger überhaupt.





Wir ersteigen den Grat der Endmoräne und blicken auf die Laguna Jarhuacocha im Hintergrund und die am Fuße der Huayhuashgletscher liegenden Laguna Solterococha.














Am nächsten Morgen liegen die Berge mit ihren unbeschreiblich schönen Formen und Farben wolkenlos vor uns. Ein Kreuz erinnert an einen verheerenden Flugzeugabsturz in den 40er Jahren am Gletscher des Jirishanca.

Es wird für uns langsam Zeit, Abschied zu nehmen.





Zwei Tage noch sind wir auf dem Rückweg unterwegs nach Chiquian, unserem Start- und Zielpunkt des Trekkings.


Zum Schluß hier noch ein paar schöne Aufnahmen an verschiedenen Stellen der Route im Sonnenauf- bzw. -untergang, um ein wenig von der unbeschreiblichen Atmosphäre in dieser zauberhaften Bergwelt in fast menschlicher Einsamkeit zu erzählen...


































































Ganz schön fertig und vor Allem nicht gerade wohlriechend kommen wir am 16. Tag unseres Trekkings wieder in Chiquian an. Wir haben "das" Erlebnis unserer bisherigen Reisen beinahe hinter uns und sind mächtig stolz. Dieser Stolz mischt sich jedoch mit einer leichten melancholischen Stimmung, dennwir müssen uns von Freunden verabschieden. Unsere Führer und die Mannschaft sind uns ungewöhnlich nahegekommen. Selbst bei ihnen haben wir Tränen in den Augen gesehen, ein bestimmt ungewöhnlicher Umstand.





In der kleinen schmuddeligen Kneipe in Chiquian trinken wir ein Bier, das in 1,1 Literflaschen gerade groß genug ist für unseren Durst. Ein wenig Freude über die bald herannahende Dusche und ein normales bett mischen sich in unsere Abschiedsstimmung.

Wir besteigen den bereits auf uns wartenden Bus und schauen noch ein letztes Mal auf die umrundete Bergkette der Cordillera Huayhuash.




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2001 sind wir wieder in unserem geliebten Peru gelandet und machten eine anspruchsvolle 14tägige Trekkingtour rund um den Alpamayo, einem der schönsten Berge der Welt in der Cordillera Blanca. Unsere erste Gletscherhochtour in Südamerika war dann zum Abschluß der technisch recht einfache Nevado Pisco (5700m).
Von unseren Erlebnissen in Peru werde ich auch hier demnächst weitere Infos einstellen...

Hier zunächst die Bilder...













































































































































































































  
   






























 
     
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