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Als wir im Juli 1997 auf dem Uhuru Peak auf 5895m auf dem Dach Afrikas angekommen waren, konnten wir die unglaubliche wolkenlose Aussicht inmitten der Gletscherlandschaft kaum fassen.

Über ein Jahr hatten wir hart trainiert und uns auf diese schwierige Tour vorbereitet, um eine möglichst gute Höhenanpassung zu realisieren. Vorher den Mount Kenia zu besteigen kann als sinnvolle, ja sogar notwendige Voraussetzung betrachtet werden.

Den Mount Kenya haben wir über die Timauroute erreicht. Man umläuft das herrliche Gipfelmassiv in 4 Tagen und besteigt den Nebengipfel Point Lenana (knapp 5000m). Die Hauptgipfel sind nur etwas für Bergsteiger im 3. Grad und schwieriger.

Zwei Tage Erholung bleiben dann im Amboseli- und im Kimana Nationalpark, um die Tiere der Region zu erleben.

Dann wird es Ernst. Die Besteigung des höchsten freistehenden Berges der Welt beginnt. Die wichtigsten Faktoren sind die Vorbereitung und die Motivation. Wir gehen drei Tage hinauf über die wenig begangene Rongairoute, bevor wir am vierten Tag auf die Hauptroute stoßen, die zum Gipfel führt. Um Mitternacht beginnt das anstrengende Abenteuer. Kurz nach Sonnenaufgang stehen wir auf dem Gipfel. 

Erholung in Mombasa ist noch angesagt, bevor wir wieder den Heimweg antreten.

Zunächst einige Bilder von den Höhepunkten der Reise:




















































Wenn uns jemand fragt, warum wir es lieben, in abgelegenen Gebieten mit fremden Kulturen auf hohe Berge zu steigen, so antworten wir: "Um von oben herunterzuschauen"

Von unserer diesjährigen abenteuerlichen Reise nach Ostafrika möchte ich erzählen, von der Besteigung des Mt. Kenya, den Menschen in modernen Städten und den noch nahezu ursprünglichen Masai in den weiten Savannen, von der Faszination der wilden Tiere, die man in den Nationalparks entdecken kann, und von dem eigentlichen Hauptanliegen unserer Reise, der großen Herausforderung an den begeisterten Trekker, der Besteigung des höchsten freistehenden Berges der Welt, dem Kilimandjaro.

Kenya und Tansania sind Nachbarländer und liegen unweit des Äquators in Ostafrika. Der fast in Nord-Süd Richtung verlaufende tektonische Graben, genannt Rift Valley, entstand vor vielen Millionen Jahren und hat an seinen Brüchen unzählige Vulkane hervorgebracht, die z.T. noch heute aktiv sind. Das fruchtbare Hochland von Uganda, Kenya und Tansania steht damit im krassen Gegensatz zu den von Dürren und Hungersnöten bedrohten Landstrichen im Osten der Länder.

Unsere Reise beginnt in Nairobi, der Hauptstadt Kenyas, die auf 1600 m Höhe im fruchtbaren Hochland liegt. Nach einer flüchtigen Begegnung mit der Stadt und den westlich wirkenden Menschen, fahren wir nach Norden, zum rund 150 km entfernten Mt. Kenya, dem zweithöchsten Berg Afrikas. In einer 6tägigen Trekkingtour umrunden wir das Gipfelmassiv des erloschenen Vulkans und besteigen den Nebengipfel Point Lenena.

Weiter führt uns unsere Reise wieder über Nairobi nach Süden zu den Nationalparks Amboseli und Kimana. Fast alle Arten von afrikanischem Großwild sind hier anzutreffen und bereiten dem ungewohnten Europäer beeindruckende Stunden. Wir besuchen ein Dorf der nomadenhaft lebenden Masai, erholen uns von der anstrengenden Tour am Mt. Kenya und sammeln Kräfte für die 5tägige Besteigung des Kilimandjaro, der auf tansanischem Boden, direkt an der Grenze zu Kenya liegt. Auf diesen fast 6000 Meter hohen Berg haben wir uns beinahe ein Jahr vorbereitet, um vielleicht zu den gerade mal 30% zu zählen, die am Uhuru Peak, der Freiheitsspitze, in den gewaltigen Krater blicken dürfen.





Wir fahren auf der Autoroute 2, eine der wenigen asphaltierten Straßen Kenyas, nach Norden. Unser Ziel ist die Mountain Rock Lodge am Fuße des Mt. Kenya. Noch ist der Zustand der Straße recht gut und wir gewöhnen uns langsam an den britischen Linksverkehr. Je weiter wir aus Nairobi City kommen, umso ärmer und einfacher wirken die Menschen. Die Elendsviertel am Rande der Stadt unterscheiden sich nicht wesentlich von denen in anderen Entwicklungsländern. Einfachste Holzhütten, kleine kioskähnliche Geschäfte und Schmutz, so weit das Auge reicht.

Die Landschaft des Hochlands ist kurz nach der Regenzeit saftig grün und ungeheuer abwechslungsreich. Auf dem dicken Humusboden wachsen alle erdenklichen tropischen Pflanzen und Früchte. Das kenyanische Hochland zählt zu den fruchtbarsten Gegenden überhaupt.

Wir sehen Mais, Kaffee, Bananen, Mango, Passionsfrüchte, Tee und vieles mehr und vor allem viele Menschen zu Fuß die Straßen entlanglaufen mit schweren Lasten auf dem Kopf. Autos können sich die wenigsten leisten.

An den Straßen werden den vorbeikommenden Touristen mehr oder weniger brauchbare Souvenirs dargeboten. Unmengen von handgefertigten Holzschnitzereien, Schmuck und rituellen Gegenständen wechseln mit viel Verhandlungen, meist mit der Zufriedenheit beider Seiten, den Besitzer.

Am späten Nachmittag erreichen wir die Lodge in der Nähe von Nanyuki. Dort treffen wir die letzten Vorbereitungen für die Trekkingtour zum Mt. Kenya. Zum Aufstieg wählen wir die landschaftlich besonders schöne und kaum begangene Nord- oder Timauroute. In 5 Tagen wollen wir den Nebengipfel Point Lenana besteigen. Zuvor aber werden wir das Gipfelmassiv umrunden. Der östlichen Chogoriaroute folgend ist der Abstieg durch feuchte Urwälder geplant.




Der Mt. Kenya ist, wie in dieser Jahreszeit zu erwarten war, nachmittags bewölkt und verbirgt sein Antlitz vor uns. Im liebevoll angelegten Park der Lodge müssen wir daher mit einem Betonmodell vorlieb nehmen, das sich allerdings zum Studieren der geplanten Route hervorragend eignet.




Der Bus bringt die 12köpfige Reisegruppe zur Adventure School Hut auf 2700 m Höhe. Die Mannschaft mit den Trägern ist noch nicht komplett, so dass wir uns in Ruhe auf den Abmarsch vorbereiten können.

Gegen Mittag sind wir startklar und beginnen unsere erste, sicherlich noch leichte Tagesetappe.







Es folgt ein schöner Aufstieg durch Natururwald, der untersten Zone im Mt. Kenya Nationalpark.




Auf den hauptsächlich vorkommenden Hageniabäumen wachsen zentimeterdicke Flechten und Moose. Das durchschimmernde Tageslicht erzeugt eine kontrastreiche farbenfrohe Stimmung.




Es duftet intensiv nach Nadeln und Kräutern. Schon die ersten Schritte unseres Trekkingabenteuers machen riesigen Spaß. Wir genießen die wunderschönen ersten Natureindrücke nach den vielen Stunden im Flugzeug, Hotel und Bus.































Bald lassen wir die letzten Bäume hinter uns und treten hinaus auf die weiten Heidekrautflächen des Mt. Kenyas. Die Landschaft ähnelt sehr den norddeutschen Heidegebieten, man mag es kaum glauben, in Afrika zu sein. Sanfte Hügel mit bunten Kräutern und kleinen Teichen markieren den Übergang von der Heide- in die Moorlandschaft.




Am späten Nachmittag erreichen wir das Maraniacamp. Die allnachmittägliche Wolkendecke reißt auf und legt die ersten Blicke auf den Mt. Kenya in noch großer Ferne frei. Seine Gipfel und schroffen Abhänge zeigen sich im Licht der tiefstehenden Sonne. Wir sind unendlich gespannt, was die nächsten Tage bringen werden.







Der Morgen des 2. Trekkingtages, nach dem ersten beeindruckenden Sonnenaufgang am Äquator, beginnt mit einer flüchtigen Morgentoilette, dem Aufräumen und Packen unserer Tagesrucksäcke und einem heißen Tee auf 3300m Höhe.

Es ist etwa 7 Grad warm und der Tau hat die Zelte von außen gänzlich in Nässe getaucht. Der Wind bläst eiskalt und unsere kenyanischen Begleiter scheinen mächtig zu frieren. Innerhalb kurzer Zeit sind die Zelte verpackt und die ganze Truppe, bestehend aus 12 Deutschen und ca. 30 Kenyanern vom Stamme der Kikuyus abmarschbereit.





Wir erden heute etwa 8 Stunden durch Moorlandschaft und Almflächen wandern und erste Eindrücke sammeln, von der hier einmaligen endemischen Senecien- und Lobelienlandschaft.




Bereits über der Wolkendecke werden alle Sinne des Bergwanderers wach, wenn hinter einer Bodenwelle der Doppelgipfel des Mt. Kenya auftaucht.




Die herrliche Szenerie scheint uns ideal für Fotos mit Mannschaft und Besuchern.

Die hier ansässigen Kikuyus sprechen gut Englisch, so dass eine inhaltsreiche Kommunikation zu Stande kommt. In ihrem normalen Leben sind es meist einfache Landarbeiter oder Handwerker, die sich in der Trekkingsaison eine lukrative Nebeneinnahme sichern.







Wenig später kommen wir zu den ersten lobelienbewachsenen Almflächen. Diese endemischen Pflanzen gehören zu einer Gattung von Kräutern und sind nur in Ostafrika in Äquatornähe in Höhen zwischen 3000 und 4000 Metern anzutreffen.

Sie stehen genauso, wie die später noch zu sehenden Senecien unter strengem Naturschutz und kommen in vielen Varianten vor.




Diese Lobelie hier hat ein Alter von etwa 20 Jahren, würde getrocknet ein hervorragendes Brennmaterial darstellen und muss deshalb unter strengen Schutz gestellt werden.




Dieses ganz junge Exemplar sammelt mit seinen gefächerten Blättern das regenwasser und speichert es im Inneren.























Am späten Nachmittag sehen wir die ersten Senecien und erreichen wenig später das Major Camp im herrlich gelegenen Hinde Valley auf 3900 m Höhe. Diese beim Aufstieg letzte Nacht im Zelt wird lausig kalt. Weiter oben warten isolierte Hütten auf uns und werden die Außentemperaturen von bis zu - 20 Grad C erträglicher machen.











Der 3. Trekkingtag wird uns in die Gipfelregion des ehemaligen Vulkans auf über 4000 m Höhe führen.

Dabei werde wir vom Major Camp über einen 4500 m hohen Pass an den Nebengipfeln Terere und Sendeo vorbei ins Mackinders Valley absteigen und wenig später zum Shiptoncamp, einer vor wenigen Jahren gebauten Schutzhütte, am Fuße des  Gregorygletschers aufsteigen.

Es ist fast wolkenlos, sternklar, saukalt und in weiter Ferne beginnt unter den wenigen tiefliegenden Wolken ein phantastisches Spektakel.

Glutrot steigt die Sonne aus dem Wolkenmeer und strahlt die Vegetation und die Berge mit blitzschnellwechselndem Farbenspiel an. Die Senecien am Boden haben ihre Blätter als Schutz vor dem Frost nach oben geklappt und leuchten hell in der aufgehenden Morgensonne.










Nach einem gemütlichen Frühstück machen wir uns gegen 8.00 Uhr auf den anstrengende, aber nicht so langen Weg zum Shiptoncamp.

Die senecienbewachsenen Almhänge leuchten in der Äquatorsonne kräftig grün und zaubern eine exotische Stimmung. Die dünne Höhenluft macht uns kaum zu schaffen, da wir klugerweise sehr langsam gegangen sind. "Pole, pole" haben uns die Träger auf Suwaheli immer und immer wieder eingeflößt. Langsam, langsam...







Die Träger haben Lasten von gut 20 kg auf ihrem Rücken. Den Einsatz von Lasttieren, wie Esel oder Maultiere, wie wir sie aus Südamerika gewohnt waren, scheint man hier nicht zu kennen.




Und wieder rücken wir dem Gipfelmassiv des Mt. Kenyas ein Stück näher. Der Blick über die vielen weiten Zugangstäler, macht die Vorstellung, dass es sich um einen Vulkan handelt, nicht gerade leicht. Der Mt. Kenya ist nur von weitem als Vulkan erkennbar. Aus der Nähe wirkt er wie ein schroffer Dolomitenberg. Der Vulkan ist vor einigen Millionen Jahren entstanden und seine letzte Tätigkeit liegt etwa 40.000 Jahre zurück. Schon lange vor dieser Zeit haben ungeheure Explosionen die Form der Gipfelregion so gewaltig verändert, dass von einem Krater heute nichts mehr zu sehen ist.










Der Aufstieg zum Pass mit Blicken weit über der Wolkendecke in die Zugangstäler des Berges, ist ein gutes Training für die zu erwartenden Anstrengungen in den nächsten Tagen.










Gegen Nachmittag kommen wir am Shiptoncamp an und sind erstaunt über die herrliche Lage dieser geräumigen Hütte, direkt am Fuße der Hauptgipfel Nelion und Batian des Mt. Kenya Zentralmassivs.

Wie fast jeden Nachmittag ziehen die Wolken aus den feuchten Niederungen in die Gipfelregion auf und umspielen die steilen Granitfelsen mit hellem Kleid. Nicht selten regnet es dann kräftig, bevor es am Abend wieder aufklart und die eiskalte sternenklare Nacht eingeläutet wird.





Der 4. und 5. Trekkingtag stellt die eigentliche große Gipfelumrundung des Mt. Kenya dar. Zunächst werden wir an glasklaren Bergseen vorbei durch fantastische alpine Landschaften marschieren, bevor am 5. Tag der Unternehmung der Pt. Lenena mit ziemlich genau 5000 m Höhe bestiegen wird.




Die Nacht im Camp ist nicht besonders angenehm. Es ist doch ungewohnt mit vielen Menschen in einem engen Raum zu schlafen, noch dazu in dieser Höhe. Zudem ist es ein eigenartiges Gefühl, sich hier oben mit den Trägern auf viele Quadratkilometer im Umkreis völlig alleine zu wissen. In dieser Bergeinsamkeit fühlten wir uns wie in einer entrückten Welt.

Weit draußen und drunter unter den senecienbestandenen Almmatten weiß man den dichten geheimnisvollen Urwaldgürtel voller wilder Tiere. Sie bewachen dieses eigenartige Reich der Geisterbäume und des Äquatoreises. Es gibt hier fast keine Temperaturunterschiede im Ablauf des Jahres, es gibt faktisch keine Stürme, es gibt auch keine größeren Tiere hier oben, nur die Senecien, die Gletscher, die Felsen und die Seen.







Frühzeitig brechen wir auf, um möglichst viel Strecke in den wolkenlosen Sonnenstunden des Vormittags zu bewältigen.


WANDERERHERZ: WAS WILLST DU MEHR ?


























Am frühen Nachmittag hat uns dann der erste Regenschauer während des Wanderns überrascht. Am Hut Tarn, direkt am Fuße des Tyndallgletschers werden unsere Goretexjacken und -hosen auf eine harte Probe gestellt.

Trotz der etwas verklärten Sicht auf den Hauptgipfel des Mt. Kenyas, liegt etwas reizvolles in dieser Szenerie. Morgen werden wir bei hoffentlich klarer Sicht den Gipfel aus einer nur leicht veränderten Perspektive sehen können.




Wir steigen ab ins Teleki Valley und kommen gegen Nachmittag am Mackinderscamp auf 4200 m Höhe an.

Dort erwarten uns die neugierigen, verfressenen, ziemlich doofen und tollpatschigen, dem Murmeltier ähnlichen Klippschliefer. Die in dieser Höhe in Massen vorkommenden Tiere, sind sehr zutraulich und haben sich an die vorbeikommenden Besucher gewöhnt. Sie sind etwa 80 cm lang, dick befellt und praktisch ohne Schwanz. Durch ihr rüsselartig geformtes Gesicht zählt man diese Tiere, ich mochte es nicht glauben und dachte an den Witz mit dem Wolperdinger, zu den Verwandten des Elefanten.







Der Wecker klingelt um 2.30 Uhr in der Nacht. Es heißt aufstehen! Es fällt uns schwer, da wir in der Höhe in den letzten Tagen wenig geschlafen, aber viel körperliche Anstrengungen hatten. Dennoch ist die Aufregung, das Lampenfieber vor der ersten wirklich harten Tour von 12 bis 15 Stunden reiner Gehzeit bei allen vorhanden. Wir wollen um 4.00 Uhr bei völliger Dunkelheit im Zickzack und Gänsemarsch vom Mackinderscamp zum Point Lenena aufsteigen.

Dabei werden wir von den Strahlen des Mondes, der Sterne und von unseren Stirnlampen hoffentlich genug Licht erhalten, um vorbei am Lewis Tarn zur Austrian Hütte zu gelangen. Dort planen wir zum Sonnenaufgang anzukommen, um wenig später den Aufstieg über den Lewisgletscher zum Gipfel des Point Lenana auf 4985 m Höhe zu wagen.

Die Sachen werden fachmännisch verpackt, ein kleines Frühstück eingenommen und um Punkt 4.00 Uhr stapfen 12 Deutsche mit Führern in die Dunkelheit. Es ist Frost und der Boden knirscht unter unseren Schritten. Wir gehen im Gänsemarsch hinter Alex, dem kenyanischen Guide und leuchten unseren Weg mit den Stirnlampen. Etwa 2 Stunden laufen wir im Dunkeln, bevor die Sonne mit den ersten Strahlen in der Nähe der Austrian Hut die kletternden Trekker wärmt.










Die Austrian Hut liegt am Fuße des Lewisgletschers, den wir zur Besteigung des Point Lenana überqueren müssen. Das Eis ist gut aufgefirnt, so dass wir keine Steigeisen brauchen. Das Laufen auf dem Gletscher ist leichter, als ich gedacht habe, aber der Aufstieg ist so steil, dass uns ganz schön die Muffe geht. Ein falscher Schritt und man würde den steilen Gletscher herabsausen und einige hundert Meter tiefer auf blankem Fels landen.

















Gegen 8.00 Uhr stehe wir auf dem Point Lenana und können die Aussicht, die sich uns bietet kaum fassen. Die Sicht ist gigantisch. Wir sind hoch über den zum Teil gerade entstehenden Wolken in der Ebene, die Sonne leuchtet den Gipfel und die verschiedenen Zugangstäler und Vorgebirge in den schillerndsten Farben an.




Am Gipfelkreuz mit der kenyanischen Nationalflagge beglückwünschen wir uns und lassen die Fotoapparate surren. Die Gedenktafel am Gipfel erinnert an Ludwig Krapf, einem deutschen Missionar, der vor 150 Jahren in Kenya missionierte und als erster Europäer den Mt. Kenya sah und beschrieb. Zum ersten Mal bestiegen wurde der Berg 1887 von Graf Samuel Teleki, einem österreichischen Adligen.






















Den Abstieg von diesem herrlichen Flecken Erde müssen wir kurze Zeit später in Richtung Nordosten beginnen, da wir noch einen langen Weg vor uns haben. Wir müssen absteigen auf etwa 3300 m, haben also 1700 Höhenmeter zu bewältigen, was unseren Knochen natürlich nicht so gut tun wird. Durch das Gorges Valley kommen wir wieder in Senecienlandschaften, vorbei an den terassenförmigen Abstufungen am Lake Michaelson.










Die Landschaft wird wieder grüner und wir stoßen in die Wolkendecke. Nebel, Nieselregen und Sonne wechseln sich ab.




Kleine Wasserfälle rauschen und immer näher rückt die Urwaldgrenze.




Unsere Kräfte gehen allerdings langsam zu Ende, so dass die Landschaft mit ihren facettenhaften Reizen kaum noch wahrgenommen werden kann.

Im steilen Sonnenlicht treffen wir kurz vor Sonnenuntergang in dem Camp auf 3300 m Höhe ein. Die Zelte werden rasch bezogen und warme und bequeme Sachen angezogen.

Bei heißer Suppe, Spagettis und Süßigkeiten lassen wir den traumhaften Gipfeltag noch einmal revuepassieren, bevor uns ein wohlverdienter Schlaf in nicht mehr ganz so großer Höhe bei angenehmen Temperaturen ereilt.




Der letzte Tag auf der Chogoriaroute führt uns wieder in Richtung Zivilisation. Die Landschaft wird geprägt von hohem Gras, vereinzelten Wäldern, kleinen Bächen, sanften Hügeln und immer noch befinden wir uns über den Wolken.




Wenig später stoßen wir auf eine nicht ganz ungefährliche Überraschung. Im Gestrüpp am Wegesrand liegt gelangweilt ein einsamer Kaffernbüffelbulle. Dieses zweitgefährlichste wilde Tier in Afrika, gemessen an der Unfallhäufigkeit, ist alleine besonders gefährlich, wenn es aus einer Herde ausgestoßen wurde.

Wir gehen sehr vorsichtig und respektvoll an dem Tier vorbei und hoffen, dass wir es nicht gereizt haben. Aber scheinbar ist das riesige Tier viel zu faul zum Aufstehen und Angreifen. Es verschwindet nach einigen Minuten wieder gelangweilt in den Wald.




Gegen Mittag erreichen wir das Gate des Nationalparks. Hier warten wir gemeinsam auf die Jeeps, die uns ca. 20 km nach Chogoria fahren sollen. Die Fahrzeuge werden beladen und die Touris und Träger hineingezwängt. Ein weiteres Abenteuer steht uns bevor, denn die Landrovers müssen durch dichten Bambusurwald über eine Straße, die selbst die 4radgetriebenen Geländewagen mit mit Ketten befahren können.

Der Wagen muss sich durch knietiefen Schlamm und riesige Wasserpfützen quälen. Zunächst sind wir etwas ängstlich, denn man hat den Eindruck, dass der Wagen jeden Moment umfällt. Aber nach einer Weile geht die Sicherheit des Fahrers auch auf uns über, und wir beginnen, die Sache zu genießen.

Dichter Urwald, herrliche Pflanzen, zwitschernde Vögel sowie jede Menge Elefantenmist liegen auf unserer einstündigen Fahrstrecke.

Wenig später können die Ketten entfernt werden und wir unsere durchgeschüttelten Knochen sortieren.

Doch die Strassenverhältnisse werden kaum besser, es wird nur etwas steiler, so dass die Wagen wie von selbst in den eingegrabenen Spuren gleiten.

Wir landen nahezu unbeschadet abgesehen von ein paar blauen Flecken, in Chogoria, wo die Rituale eines Trekkingabschlusses, wie Gruppenfoto, Trinkgeldübergabe, Abschiedsreden und Verabschiedung stattfinden.







Über Tee- und Reisplantagen treten wir unsere Rückreise nach Nairobi und die Weiterfahrt zu den Nationalparks Amboseli und Kimana am Fuße des Kilimandjaros an.

Die Umrundung des Mt. Kenya auch als Vorbereitung für den Kibo ist ideal verlaufen.

Auf der Autoroute von Nairobi in Richtung Mombasa am Indischen Ozean, der Hauptverkehrsader des Landes geht es südwärts zu den in der Savanne gelegenen kenyanischen Nationalparks.




Der Amboseli Nationalpark ist der größte und bekannteste des Landes. Er liegt am Fuße des mächtigen Kilimandjaro mit seinem Zentrum, dem Lake Amboseli, einem in der Regenzeit großen See und in der Trockenzeit mit Wasserstellen durchsetzten Busch- und Sumpfgebiet. Durch diese Voraussetzungen sind fast alle Arten von afrikanischem Großwild an den Wasserstellen zu beobachten.




Die Landschaft zwischen Nairobi und Amboseli ist völlig anders als im Mt. Kenyagebiet. Savannenartiges Buschland wechselt sich ab mit dicht bewaldeten Hügellandschaften. Und schon nach wenigen km sehen wir zum ersten mal den in fast 150 km Entfernung liegenden Kibo. Trotz des enormen Abstandes steht er majestätisch mit deutlich sichtbarer Eiskrone in der ostafrikanischen Hochebene.




Ehrfurcht durchdringt uns, und der Gedanke, wie da hochzukommen ist, beschäftigt uns bei seinem Anblick. 5000 Höhenmeter durch alle Vegetationszonen der Erde sind zu durchlaufen; ein atemberaubender Gedanke!




Die Landschaft hat sich mittlerweile völlig verändert und entspricht den allgemeinen Vorstellungen, die man von Afrika hat. Busch, trockenes, dichtes Gras und die typischen Schirmakazien prägen das Land. Unzählige Termitenhügel lockern das gelb bis grünliche Farbenspiel mit rötlichen Tönen auf.

Diese bizarren Gebilde werden von Millionen Termiten errichtet und trocknen in der Sonne steinhart aus. Mittags, wenn die Hitze beinahe unerträglich wird, verkriechen sich diese Insekten zu den tiefsten und kühlsten Stellen, um in den weniger heißen Stunden ihr fleißiges Werk weiter zu verrichten.




Am Eingang des Amboseli Nationalparks ist unsere Anspannung kaum noch zu ertragen. Wir haben unterwegs von weitem schon viele Tiere gesehen, aber unsere Begleiter haben uns immer wieder an den Amboseli erinnert, mit der Bemerkung, dass wir noch viel mehr sehen und vor Allem viel näher herankommen werden, also keine Zeit hier verschwenden sollen.

In 2 VW Bussen mit aufklappbarem Dach rüsten wir uns für die erste Fotosafari. Im Amboseli Nationalpark gibt es sehr strenge Regeln, die von aufmerksamen Rangern stets kontrolliert werden. Um das Wild nicht unnötig zu belästigen, darf nur in Fahrzeugen auf fest vorgegebenen Routen, bei absolutem Aussteigeverbot, das Gebiet befahren werden.

Und wirklich; schon nach wenigen Minuten eröffnet sich uns das Tierparadies. Wir sehen: Giraffen, Hyänen, Antilopen, Strauße, Geier und natürlich jede Menge Gnus und Zebras.
















Der erste Höhepunkt der Safari ist diese große Elefantenherde vor der malerischen Kulisse der Flanken des Kilimandjaro.




Die in der Trockenzeit spärlichen Reste des Lake Amboseli werden besonders gerne von Elefanten aufgesucht, die darin ihren Bedarf an Grünfutter und Wasser, sowie einem Schlammbad decken.




Der Bestand an Elefanten ist auch im Amboseli Nationalpark in den letzten Jahren erfreulich gestiegen. Jedoch ist ihr Bedarf an Nahrung so groß, dass man wegen der nicht übermäßig vorhandenen Ressourcen überlegt, ihre Bestände wieder etwas zu reduzieren.

Diese Elefantenfamilie kommt mit Kind und Kegel auf unsere abgestellten Fahrzeuge zu, wirbelt mächtig Staub auf und verschwindet wenig später im kenyanischen Busch.













Kurze Zeit später können wir eine weitere Gruppe beim Fressen beobachten. Diesen Tieren aus nächster Nähe bei ihren Aktionen zuzuschauen ist ein unbeschreiblich schönes Erlebnis. Niemand von uns spricht auch nur ein Wort, gebannt von den einmaligen Eindrücken.














Der Kimana Nationalpark ist viel kleiner und unbekannter als der Amboseli, bietet aber ebenso vielen Tieren eine ideale Lebensgrundlage. Das Kimana Sumpfgebiet enthält ausreichend Wasser vor allem für die häufiger vorkommenden Flusspferde. Der Park hat zudem noch den unschätzbaren Vorteil, dass man die Fahrzeuge verlassen darf und mit entsprechender Vorsicht und einigen Sicherheitsvorkehrungen die Tierwelt zu Fuß erkunden kann.

Wir sehen neben den Flusspferden Paviane, Giraffen, allerlei Federvieh und Kaffernbüffel und empfinden bei der Pirsch zu Fuß ein unbeschreibliches Gefühl von Freiheit.






















Einer der Höhepunkte unserer Reise ist der Besuch eines Masaidorfes.

Irgendwie habe ich jedoch noch ein ungutes Gefühl, da wir uns auf früheren Reisen in Südamerika ein wenig verschaukelt vorkamen, als die Indios aus ihren Jeans in die traditionellen Trachten für die zahlenden Touristen stiegen.

Hier ist es glücklicherweise etwas anders gewesen. Die Frau des Besitzers der Lodge, in der wir übernachtet hatten, ist eine Halbmasai. Sie hat Kontakt zu Masai, die bereit sind, unter Wahrung ganz bestimmter Höflichkeitsformen und Verhaltensregeln, einen Einblick in die Lebensweise ihres Clans zu geben.

Wir werden in das etwa 50 Menschen zählende Dorf geführt, das von einer hohen Hecke aus Dornengestrüpp geschützt ist. Weder Elefanten noch Raubkatzen können diese Hürde überwinden. Der Durchmesser beträgt etwa 50 Meter und beinhaltet rund 10 Hütten gebaut aus Ästen und Lehm.

Als wir kommen, werden wir von aufgeregten und ganz scheuen Kindern begrüßt, die uns ihre Köpfe mit Scharen von Fliegen übersät entgegenhalten. Wir legen unsere Hände auf und sagen "sopa", die höfliche Begrüßung der Masai.

Die jüngeren halten immer den älteren den Kopf in gebeugter Pose hin, um den Respekt zu bekunden und die Weisheit der Älteren auf sich zu ziehen. Gleichaltrige schütteln sich wie bei uns die Hände.

Selbst die Kinder tragen herrlich bunten Schmuck, der in vielen Arbeitsstunden hergestellt wird. Sie sind bunt bemalt mit natürlichen meist rötlichen Farbstoffen und machen einen sehr fröhlichen Eindruck.




Ihre Ohren werden durchlöchert und mit Ohrpflöcken, ähnlich denen der Inkas versehen und permanent erweitert. Die Pflöcke sind einerseits Schmuckobjekte und andererseits Standessymbole.




Das gesamte Dorf ist auf den Beinen und freut sich auf die kleine Abwechslung, die durch die Fremden aus Deutschland entsteht. Wir lernen zuerst die Frauen des Dorfes kennen, die in der Rangfolge nach den Männern und nach dem Vieh einzuordnen sind.




Die Frauen sind an diesem Tag besonders reich geschmückt, da ein Beschneidungsritual vor kurzem erfolgte und schon die nächste Hochzeit in Vorbereitung ist.




Das Hochzeitspaar beäugt uns ein wenig scheu und mißtrauig. Der junge Krieger ist besonders reich geschmückt mit Perlenketten, Broschen und Lederarbeiten. Das junge Mädchen von vielleicht 14 Jahren trägt die schönsten Ohrpflöcke mit langen perlenbesetzten Verzierungen.




Wenig später dürfen wir in eine der Hütten schauen. Es dauert zunächst einige Minuten, bis wir im Stockfinsteren überhaupt etwas sehen können, denn die beiden Fenster sind nur etwa bierdeckelgroß.




Die Hütten sind dreigeteilt. In der Mitte die Koch- und Eßstelle, eine Schlafstätte für den Mann und die Frau, sowie eine Schlafstätte für die Kinder und ggf. Großeltern oder Besucher. Wenn der Mann bei der Viehherde ist, oder bei einer seiner 4 anderen Frauen, dürfen die Kinder auch in den Elternbereich. Die Einrichtungsgegenstände der Nomaden sind einfach, aber praktisch. Die Kochstelle am Boden besteht aus einigen dicken Steinen und einem Metallrost. Es gibt ein paar Aluminiumtöpfe und Becher, sowie Löffel und Rührgerät aus Knochen und Holz.




Unsere Führerin Beatrice erzählt uns noch viel über die Traditionen und den Naturglauben des Volkes der Masai, die von der Viehzucht leben und ihr Dorf nach den Lebensbedingungen für ihr Vieh räumlich verändern.

Im tief stehenden Sonnenlicht verabschieden wir uns von den Menschen, tiefbeeidruckt von der für uns fremden Welt, nachdenklich über unser Streben und Sein.




Die beiden erlebnisreichen Erholungstage in den Nationalparks haben die Gedanken an die nahende Herausforderung ein wenig verdrängt. Heute ist es so weit, unser Ziel rückt näher. Die Besteigung des höchsten Berges von Afrika, dem höchsten freistehenden Berg der Welt beginnt.

Werden wir es schaffen?

Stimmt die Kondition und werden wir nicht Höhenkrank?

Reicht die Motivation, die innere Einstellung, der mit Abstand wichtigste Faktor?

Ich bin gespannt wie ein Flitzebogen und habe ein gutes Gefühl. Die ersten drei Tage sollen recht locker sein, aber der 4. Tag wird uns an die absolute Leistungs- und Willensgrenze bringen.

Vor etwa 750.000 Jahren konzentrierten sich die Vulkantätigkeiten des Kilimandjaro auf drei Stellen: den Shira, Kibo und Mawenzi. Die drei Vulkane entwickelten sich unterschiedlich. Kibo blieb weiterhin tätig, während Shira und Mawenzi erloschen. Die Ausbrüche des Kibo überdeckten teilweise den Einbruchkrater des Shira und schufen die weite Lavaebene "Saddle = Sattel" in Richtung Mawenzi. Der Kibo steht heute auf der Liste der schlummernden, jedoch noch tätigen Vulkane.




Von Loitokitok auf kenyanischem Boden fahren wir nach Rongai, dem Ort an der Grenze zu Tansania. Wir wickeln die Grenzformalitäten ab und nehmen vorsichtig Kontakt auf zu den uns neugierig betrachtenden Menschen. Es sind Kinder vom Volk der Chagga, einem Bergvolk, das sich durch Honigsammeln, Elefantenjagd, Landwirtschaft und Viehzucht, Töpferei und Schmiedehandwerk ernährt.

Wenig später ist der Startpunkt unserer Trekkingunternehmung auf ziemlich genau 2000 m erreicht.




Die Männer vom Volk der Chagga erwarten uns bereits, die Guides und Köche werden uns vorgestellt. Der Bergführer Bryson und seine 5 Assistenten, ein Koch mit einigen Hilfsköchen und etwa 20 Träger bilden unsere Mannschaft.

Durch dichten Wald, begleitet von unzähligen Tiergeräuschen, setzt sich die Kolonne, langsam in Bewegung.

Pole, pole hören wir auch hier immer wieder von unseren einheimischen Begleitern; langsam, langsam...




Nach knapp 4 Stunden langsamen und gemütlichen Laufen, kommen wir zur 1. Höhle auf 2850 m Höhe. Diese Höhle vulkanischen Ursprungs wird von der Mannschaft als Unterschlupf und Kochstelle benutzt. Es brodelt bereits in den Töpfen und wenig später gibt es heißen Tee und leckeres Abendessen.




Da wir uns noch unter der Wolkendecke befinden, diese aber meist gegen Abend etwas aufreißt, ergeben sich erste mystische Blicke auf Mawenzi und den Kibo.




Von Weitem gesehen erstrecken sich die Flanken des Kilimandjaro Bergmassivs entlang der Masaisteppe, überragt von der zerdrückten Kappe des Kibogipfels.

Majestätisch!

Rund, weiß und glänzend! Kilimandjaro! Wir müssen dich zähmen, dich "kleiner Berg" nennen und dir Legenden erfinden!

Sonst wehe dem Kibo, dem Lavaspeier, der heimlich raucht.




Der 2. Tag wird uns zur sog. dritten Höhle etwa 1000 Höhenmeter hinauf auf 3800m, dem Gipfel schon erheblich näher gerückt führen.

Der Wecker hat um 6.00 Uhr geklingelt, ich habe sehr gut geschlafen. Es ist -2 Grad C kalt und der Boden leicht gefroren. Die Wolken haben sich über uns weitgehend verzogen und lassen einen farbenfrohen Sonnenaufgang erwarten.




Wir wandern aus der Bergwaldstufe in die Heidelandstufe und erfreuen uns an der facettenreichen Vegetation und den immer deutlicher werdenden Konturen des Kibo.

Der Berg besitzt 5 Vegetationsstufen, die Anbauzone, Bergwaldstufe, Heidelandstufe, alpine Stufe und die Gipfelzone. Das Ökosystem des Kilimandjaro, eine Mischung aus arktischen und äquatorialen Einflüssen, ist einzigartig auf der ganzen Welt. Aufgrund der extremen Bedingungen musste sich die Flora oft auf spektakuläre Weise anpassen und hat so die Erscheinung von endemischen Arten gefördert. Jede dieser 5 Stufen, die im Durchschnitt etwa 1000 Meter breit ist, bildet eine kleine Welt für sich, in der die Pflanzen leben, die sich am besten an die hier herrschenden Bedingungen angepasst haben.













Bereits um 15.00 Uhr erreichen wir unser heutiges Ziel ohne große Kraftanstrengung; ganz wichtig für den schweren Gipfeltag übermorgen.

Der Chaggaführer Bryson hat einen Schädel eines Kaffernbüffels entdeckt, nicht ohne uns auf die beachtliche Höhe von beinahe 4000 m hinzuweisen.




Heute ist der Tag vor der Entscheidung. Wir werden noch einmal fast 1000 Höhenmeter zur School Hut, unmittelbar am Fuße der steilen Aschenflanken des Kibo, exakt zwischen Vulkankrater und dem Mawenzi gelegen, aufsteigen.

Langsam schickt die Sonne ihre ersten Strahlen auf das Camp und treibt uns aus den molligen Schlafsäcken.













Nachdem wir uns mit Tee und Porridge gestärkt haben, setzt sich die Truppe "pole pole" im Gänsemarsch in Bewegung. Bereits hoch über dem Wolkenmeer gehen wir etwa 150 Höhenmeter pro Stunde, eine für die Alpen lächerliche Zahl, hier aber für den Erfolg der Unternehmung zwingend notwendig.

Die dünner werdende Luft bereitet niemandem von uns ernsthafte Probleme, zu gut ist unsere Aklimatisation durch den Mt. Kenya. Wir haben die besten Voraussetzungen für den Gipfelerfolg, ganz im Gegensatz zu den Massen von Bergwanderern, die die Normalroute ohne Höhenanpassung in 4 Tagen angehen.




Am frühen Nachmittag erreichen wir die School Hut auf 4770 m Höhe. Diese Hütte steht für unsere Gruppe ganz alleine zur Verfügung und wird die zu erwartende sehr kurze und eiskalte Nacht für uns erträglicher machen. Wir erden um 19.00 Uhr ins Bett gehen, da der morgige Gipfeltag um Mitternacht beginnt.




Unsere Blicke schweifen über den Sattel zum Mawenzi, der sein zerklüftetes Antlitz wolkenlos zeigt. Ein tansanisches Märchen erklärt, warum der Vulkan einen verbeulten Kopf hat:

Eines Tages, als Mawenzi kein Feuer mehr hatte, begab er sich zu Kibo. "Kibo! Meine Feuerstelle ist ausgegangen. Könntest du mir Feuer geben?" Kibo gab ihm Feuer und auch von dem Essen, das er gerade zubereitet hatte. Auf dem Heimweg warf Mawenzi das Feuer weg und ging schnell wieder zu Kibo zurück. "Kibo! Auf dem Weg ist mir das Feuer ausgegangen!" Und Kibo gab ihm wieder Feuer... und auch etwas zum Essen. Mawenzi machte sich wieder auf den Heimweg und warf das Feuer unterwegs nochmals weg. Er ging zu Kibo zurück und bat ihn nochmals um Feuer. Doch dieses Mal wurde der Kibo zornig, nahm seinen Stock und schlug Mawenzi auf den Kopf.

Seit diesem Tag hat der Berg sein bizarres Aussehen.




Gegen Mitternacht klingelt der Wecker, die wenigen schlaflosen Stunden sind vorüber. Fast lautlos werden die Sachen gepackt, ein Schluck Tee getrunken und ein paar Kekse eingesteckt. Bloß nicht zu viel essen, das wird sich sonst am Kraterrand rächen. Um 1.00 Uhr ist Abmarsch. Es geht sofort steil bergauf, die Luft ist schneidend kalt. Eingemummt wie Eskimos laufen wir langsam hintereinander her.

Es ist Vollmond und die Sterne leuchten am Firmament. Unsere Stirnlampen sind fast überflüssig. Zäh schraubt der Weg sich in endlosen Serpentinen in die Höhe. Hier ist der Kibo ein schrecklicher Berg, eine Halde aus Asche und Schutt. Auf den letzten 1200 Höhenmetern besteht er nur aus Lavastaub und Geröll. Die Füße sinken ein und bei jeweils drei Schritten nach oben, rutscht man einen wieder hinunter. Man steigt nachts auf, um am Morgen am Kraterrand den grandiosen Sonnenaufgang und den Blick in den Krater zu genießen. Ich glaube eher, man steigt nachts hinauf, um das elend nicht sehen zu müssen, dem man sich ausgeliefert hat.




Wir treffen auf die Hauptroute und sehen, dass sich heute Nacht wieder viele Bergsteiger am Kibo versuchen. Der Schein der vielen Taschenlampen leuchtet wie auf einer Perlenkette. Nach der Hans Meyer Höhle auf 5400m, der Schlüsselstelle des Berges ist es so weit, dutzende Höhenkranker vorwiegend Asiaten, kollabieren erbärmlich und werden von den ratlosen Führern wieder bergab begleitet.

So will ich hier nicht enden, schießt es mir durch den Sinn, aber der Druck auf den Kopf und das jämmerliche kraftlose Gefühl werden immer stärker.

Ganz plötzlich hat man das Gefühl, jemand hat das Licht eingeschaltet und alles in warmes Orange getaucht. Die aufgehende Sonne über dem Mawenzi kurz unterhalb des Kraterrandes, dem Gillmans Point, legt die letzten Kraftreserven frei.




Der Blick von Gillmans Point auf 5685 m schweift ins 3 km im Durchmesser messende Kraterinnere auf den noch höheren inneren Krater, den Reuschkrater, dessen Ascheschlot man von dieser Stelle des Kraterrandes noch nicht sehen kann.










Die nördlichen Stufengletscher mit der Sphinx leuchten grell im aufgehenden Sonnenlicht. Wir sind überglücklich, den Kraterrand erreicht zu haben.




Aber wir sind noch lange nicht am Ziel, denn vor uns liegt noch ein etwa 2stündiger Weg auf dem Rand des Kraters zum Gipfel des Kibos, dem Uhuru Peak auf 5895 m, von dem aus man in den etwas niedrigeren Reuschkrater blicken kann.




Jeder sagt sich: "Ich muss es schaffen, ich muss den Gipfel erreichen!"

Alle Gedanken drehen sich um diese Idee. Und heute Morgen in den ersten Sonnenstrahlen durchqueren wir zwischen Gillmans Point und Uhuru Peak den Himmel und überblicken einen Ozean von Wolken und Eis. Auf einer Höhe von beinahe 6000 Metern erfüllt sich für uns der ewige Traum des Menschen: Fliegen, frei wie ein Vogel in der Luft, hoch im blauen Himmel.










Nach knapp 2 Stunden Kampf gegen die Erschöpfung und der stoßweisen Motivation durch die Faszination der Eindrücke, erreichen wir mit letzter Kraft die Freiheitsspitze, Uhuru Peak, das Dach Afrikas. Wir fallen uns überglücklich in die Arme und feiern mit kurzem Atem den Erfolg.




Dass alle 12 Reiseteilnehmer mit den Führern diesen Triumph erleben können, steigert unsere Glücksgefühle ins geradezu Unermessliche.




Emanuel, einer der Assistant Guides, war an Simones und meinem Gipfelerfolg maßgeblich beteiligt, hat er stets in Situationen, wo man ans Aufgeben denkt, mit motivierenden Worten unter die Arme gegriffen. Auch die Führer waren sicher stolz, die ganze Gruppe heraufgebracht zu haben. Die Nachricht verbreitete sich in Windeseile, wie wir in den nächsten Tagen beim Abstieg feststellen sollten.




Wir genießen mit feuchten Augen den Rundblick in den Krater, über die Gletscher und die unendliche Weite des Wolkenmeers, bevor der Abstieg vom Kibo beginnt.













In nur knapp 1 Stunde wedeln wir wie Skifahrer den nachts in 6 Stunden hinaufgequälten Aschehang hinunter. Mir wird klar, warum man hier nur im Dunkeln das Wagnis des Aufstiegs eingeht, in einer Höhe, wo weniger als 50% des normalen Sauerstoffgehalts in der Atemluft enthalten ist.




Trotz kaum noch vorhandener Energie müssen wir heute noch 2200 Höhenmeter absteigen und etwa 30 km laufen, angesichts unseres Zustandes am Gipfel unvorstellbar. Die Kibohütte auf 4700 m Höhe dient uns als Mittagsrastplatz, vor dem langen Abstieg über den Sattel zu den im Heidegürtel liegenden Horombo Hütten auf 3700 m Höhe.

Die Kibo Hut kann über 150 Menschen eine Unterkunft gewähren. Man kann hier in einem Kiosk Getränke kaufen, die von Trägern von unten heraufgeschleppt werden. Die Preise sind entsprechend. Die Hauptroute, die wir in den nächsten beiden Tagen begehen werden, heißt im Volksmund nicht zu Unrecht "Coca Cola Route".

Wir verschnaufen ein wenig und trinken viel Tee. Wenig später machen wir uns auf den Weg nach Horombo, dringen wieder in die Vegetation vor, blicken zurück auf Kibo und Mawenzi und verarbeiten das Erlebte der letzten erfahrungsreichen Stunden.













Bei den Horombohütten wurde unser Zeltcamp aufgebaut. Als wir totmüde mit allerletzter Kraft gestern Abend ankamen, sanken wir wie nasse Säcke in unsere Zelte und fielen sofort in einen Schlaf der Gerechten.

Heute werden wir der Normalroute wieder 2000 Höhenmeter tiefer nach Marangu folgen und dabei herrliche Eindrücke von der tropischen Vegetation bekommen, immer wieder unterbrochen durch mögliche Rückblicke auf unseren Berg.




Die Horombohütten liegen auf etwa 3700 m Höhe, sind aus Holz gezimmert im Norwegerstil und bieten je etwa 10 Personen Platz. Ab hier spüren wir die für uns unangenehmen Nebenerscheinungen des Massentourismus. Viele Menschen, vorwiegend Asiaten, tummeln sich hier und versuchen in Scharen den Gipfel zu besteigen, was den wenigsten allerdings gelingt. Wir sind froh, die kaum begangene Rongai Route gegangen zu sein.




Da wir als Zeltgäste keinen Anspruch auf einen Platz im Restaurant haben, machen wir unser Frühstück kurzerhand im Stehen auf der Veranda der Hütte, für uns und unsere mittlerweile wieder hungrig gewordenen Bäuche kein Problem.




Langsam erwachen die Lebensgeister in uns und wir nehmen die herrliche Umgebung wieder so richtig wahr.




Die obere Heidezone zeigt sich mit prachtvollen Senecien und anderen endemischen Kräutern. Die messerscharfe grelle Wolkenschicht liegt über der weiten Ebene von Tansania. Beim Abmarsch spüren wir unsere müden Glieder sehr, aber es gibt genügend Abwechslung für unsere Sinne beim letzten Abstiegstag unserer Reise.






















Die letzten Stunden durch dichten Urwald enden abrupt in Marangu, unserem Abschlußpunkt der Reise. Eine Gedenktafel an Hans Meyer erinnert an den Erstbesteiger von 1899. Die Existenz des Berges wird für die Europäer erst im Jahre 1848 angegeben, und von da an versuchten viele das Glück einer erfolgreichen Besteigung. Die meisten scheiterten allerdings an den klimatischen Bedingungen oder wurden von wilden Tieren gehindert.

Für uns beginnt die Zeremonie der Verabschiedung der Mannschaft, die Überreichung der Trinkgelder und der Gipfelurkunden. Die Urkunden werden von Bryson, unserem Chaggaführer persönlich überreicht, unter dem frenetischen Jubel der Mannschaft und der anderen Mitreisenden. Wir nehmen die neidischen Blicke derer wahr, die die Tour noch vor sich haben oder die nicht ausreichend akklimatisiert waren.




Rudi, unser ältester Teilnehmer, hält eine bewegende Rede und bedankt sich bei den Menschen aus Tansania, die ihm beim Erreichen des Gipfels so geholfen haben und wünscht, dass es ihnen gelingt, die Landschaft so zu erhalten, wie sie jetzt noch ist.

Wir blicken indes zurück auf ein atemberaubendes Erlebnis am Äquator in Ostafrika, dem langen und entbehrungsreichen Weg zum Eisdach des unter einer drückenden Hitze leidenden Kontinents.







 
     
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