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Es ist früh in Bhaktapur, einer der Königsstädte im Kathmandutal. Die Krähen begrüßen den sonnigen Morgen. Es hat Wolken und Sonne im Innenhof unseres Gasthauses am Durbar Square in Bhaktapur.

Wir sind gestern morgen pünktlich in Kathmandu gelandet.

Die Strasse von Kathmandu nach Bkaktapur wurde vor 2 Jahren von den Japanern in eine 4spurige Schnellstrasse verwandelt. Es geht jetzt fast ohne Staus und Schlammschlachten. Die Stadt ist hektisch und übervoll. Mittlerweile leben in KTM Tal über 3 Mio Menschen, die Landflucht nimmt also weiter zu. Der Bus fährt durch enge Gassen, passt auf auf Menschen, Kühe, Hühner und andere Autos, und plötzlich stehen wir auf dem Durbar Square mit den ansehnlichen Tempeln und dem Königspalast.

Die Sonne scheint zwischen den Wolken und es ist viel heißer, als ich gedacht habe. Fast 30 Grad und eine drückende Schwüle. Wir checken in dem gemütlichen und einfachen Gästehaus ein, legen uns eine halbe Stunde auf die Matratze und treffen uns mit Rusdam zu einem kleinen Stadtspaziergang. Hier sehen wir die Highlights von Bhaktapur und können uns in der 5er Gruppe untereinander beschnuppern. Wir haben eine gute Gruppe mit erfahrenen und netten Leuten erwischt.

Am späten Nachmittag treffen wir uns im Hotel mit dem Leiter der Agentur, der uns einen Eindruck gibt, welch enormer logistischer Aufwand für diese Reise hinter den Kulissen getrieben werden muss. Alleine das Organisieren der Visa für China ist eine Groteske, die eine mehrteilige Soapdoku füllen würde. Auch der Flug von Nepalgunj nach Simikot mit den Auswirkungen möglicher Schlechtwetterverspätungen, birgt eine Planung, die an Unwägbarkeiten kaum zu überbieten ist. Die Trekkingmannschaft muss ebenfalls eingeflogen werden, da man zu den Einheimischen der Region nicht genug Vertrauen hat. Die Jeeps, die uns an der tibetischen Grenze erwarten kommen aus dem fast 2000 km entfernten Lhasa...

Wir bekommen noch ein paar Hinweise, wie wir uns den Chinesen gegenüber verhalten sollen. Z.B. mit viel Geduld und Verständnis, egal wie lange sie uns irgendwo aufhalten. Es kann sogar sein, dass wir jedes digitale Bild einzeln zeigen müssen. Bilder vom Dalai Lama dürfen nicht mitgebracht werden.

Wir fliegen von KTM nach Nepalgunj, einer ziemlich uninteressanten Stadt im Südwesten Nepals, direkt an der Grenze zu Indien. Von dort soll es dann am nächsten Tag, gutes Flugwetter vorausgesetzt nach Simikot, der Hauptort der Region Humla in Westnepal auf ca. 3000m gelegen, per Turboprop gehen.











Um 4.00 Uhr in der Früh klingelt der Wecker und reißt uns aus dem unruhigen Schlaf. Wir hatten doch etwas Sorge wegen des Wetters. Es gab Gewitter gestern Abend. Können wir überhaupt fliegen und wie sicher wird der Flug werden?

Zum Frühstück um 5.00 Uhr kommt Rusdam und bestätigt den heutigen Flug und gutes Wetter im Himalaya. Wir sollen sofort los. Das Einchecken in dem kleinen Flughafen in Nepalgunj klappt reibungslos und wenig später sitzen wir mit ca. 10 Passagieren in der kleinen Turboprop von Tara Air. Die Maschine hebt pünktlich um 6.30 Uhr in den Himmel von Nepal nach Norden in Richtung Simikot ab.

Es sind die gleichen Maschinen, wie nach Lukla, wo wir ja bereits zweimal gelandet sind. Allerdings ist der Flug nach Simikot mit 50 min deutlich länger. Das Wetter ist wirklich recht gut und die Piloten machen einen coolen Eindruck.






Wir sehen Flüsse, Wälder, Ziegeleien, kleine Ortschaften und die ersten Erhebungen. In der Ferne klitzern die ersten Schneeberge mit ihren gleißenden Gletschern.
















Die Landung in Simikot ist fast so spektakulär wie in Lukla, nur die finale Felswand am Ende der Piste fehlt. Wir steigen auf ca. 3000 m ü.d.M. bei bestem Wetter aus. Oberhalb des winzigen Flughafens treffen wir die Mannschaft und haben reichlich Zeit, auf der Terasse einer Lodge unser Gepäck umzupacken und das Trekking vorzubereiten.

ES KANN LOSGEHEN !







Es geht bergauf entlang eines bewaldeten Bergkammes nach Simikot Langna La auf 3200m. Das Wetter ist tadellos und auf dem Flughafen, der dem in Lukla gleicht, herrscht reger Verkehr. Vier Tage lang war wegen des Wetters kein Flug möglich. Mit Getöse kommen und gehen die kleinen Maschinen. Beim Zuschauen wird mir bereits ganz anders. Wahre Künstler müssen diese speziell ausgebildeten Piloten sein.

Das Laufen geht recht gut, mein Knie ist gut versorgt. Viele Nepali kommen uns entgegen. Hier leben Stämme aus der Mongolei eingewandert, die den hinduistischen Glauben angenommen haben, aber auch einige Buddhisten, die aus Tibet vor vielen Jahren hergekommen sind. Die Frauen tragen bunte Kleidung, einen goldenen oder silbernen Ring durch die Nase und viel Schmuck an Hals und Armen. Insgesamt wirken die Menschen etwas verschlossener als z.B. in der Khumburegion. Wir werden sogar gelegentlich nicht zurückgegrüßt.










Auf der Anhöhe hat man einen schönen Blick über Simikot, den zentralen Ort von Humla, die herrliche Berglandschaft mit grünen Wäldern und steilen Felsen. Es geht nun steil bergab ca. 900 Höhenmeter über große Felsbrocken und rutschigen Boden. Ich bin äußerst vorsichtig, um mein Knie so gut es geht zu schonen. Es klappt ganz gut. Wir landen nach vielen Mühen im Dorf Majhgaun am Ufer des Humla Karnaliflusses.











Wir folgen dem Tal des tosenden Gewässers und wandern durch Reis- und Weizenfeldern bis sich das Tal verengt. Es geht weiter am Ufer bis zum Zusammenfluss des Humla Karnali mit dem Yabka Khola, durch das Dorf Dandaphoya bis Darapuri. Die Häuser in den kleinen Dörfern sind nach tibetischem Muster gebaut. Die untere Etage für das Vieh oder Arbeitskammern. Die obere Etage zum wohnen. Auf den Terrassen wird Getreide gedrescht oder Schillies getrocknet. Auf den terrassenförmigen Feldern baut man Gerste, Kartoffeln oder Gemüse an. Ochsengespanne ziehen einen Pflug durch das Feld. Viele Dinge erscheinen uns wie im Mittelalter.














Wir erreichen unseren Rastplatz, der terrassenförmig am Rande des Dorfes liegt. Zwei Gebäude umrahmen ihn. In dem einen wird die Küche eingerichtet. Die Pferde bringen die Lasten und werden von ihnen befreit. Der Zeltaufbau und das Einrichten des Lagers beginnt. Unser Zelt ist recht groß und in ziemlich  gutem Zustand. Die Ordnung ist wie zu erwarten war am Anfang des Trekkings schwer zu finden, aber das wird sich bald geben. Das Abendessen ist fabelhaft, wie wir es auch von einer Nepalreise erwartet haben. Der Kontakt zu den Mitreisenden und der Mannschaft wird langsam intensiver. Wir haben eine echt nette Gruppe erwischt und sind sehr froh darüber, nur mit 5 Leuten unterwegs zu sein.

Am späten Abend beginnt es zu regnen, so dass wir uns flux ins Zelt machen. Es regnet die ganze Nacht durch, aber wir schlafen recht gut und sind am nächsten Morgen wieder topfit.







Das Geraffel ist schneller verpackt als gedacht, das Frühstück im Freien bei schönem Wetter noch besser als erwartet und die Stimmung in der Gruppe sehr gut.

Wir erfahren, dass die Visa für Tibet nun erteilt sind und dass es jetzt nur noch darauf ankommt, sie von KTM nach Simikot zu bringen. Der Assistenzguide Ashok ist in Simikot zurückgeblieben, um die Dokumente in Empfang zu nehmen und uns nachzueilen. Also bitte, bitte noch einen guten Flugtag und wir können optimistisch die Einreise nach Tibet beginnen.









Nach dem Frühstück geht es durch Obsthaine (es gibt auch viele Walnussbäume) und das Chetridorf Darapuri. Wir überqueren einen steilen Hang und gehen hinunter zum Bach. Über eine Brücke gelangen wir zum letzten Thakuridorf in diesem Tal. Die Bewohner sind vor vielen Jahren aus der Mongolei ausgewandert.











Wir gehen gemütlich weiter und kommen bei Chyacchada an einen beeindruckenden 150 Meter hohen Wasserfall, dessen Gischt uns erfrischt. Kurze Pause und viele Fotos sorgen wieder für eine Abwechslung.











Über einen Bergkamm gelangen wir schließlich nach Kermi (2740m), wo wir unterhalb des Dorfes unseren Zeltplatz finden. Es ist früh am Nachmittag, so dass genügend Zeit zum Sachen waschen, lesen, Tagebuch schreiben etc. ist. Ich verzichte auf die Nachmittagsaktion das Dorf und die vorhandenen heißen Quellen zu besuchen, um mein Knie zu schonen. Das Wetter ist wechselhaft. Mal scheint die Sonne, mal regnet es leicht. Es gibt zwar Wolken, aber es ist nicht alles zugezogen, wie ich doch in der Monsunzeit vermutet habe.

Meinem Knie geht es gut, und das hoffe ich, soll auch so bleiben.








Oh, welch eine Freude! Gerade erfahren wir, dass Ashok heute die Visa in Empfang nehmen konnte und uns nacheilt. Spätestens übermorgen wird er bei uns eintreffen. Meine Gebete vorhin in der Gompa von Yalbang haben etwas geholfen.

Ich sitze am späten Nachmittag im Zelt, die Zeltplanen flattern wie die Gebetsfahnen im Wind. Wir sind in Yalbang an unserem dritten Trekkingtag angekommen.

Nach dem reichhaltigen Frühstück haben wir uns aufgemacht zu dem ersten kleinen Pass der Tour. Der Illing La (ca 3200m) bringt uns Tibet ein Stück näher. Nach einem abwechslungsreichen Auf und Ab tauchen wieder Gerstenfelder auf, die den Beginn des tibetischen Kulturraumes markieren.

Auf dem Pass hatten wir einen Lama aus dem Kloster Yalbang getroffen, der uns freundlich ins Plaudern gebracht hatte. Die Mönche haben derzeit Ferien und sind fast alle unterwegs. Dies war die Erklärung für die vielen uns entgegenkommenden Mönche in den ersten beiden Stunden unserer heutigen Wanderung. Der freundlich strahlende Mann hat uns ganz schön ausgefragt und dann festgestellt, dass wir zwar alle viel wissen, das Weisheit im tibetischen Buddhismus aber zusätzlich eine spirituelle Komponente hat, die den meisten Europäern fehlt. Wie wahr! Vielleicht spüren wir das auch und sind gerade deshalb hier.











Noch immer begleitet uns der Humla Karnali, geleitet uns durch ein enges Tal mit steilen Felswänden. Nach dem Überqueren einer Hängebrücke machen wir die Mittagspause, in der es wieder lecker Essen gibt.








An der Hütte wird gerade eine große Ziege geschlachtet. Ich schaue mal zu und bin fasziniert, mit welchen einfachen Werkzeugen sie das Tier häuten und zerlegen. Natürlich hat unser Koch etwas von der Ziege gekauft für heute Abend.











Weiter geht unser Weg entlang des Flusses. Von weitem sehen wir den Ort Yalbang (3000m) mit seiner Gompa.








Wir besuchen das Kloster und sind überrascht von der Größe an diesem abgelegenen Ort. Rusdam macht für uns eine Führung und erklärt die wesentlichen Besonderheiten der Anlage.




















Um 16.00 Uhr ist eine Puja angesagt von den wenigen zurückgebliebenen Mönchen. Sie bereiten aber für den morgigen heiligen Tag nur ein paar Opfergaben aus Tsampa vor. Einer von ihnen, ziemlich dick an Gestalt, spricht Englisch und fängt mit uns ein Gespräch an. Es entwickelt sich eine rege Kommunuikation, als sie erfahren, dass wir uns in Nepal und Ladakh recht gut auskennen. Zwei von ihnen sind sogar aus Ladakh. Wir tauschen uns aus und haben eine Riesenfreude dabei.








Unser Lager liegt auf einer großzügigen Terrasse mit fantastischem Blick auf das Karnalital. Als wir die Nachricht von Ashok bekommen mit den Pässen und Visa sind wir überglücklich. Was für ein toller Tag!

Als ich am frühen Morgen das Zelt öffne, grüßt mich eine dicke Wolkendecke, die bis ins Tal herunterdrückt und uns einen leichten Nieselregen beschert. Also müssen wir uns heute auf eine nasse Wanderung einstellen, was innerhalb der Monsunzeit ganz normal ist. Es regnet dann in den Bergen leicht, fast wie beim Hamburger Schietwetter, aber immer wieder unterbrochen von Aufheiterungen. Auf dem tibetischen Plateau sollte das Wetter dann normalerweise freundlicher sein, da die Wolken an den Bergen hängen bleiben.

Nach dem Frühstück machen wir uns auf unsere heutige Etappe nach Muchu (2950m).







Wir wandern auf holprigen Pfaden zum nächsten Dorf namens Yankar, immer entlang des tosenden Humla Karnali. In Yankar scheint die Zeit fast stehengeblieben zu sein. Mittelalterlich wirkt der Kern des Dorfes, in dem die meisten Häuser ineinander verschachtelt an einem Hang liegen. Der Weg geht mittendurch, nachdem wir am Ortseingang einen buddhistischen Tschörten passiert haben. Fahnen flattern im Wind und Rauch steigt auf aus den kleinen dafür vorgesehenen Löchern in den Dächern. Es riecht nicht besonders einladend. Wir sehen viel Schmutz und Abfall, auf den Terrassen gelagertes Heu, Treppen aus ausgehöhlten Baumstämmen und freundlich grüßende Menschen. Wir wandern weiter auf einem neuen, in den Fels des Tales gebauten Weg, weiter entlang des Karnali und überqueren den Fluss auf einer Hängebrücke.













Bei Muchu steigen wir langsam höher und machen am Ortseingang unsere Mittagspause. Immer wieder gibt es Regenschauer und wir müssen unser Zeug wasserfest machen. Hinter Muchu ist eine Polizeistation, wo wir die Trekkingpermits und Pässe zeigen sollen. Da die Pässe ja mit Ashok unterwegs sind, gibt es eine heftige Diskussion. Unter Vorbehalt dürfen wir aber dennoch nach ca. 30minütiger Debatte weiter zu unserem Zeltplatz, der sich an einem wunderschönen Platz am Flussbett befindet.

Von hier aus können wir auch den morgigen ersten Aufstieg in Richtung Tibet erkennen. Wir können auch nicht mehr dem Karnali weiter folgen, denn eine gewaltige Schlucht macht einen Weg hier unmöglich. Statt dessen werden wir über einen Pass müssen, bevor wir wieder zum Karnali kommen, um dann hoffentlich die Grenze nach Tibet übertreten zu dürfen.








Unser Lager hinter Muchu ist diesmal ziemlich bevölkert, da noch andere Gruppen (reisende Tibeter und eine Trekkinggruppe, die seit 5 Monaten in Nepal in den Bergen unterwegs ist) auf den verschiedenen Terrassen übernachten. Es gibt erste Kontakte mit den tibetischen Menschen, die uns sehr freundlich begegnen. Simone geht es nicht so gut, da sie die Rache des Montezumas bekommen hat. Aber die Mannschaft und die Mitreisenden kümmern sich rührend und es wird morgen sicher besser sein.













Simone und ich sitzen in unserem Zelt im herrlichen Camp Dzungjen auf ca. 3700 m Höhe. Eine halbe Stunde hinter dem Ort Yari befindet sich der Campplatz auf einer kleinen Wiesenfläche. Simone und mir geht es besser, jedoch sind wir ganz schön fertig und meine beiden Knie sind ganz schön lediert. Morgen erwartet uns der Aufstieg zum Nara La und der 1000 Meterabstieg nach Hilsa. Simone und ich haben deshalb beschlossen, da es mittlerweile eine Strasse gibt, dass wir mit Ashok und der Mannschaft mit einem gemieteten Jeep fahren, um unsere Gelenke zu schonen und diese nicht unnötig noch mehr zu belasten.

Am frühen Morgen stehen wir nach einer nicht so guten Nacht auf und bemerken unsere nicht optimale Verfassung. Simone hat den Pfiff und Kopfweh, mir ist ziemlich übel. Aber was solls, da müssen wir jetzt durch. Wir verlassen unseren Lagerplatz mit tibetischen und internationalen Nachbarn und steigen steil das Seitental des Karnali auf zum Rinang La (3310m). Es geht uns ziemlich schlecht, aber wir beißen uns durch und genießen auch noch ein wenig die zauberhafte Natur.














Nach dem Pass wird es flacher und der Pfad mündet in einer Schotterpiste. Bis hierhin können Fahrzeuge von Hilsa fahren. Die Strasse wird sicherlich auch noch verlängert. Es geht jetzt durch Weidelandschaften vorbei an Palbang und tibetischen Zeltortschaften, die die Strassenbauarbeiter beherbergen.








Es ist alles so versifft, dass ich beim Mittagessen in einem kleinen Shop fast nichts herunterbekomme. Hygiene gibt es bei den Tibetern Null.

















Weiter geht die Piste mäßig ansteigend nach Yari, das ein kleines Geschäft und eine Schule stolz sein Eigen nennt. Hinter Yari geht es noch einmal 150 Höhenmeter hinauf zu unserem Zeltplatz. Wie englischer Rasen wirkt das von Vieh abgefressene Gras. Wir haben Platz ohne Ende und lassen uns gemütlich fallen. Es geht uns wieder besser.







Auf 3800m Höhe habe ich die ganze Nacht kaum geschlafen und mich von einer Seite auf die andere gewälzt. Es hat kräftig geregnet und als der Wecker um 5.00 Uhr klingelt, beginnt gerade eine vernebelte Morgendämmerung. Meinem Magen geht es besser, Simones leider nicht.

Nach dem spartanischen Frühstück (wir sind vorsichtiger geworden und essen momentan nur scheinbar gefahrloses) machen wir uns kurz vor 7.00 Uhr mit der gesamten Truppe auf in Richtung Nara La (4600m).








Die Maultiere und deren Treiber werden uns heute verlassen. Sie müssen die Sachen nur ca. 200 Höhenmeter hinauftragen, dorthin, wo die Jeepstrasse den Karawanenpfad kreuzt. Es gibt die Trinkgeldübergabe und einen kurzen Dank.








Dann machen wir uns im dichten Nebel auf. Der Jeep, der Simone und mich bzw. das Gepäck und einige Mannschaftsteilnehmer mitnehmen soll, fährt bereits hupend die endlosen Serpentinen zum Pass hinauf. Wir müssen noch knapp eine Stunde auf 4000m aufsteigen, bis der Pfad die Strasse trifft. Dort erwartet uns der Jeep.








Die beiden Schweizer und Andreas machen sich weiter auf zum Pass. Simone und ich warten mit Sonam, unserem Sirdar, zusammen auf die Maultiere, die sich bereits auf den Weg gemacht haben. Als sie auf uns treffen, wird alles in den Jeep gestopft und die etwa 2stündige Fahrt nach Hilsa kann beginnen.














Die Strasse erinnert mich an die, die auf den Kardung La in Ladakh führt. Serpentinen sind in den spröden Hang gearbeitet, mit Bulldozern oder Dynamitunterstützung.














Die Fahrt ist abenteuerlich, die Abhänge gewaltig und im Falle eines Fahrfehlers final. Das Wetter auf der nepalesischen Seite wird besser und man kann das Tal, dem wir gestern gefogt sind zurückverfolgen. Die Passhöhe allerdings liegt im Nebel. Eine kleine Hütte schmückt das fahle Grau. Wir kehren dort ein und trinken Tee und Cola.








Die Abfahrt auf der anderen Seite des Passes ist spektakulär und bietet uns die ersten Blicke nach Tibet. Wie zu erwarten war, ist das Wetter hier wesentlich besser, da die Monsunwolken zum größten Teil von den Bergkämmen abgehalten werden. Der Weg ist atemberaubend und mir wird ganz schön flau angesichts des rasanten Tempos des Fahrers und der über 1000 Meter abfallenden Berghänge. Ein kleiner Fahrfehler und es wäre aus. Die Witzeleien der Mitfahrer und des Fahrzeugführers gehen mir etwas auf die Nerven. Ich würde ihm gerne sagen: Fahr langsamer und konzentriere dich.

Der Fatalismus hat in Nepal schon vielen das Leben gekostet.








Die Blicke allerdings sind gewaltig. In Richtung Tibet sieht man leicht bewölkte Bergketten, unter uns den brodelnden Humla Karnali und vor uns die Grenzstädte Hilsa auf nepalesischer und Cher auf tibetischer Seite.








Morgen kommt die Stunde der Wahrheit, wo wir hoffentlich ungeschoren über die Grenze nach Tibet gelangen wollen.

Hilsa ist ein trostloser und versiffter Grenzort, in dem wir bereits gegen 11.00 Uhr ankommen. In einer kleinen Gaststube verbringen wir die Zeit bis zum Eintreffen der anderen Reisenden mit Ausruhen, Tagebuchschreiben, Lesen und Essen.








Da ist wieder so ein Moment im Leben, den man nie vergessen möchte, wo man alles auf die Festplatte speichern möchte, um alles zu bewahren.

Ich sitze an einem der magischsten Orte auf unserem Globus und kann es immer noch nicht fassen, was Simone und ich erleben dürfen. Ich habe auch an Dorjee gedacht, der so nah und doch so fern von diesem heiligen Berg ist. Ich schicke ihm ein paar Gebete und Gedanken.

Mein Blick schweift auf den heiligsten Berg aller heiligen Berge, den Kailash, es ist fantastisches Wetter, ein paar Wolken nur und ein stürmischer Wind sind auf dem tibetischen Plateau wahrzunehmen. Es ist angenehm warm und die Sonne scheint mit hohem UV Anteil. Wir haben unser Lager am Manasarovasee aufgebaut, direkt am Ufer nur wenige 100 Meter von der Chiu Gompa entfernt. Und wir sind die einzigen Gäste hier. Tibet ist derzeit für (fast) alle Ausländer gesperrt, wir waren die letzten, die noch reindurften. Es ist einfach unglaublich. Der See leuchtet in den schillerndsten Blautönen. Ein 360 Gradpanorama, bei dem wir die gesamte Himalayakette sehen können, in deren Zentrum der Gurla Mandata mit beinahe 8000m Höhe thront. Ich bin einfach sprachlos, zutiefst berührt und kaum in der Lage, etwas aufzuschreiben. Es ist noch viel unglaublicher, als ich es mir je vorstellen konnte. Und es hing Alles am seidenen Faden!

Die Nacht in dem gottverlassenen Hilsa an der tibetischen Grenze war stürmisch und staubig. Noch nie hatte ich auf einer Strasse mein Zelt aufgeschlagen. Die Stimmung am Morgen war angespannt und irgendwie waren wir alle ein wenig nervös. Wir hatten natürlich Sorge, dass wir die Grenze nicht passieren können und dachten ungerne darüber nach, was passieren würde wenn... Wir mussten warten, bis sich auf der anderen Seite des Karnali etwas tat und die bestellten tibetischen Fahrzeuge auftauchten. Bis dahin hieß es warten in einem der trostlosesten Nestern, die ich je kennengelernt hatte.

Aber nach einigen Stunden Warterei tat sich etwas auf der anderen Seite. Wir luden unser Gepäck auf die Rücken und überquerten auf der langen Fußgängerhängebrücke den reißenden Fluß. Drüben standen zwei Jeeps und ein kleiner LKW bereit, um uns aufzunehmen. Die Prozedur der Einreise, mit Visumkontrolle, Gepäckkontrolle usw. beginnt. Eine Schar chinesischer Soldaten in Tarnzügen (Fotos strengstens verboten...) durchsuchten unser Gepäck bis in die kleinsten Winkel. Sie waren dabei recht höflich, aber die ganze Sache war wahrlich kein Vergnügen. Wir lernen den tibetischen Führer Tundrup kennen, der einen ganz netten Eindruck macht. Seine Lache erinnerte mich ein wenig an die seiner Heiligkeit. Als die Einreiseformalitäten nach etwa einer Stunde beendet sind, besteigen wir die Jeeps und fahren auf einer asphaltierten Strasse in Serpentinen die tibetische Seite des Karnalitals hinauf. Wir sind problemlos in Tibet eingereist.

Wieviel Glück wir hatten, wird uns wenig später durch den tibetischen Guide klargemacht. Tibet ist derzeit für fast alle Ausländer gesperrt, wegen der Selbstverbrennung zweier Lamas in Lhasa und weiterer diplomatischen Verwicklungen, die uns nicht ganz klar waren. Jedenfalls werden wir am Kailash und am Manasarovasee keine Touristenscharen antreffen, was uns natürlich riesig freut. Jetzt sind wir schon so eine kleine Gruppe und haben auch noch das Glück, wenigen anderen Gruppen zu begegnen.








Die beiden Jeeps fahren uns auf der nagelneuen Strasse bergauf nach Purang (Thaklakot), wo eine erneute Kontrolle unserer Papiere und unseres Gepäcks ansteht.








Purang ist ein kleiner Ort, der von den Chinesen in eine chinesische Kleinstadt umgewandelt wurde. Die angesiedelten Hanchinesen haben die tibetische Bevölkerung fast völlig überdeckt und deren Kultur überlagert. Es ist laut, staubig, die Leute sind wenig sympatisch. In einem kleinen Restaurant essen wir zu Mittag (es war gar nicht so schlecht, wie ich es erwartet hatte), tauschen etwas Geld um und nehmen eine Dusche in einem speziellen Badehaus an der Hauptstrasse. Die Anstalt macht zwar keinen einladenden Eindruck, aber die Vorfreude auf eine heiße Dusche überwiegt die Skepsis angesicht unseres ungepflegten Zustands.











Nach der Dusche fühlen wir uns fast wie neugeboren und können wenig später, nachdem der Koch Essen für die nächsten Tage eingekauft hat, unsere Reise fortsetzen.

Wir fahren durch Tibets Berglandschaft, sehen kleine Orte, Weizenfelder, Gebetsfahnen, kleine Gompas und viel chinesische Präsenz (habe keine Fotos riskiert). Unterdessen erzählt uns der tibetische Reiseleiter, was wir in den nächsten Tagen zu erwarten haben. Das Wetter ist gut, der Kora um den Kailash steht nichts im Wege, nur der Ausflug zum Everest Base Camp kann aus irgendwelchen innenpolitischen Gründen nicht stattfinden. Mal schauen, wie wir das Programm dann entsprechend anpassen.








Die Fahrt zum Manasarovasee dauert dank der mittlerweile guten Strassenverhältnisse nur eine gute Stunde. Spektakulär ist die Landschaft mit Ausblicken auf die Ausläufer des Gurla Mandatas, der mit rund 7700m höchste Berg hier in der Gegend.











Auf einem Pass sichten wir erstmals den Kailash, der mit gleißenden Gletschern alleinstehend die ganze Umgebung bestimmt. Wir sind wie paralysiert und steigen aus, um Fotos zu machen und erstmals das Ziel unserer Reise zu sehen. An dem Pass sind viele kleine Kailashsteinhäufchen aufgetürmt, Gebetsfahnen flattern im Wind.











Am späten Nachmittag erreichen wir dann planmäßig unser Camp direkt am Manasarovasee auf 4580m Seehöhe. Wir beziehen die Zelte und genießen die fantastischen Eindrücke.





























Die dünne Höhenluft auf fast 4600m hat ihren Tribut gefordert. Simone ist kotzübel und ich hatte die ganze Nacht wegen rasender Kopfschmerzen kein Auge zugetan. Aber zum Glück ist heute am See Ruhetag und morgen werden wir einen weiteren Anpassungstag hier einlegen, dank des gesundheitlichen Zustands der Gruppe und einer kleinen Veränderung bei der Anfahrt zur Kailashkora. Zwei Tage müssen also genügen, um wieder fit zu werden, denn in diesem Zustand können wir die Kailashumrundung unmöglich antreten.

Simone bleibt heute beim Zelt. Die restliche Gruppe wandert zur nahegelegenen Chiugompa, um die Höhle des Tantrikers Padmasambhavas zu besuchen.

















Bei der Besichtigung der wunderschönen Klosteranlage auf dem Hügel direkt am Manasarovasee ist mir sehr traurig zumute. Das zerstörte Kloster wurde zwar wieder aufgebaut, dient aber heute nur noch als Museum. Die wenigen Mönche, die hier für die zahlenden Touristen die Türen öffnen, sind Marionetten Chinas und haben jeglichen Esprit verloren, sich wahrscheinlich in der Hoffnungslosigkeit aufgegeben. Allerdings hat man vom Kloster einen sehr schönen Blick auf den Kailash und den Manasarovasee.
































Den Nachmittag verbringe ich mit Ausruhen im Camp, in der Hoffnung, dass es uns körperlich bald wieder besser gehen wird.

Und tatsächlich geht es Simone und mir am folgenden Tag deutlich besser. Über 12 Stunden waren wir im Zelt, davon habe ich gewiß die Hälfte geschlafen. Der Aspirinvorrat ist aufgebraucht, die Kopfschmerzen sind zwar nicht weg, aber jetzt ganz gut auszuhalten. Die Sonne knallt auf den Manasarovasee und wärmt uns. Es geht nur ein laues Lüftchen. Es ist fast wolkenlos und ein wenig diesig. Die Gletscher des Kailash luken über das Zeltdach. Die Vögel zwitschern, die halbwilden Hunde kläffen in der Ferne, die Enten auf dem Wasser schnattern und wir freuen uns auf unser Dasein an einem der unglaublichsten Plätze auf diesem Globus.

Morgen soll die Kora um den Kailash beginnen. Wir sind noch nicht ganz sicher, ob wir bis dahin fit sind. Aber wir haben ja noch den heutigen ganzen Tag, um uns weiter zu aklimatisieren. Wir wollen einfach ein wenig am See spazieren gehen. Mit langsamen Schritten steigen wir rund 150 Höhenmeter auf einen kleinen Aussichtsberg, mit einem zauberhaften Blick auf den Kailash, den Manasarovasee, Raksas Tal, das Chiukloster und den Gurla Mandata. Simone geht auch ein Stück mit, muss aber wegen ihrer Magen-Darmprobleme wieder umkehren.

Am Mittag trifft sie die Entscheidung, die Kora mit Hilfe eines Reittieres zu machen. Angesichts ihres entkräfteten Zustands ist dies die einzige Variante, die Kora durchzuführen. Und 3 Tage stattdessen in Darchen herumzuhängen, ist nun wirklich keine Alternative.

Am Nachmittag können wir die Sachen für den morgigen Beginn der Kora vorbereiten, lesen und ausruhen.




















Es ist etwa 16.00 Uhr am Nachmittag. Ich sitze mit Simone vor unserem Zelt mit Blick auf die vereiste makellose Nordwand des Kailash. Vor etwa einer Stunde sind wir gerade noch rechtzeitig vor einem ordentlichen Hagelsturm in unsere Zelte geflüchtet, die wenige Momente zuvor von unserer Mannschaft errichtet worden sind. Meinem Kopf geht es auf 5010m momentan besser, als am Manasarovasee; kaum zu glauben!

Heute morgen krieche ich aus dem Zelt, meine pochenden Kopfschmerzen begleiten mich dabei. Wie soll das mit der Kora gutgehen? Ich weiß es nicht. Simone geht es besser; Gott sei Dank.

Wir bauen bereits routiniert unser Geraffel zusammen, wobei wir dieses Mal nur für die 3 Tage der Kora gepackt haben. Die Trageyaks sollen nicht überladen werden. Um 7.30 Uhr ist Abfahrt mit unseren beiden Jeeps und dem LKW in Richtung Darchen.








Leider ist das Wetter nicht so gut wie die vergangenen Tage, der Kailash liegt in Wolken. Wir fahren etwa eine Stunde auf den modern asphaltierten Strassen nach Norden, sehen große Weiten, majestätische Eindrücke und Lichtstimmungen auch ohne Sonne. Nomadenzelte mit ihren Viehherden sehen wir am Horizont.








Darchen ist ein trostloser Ort, voller Dreck, kleinen Shops, Gästehäusern, Jeeps und fleißigen Chinesen.











Die Kora beginnt nicht wie üblich in Darchen, sondern wir sparen etwa 2 Stunden Weg, indem wir in Darboche beginnen. Eine Jeepstrecke geht bis dorthin.











In Darboche steigen wir aus unseren Fahrzeugen und betrachten den riesigen Platz mit dem zentralen Mast und den Millionen Gebetsfahnen, die im Wind flattern. Wir werfen Zettel in die Luft und rufen "Tsatsatsatsatsa..." um uns eine glückliche Pilgerreise zu wünschen.














Es macht jetzt, wo wir laufen, keinen Sinn sich intellektuell mit den Dingen auseinanderzusetzen, auch wenn unser tibetischer Guide anfängt zu erklären. Zu strapaziös ist die Umrundung des heiligen Kailash. Ich werde fotografieren und filmen und zu Hause alles Gesehene und Erlebte aufarbeiten. Ich möchte mich neben meiner Krafteinteilung einfach auf den Spirit und die mitpilgernden Menschen konzentrieren.








Es sind viele Menschen, die sich auf den Weg machen oder uns entgegenkommen (Böns laufen gegen den Uhrzeigersinn). Auf einem großen Platz werden die Yaks beladen, die Pferde in Empfang genommen und die letzten Vorbereitungen getroffen. Es kann nun losgehen.


























Eine über 50köpfige indische Gruppe macht sich mit uns auf den Weg. Entgegen kommen uns Scharen von Böns, die die Kora heute beenden. Ich weiß gar nicht, wie oft ich heute "Tashi Delek" sage, und die Leute freundlich grüße. Die meisten sind so friedvoll, freundlich und strahlen eine innere Weisheit und Ausgeglichenheit aus, die mich anrührt. Man schlägt sich in die Hände, zeigt den Rosenkranz, lacht über meine Körpergröße, und vor Allem strahlt und strahlt uns an. Ich bin oft so entzückt, dass mir die Tränen kommen.

















Die "Völkerwanderung" findet übrigens ohne europäische oder amerikanische Touristen statt. Dank der Sperre Chinas sind wir alleine; einfach atemberaubend.

Etwa vier Stunden erstreckt sich der Weg westlich des Kailash in Richtung Norden, an beiden Talseiten sieht man die Flanken des Kailash bzw. seiner westlichen Fortsetzung. Das Wetter wird besser und der Gipfel des heiligen Berges kommt immer klarer zum Vorschein. Heute morgen waren wir schon ein wenig traurig, dass wir ihn nicht von seiner Südseite sehen konnten.





















































Simones Ritt auf dem Pferd scheint ihr viel Spass zu machen. Ich fotografiere wie wild und habe immer wieder netten Kontakt mit Indern, Chinesen oder Tibetern. Hoffentlich geht es mir morgen früh so gut, wie im Moment, dann werden Simone und ich es vielleicht auf den 5650 m hohen Dölma La schaffen.












































Es ist gegen Mitternacht am Samstag, ich sitze in meinem Zelt und schreibe ein paar Zeilen über den zweiten Tag der Kailashkora:

Die Nacht auf 5010m war einfach eine Katastrophe. Wegen starker Kopfschmerzen habe ich kein Auge zugetan und bin am frühen Morgen dermaßen unfit, dass ich kurz davor war aufzugeben. Schlecht gelaunt und übermüdet machen wir uns gegen 7.00 Uhr auf den langen Weg zum Pass Dölma La und der damit verbundenen Tagesetappe von rund 22 km.








Das Wetter ist nicht sehr gut, es ist bedeckt und ab und an gibt es etwas Graupelniederschlag. Direkt hinter unserem Camp beginnt der lange Aufstieg zum Dölma La. Wir gehen sehr sehr langsam, wie es sich für diese Höhe gehört. Es sind wieder viele Pilger unterwegs.








Merkwürdigerweise sind es derzeit mehr Böns, die uns entgegenkommen, als Buddhisten, Hinduisten oder Jains. Die Entgegenkommenden haben ja gerade den Pass überwunden und sind demnach bester Laune. Sie sind fröhlich, ausgelassen, murmeln Gebete, grüßen mich freundlich oder amüsieren sich über mein Aussehen. Meinerseits bleibt es heute morgen beim freundlichen Tashi Delek, da ich versuche in meinem Rhythmus die steilen Serpentinen zum Dölma La zu gehen. Es fällt mir ganz schön schwer, aber irgendwie kämpfe ich mich die steilen Hänge hinauf.

















Unterdessen haben uns unsere Yaks überholt. Auch Simone auf dem Pferd, das wir kurzerhand Jaqueline taufen, überholt mich.








Am Wegesrand flattern wieder tausende von Gebetsfahnen und Unmengen von weggeworfenen Dingen säumen den Weg. Hier befindet sich eine Opferstelle, wo der gläubige Pilger persönliche Sachen zurückläßt.








Mittlerweile ist es ganz schön kalt geworden, die Nebelschwaden verklären die Sicht auf die Ostseite des Kailash. Der Schlußanstieg beginnt. Meine Kostitution ist mittlerweile so einigermaßen, ich finde meinen Rhythmus, muss aber bei den letzten Steigungen gelegentlich anhalten und ein paar Atemzüge im Stehen machen. So kämpfe ich mich tapfer auf den 5650 m hohen Pass der Erlöserin, Dölma La.

Die Passkuppe ist übersät mit unendlich vielen Gebetsfahnen, die im eiskalten Wind flattern und ein lautes Geräusch erzeugen. Für die Pilger ist der Höhepunkt der Kora erreicht. Sie beten, bringen weitere Gebetsfahnen an und halten freudig inne.














Der Nebel, unser kurzer Atem und unser Gesamtbefinden lassen uns nur kurz verweilen und direkt mit dem steilen Abstieg beginnen. Die Sicht erlaubt uns immer wieder Blicke auf die Gletscher des Kailash, kleine Seen in einer Senke und die Täler unseres langen Abstiegs.

Simone geht es nicht so gut, da das Pferd sie den steilen Abstieg nicht tragen kann. Die Höhe und ihre Körperverfassung schlagen jetzt zu. Aber sie ist ganz tapfer und steigt ab, bis das wartende Pferd mit seinem tibetischen Treiber sie wieder aufnehmen und zum zweiten Lagerplatz bringen kann.








Der Weg zum zweiten Lager zieht sich ewig durch ein von Norden nach Süden weisendes Tal, leicht bergab und mit gelegentlichen Blicken auf Eiswände des Kailash.

Gegen 15.00 Uhr kommen wir auf dem herrlich gelegenen Wiesencamp auf etwa 4800m Höhe an. Wir sind alle so hundemüde, dass wir augenblicklich in die Zelte kriechen. Ich schlafe sofort ein und fühle mich endlich besser. Pünktlich gegen 18.30 Uhr werden wir zur Abendsuppe gerufen, die den Nachholschlaf nur kurz unterbricht. Ich werfe noch zwei geschnorrte Aspirin ein und schlafe im Zelt weiter, bis gegen Mitternacht leichte Kopfschmerzen einsetzen und ein gewisser Grad an Ausgeruhtheit, die Nacht für mich beendet und ich weiter mein Tagebuch schreiben kann.

Morgen wird der letzte Tag der Kora sein. Nur gut 3 Stunden müssen wir bis kurz vor Darchen laufen, wo uns die Jeeps aufnehmen werden. Unterwegs wollen wir das Zutul Puk Kloster besuchen, in dem Milarepa meditierte und gegen den Meister der Böns Kräfte mass. Ab dann werden wir nur noch im Fahrzeug sitzen und zurück nach Kathmandu fahren. Wir wollen das tibetische Hochland gegen Osten befahren, vielleicht einen kurzen Blick auf den Everest werfen (die Wanderung zum Everest B.C. ist wegen des Verbots der Chinesen wohl nicht möglich) und die Grenze nach Nepal erreichen. Da der Fahrplan der Reise so fantastisch gelaufen ist, werden wir wohl am Everest einen Tag sparen und wenn alles gut geht, auch einen Tag früher in KTM ankommen. Angesichts unserer fortgeschrittenen Verrohung ist das kein schlechtes Vorhaben zwei Tage am Schluß in einem guten Hotel untergebracht zu sein.










Endlich habe ich gut geschlafen und meine Kopf- und Nackenschmerzen sind fast weg. Heute ist der dritte Tag der Kora, die nur noch wenige Kilometer bis Darchen führt. Wir verlassen das schöne Camp gegen 9.00 Uhr und besuchen die in unserer unmittelbaren Nähe liegende Zutul Phug Gompa, die von Milarepa gegründet worden sein soll.























Ein mürriger Marionettenmönch öffnet uns den Tempel, der scheinbar den Zerstörungen der Chinesen widerstanden hat. Simone und ich kaufen eine Butterlampe, zünden sie am Altar an und sprechen ein paar Gebete.














Weitere zwei Stunden laufen wir talabwärts und sehen erstmalig eine Gruppe von Bönpilgern, die die Form der Umrundung des Kailash in Niederwerfungen gewählt hat.








Sie sind bester Laune, lassen sich gerne fotografieren und scherzen mit uns trotz der Verständigungsprobleme. Ich habe einen Riesenrespekt vor diesen Menschen, die in etwa drei Wochen in dieser Form den heiligen Berg umrunden. Mir ist es ein Rätsel, wie sie essen und trinken, denn sie haben fast nichts dabei.











Wir wandern noch gut zwei Stunden das herrliche Tal hinab bis kurz vor Darchen, wo uns die drei Fahrzeuge abholen.



































Wir verabschieden uns von dem Pferde- und Yaktreiber und fahren ein paar Minuten über eine staubige Schotterpiste nach Darchen.











Dieser Ort ist leider so das Übelste, was ich je gesehen habe. Es erinnert mich irgendwie an den von der Flutkatastrophe 2010 zerstörten Teil von Leh. Aber unser Koch muss einkaufen, der Guide weitere organisatorische Schritte klären. Wir nutzen den gut einstündigen Aufenthalt, um zu duschen. In einem öffentlichen Badehaus nehmen wir für gut 5€ pro Person eine heiße Dusche, die unserer stinkenden Körper reinigt. Die letzten sauberen Sachen werden ausgepackt und schon fühlen wir uns wieder sauwohl.


























Die Fahrt geht weiter auf gut asphaltierter Strasse zurück zum Manasarovasee, an eine etwas östlicher liegende Stelle, wo wir auf einer saftigen Wiese am See campieren. Es ist eine Freude, die versauten Sachen wegzupacken und die Klamotten für die nun folgenden Fahrtage zu organisieren. Es ist herrlich warm, die Sonne scheint und wir genießen das Lagerleben. Mächtige Wolken umspielen den Kailash und den Gurla Mandata. Da scheinen derzeit ganz schöne Unwetter zu toben. Die Licht- und Farbstimmungen sind unbeschreiblich und die Entfernungen in dieser Unendlichkeit schwer bis gar nicht einzuschätzen.


























Hochzeitstag: beide haben daran gedacht. Mir geht es ganz gut; Simone kann sich wegen Muskelproblemen kaum noch bewegen. Allerdings ist das Thema Magendarm erledigt. Nach dem Frühstück verlassen wir mit den beiden Jeeps und dem kleinen LKW die Gegend um den Kailash und setzen unsere Fahrt gen Osten fort. Die Strasse ist vor zwei Jahren neu asphaltiert worden. Man kann also bequem die 1400 km nach Lhasa in einem langen Fahrtag überwinden. Wir müssen jedoch nicht ganz so weit und lassen uns auch drei Tage Zeit, das Dach der Welt zu betrachten und zu erleben.











Die Landschaft ist atemberaubend schön. Wir sehen wilde Antilopen und Herden von Kiang (tibetische Wildesel), Yaks und Schafe.

















Nach wenigen km und der Überschreitung eines 5200 m hohen Passes das erste Highlight. Ein Nomadenzelt direkt an der Strasse. Wir dürfen eintreten und sind fasziniert von der einfachen und effektiven Lebensweise.











Das Vieh ist in den Bergen auf den Wiesen, die alte Frau und ihre Kinder bzw. Enkelkinder leben zusammen in dem rund 20 qm großen Zelt. In der Mitte brennt ein Ofen mit Yakdung beheizt. An den Seiten auf dem Boden liegen die Vorräte und die Gebrauchsgegenstände. Um den Ofen herum liegen zwei Matrazen, auf denen wohl die ganze Familie schläft.








Wir betrachten uns gegenseitig und sind erstaunt. Im Sommer sind diese Nomaden mit ihren Zelten unterwegs, im Winter haben sie feste Unterkünfte. Viele sind recht wohlhabend, da sie große Viehherden besitzen, von denen sie ernährt werden. Nur wenige geben auf und ziehen in die Städte, in denen sie dann auch nicht zurechtkommen.























Der heute morgen vorherrschenden Kälte folgt ein brütend heißer Tag. Unsere Strecke ist rund 350 km lang, für die rund 5 Stunden Zeit eingeplant sind.

















Weiter geht die Fahrt gen Osten. Wie in Tibet Schafe gemolken werden, lernen wir wenig später kennen. Etwa 100 Schafe werden Kopf an Kopf im Reißverschlußverfahren zusammengebunden und mit flinker Hand von hinten gemolken.













Das jeweilige Schaf stöhnt anscheinend vor Erleichterung. Die fotografierten Bauern lassen sich kaum von ihrer Arbeit ablenken, sind aber dennoch sehr freundlich.














Unser heutiges Ziel heißt Old Zhongba. Ein alter Karawanenort mit einer riesigen einladenden Wiesenfläche, auf der unsere Jungs die Zelte aufbauen. Bevor wir diese beziehen, besuchen wir noch das örtliche Kloster. Die Gompa ist eine der ältesten von Tibet, wurde in der Kulturrevolution völlig zerstört und später wieder aufgebaut. Heute dient es wie so viele andere Klöster auch als Museum, mit einem unwirrschen Wärter und vielen enthaltenen Kostbarkeiten, die irgendwie gerettet werden konnten.

















Heute ist wieder ein Fahrtag mit ca. 300 km, davon 65 km auf Rüttelschotter.














Wir erfahren fantastische Licht- und Farbeindrücke, sanfte Berge, Wolkenformationen, große Herden von Ziegen, Yaks, Schafen und Wildeseln.











Wir machen Mittagspause in Saga, weil die Mannschaft neu einkaufen und auftanken muss. Die Stunde Aufenthalt ist eine ziemliche Zumutung. Dreck ohne Ende. Die öffentliche Toilette ist nicht benutzbar. Es gibt viele Han Chinesen. Wir trinken derweil Tee in einem kleinen Restaurant und sind schnell wieder weg in Richtung Sisha Pangma und dem See Peikutso.





















Hier haben wir tolle Blicke auf den See und die Himalaya Bergkette. Der Sisha Pangma ist noch in Wolken. Wir hoffen, dass die Wolken noch aufreißen und die Blicke freigegeben werden.














Die Szenerie am See ist extravagant; eine Mischung aus Wolken und Sonne.

Unser Camp ist in der Nähe der Strasse, etwas zu weit vom See entfernt. Wir haben Besuch von vielen Tibetern; eine Mischung aus Neugierde und Spass.











































Der kleinste Achttausender macht den Wolkenvorhang für kurze Zeit auf...











Heute früh sind wir bei Zeiten von unserem Camp am See abgereist, um vielleicht die geringe Chance auf den Mt. Everest zu nutzen. Aber zwei Faktoren sprechen dagegen: Erstens ist das Wetter bescheiden und es sieht nicht so aus, als würde es sich wie gestern wieder bessern. Zweitens behauptet unser tibetischer Führer Tondrup, dass es fast allen Ausländern verboten ist, hinter Tingri ins Everestgebiet einzureisen.











Es gibt dadurch zwei Varianten für heute bzw. den weiteren Verlauf der Reise. Ist die Strecke ab Tingri gesperrt, fahren wir zurück und weiter nachNyalam. Dies würde bedeuten, dass wir einen Tag früher in Kathmandu zurück wären und eine Zusatznacht im guten Schlusshotel haben würden; auch keine schlechte Aussicht.

Falls wir doch durchkämen, ginge es nach Kloster Rongbuk und weiter zum Everest B.C.. Dann würde die Reise einen planmäßigen Verlauf haben.

Bei starker Bewölkung fahren wir also los und schaukeln sanft in Richtung Tingri, wo wir bereits gegen 10.00 Uhr ankommen.














Es stellt sich rasch heraus, dass wir tatsächlich nicht weiterdürfen, und auch der Everest und seine Kollegen uns verborgen bleiben. Wir bleiben eine Stunde in Tingri, machen ein paar Fotos, trinken Tee und essen Suppe.








Dann geht es etwa eine Stunde die gleiche Strecke zurück, bis wir an die Straßenkreuzung kommen, an der es zur nepalesischen Grenze abzweigt. Wir passieren das Dorf Sangsang und den See Yukmo Tso. Immer wieder queren wir kleine Pässe mit bunten Gebetsfahnen und verklärten Aussichten. Die beiden großen Pässe heißen Laling La und Tong La mit jeweils etwa 5100m Höhen. Das Wetter ist allerdings sehr bescheiden. Regen und kaum Sicht auf die Berge.














Bei der Abfahrt vom letzten Pass bessert es sich dann allerdings und wenig später werden wir mit 2 Aktionen besonderer Art für den fehlenden Everestblick entschädigt.

Zunächst stoßen wir zufällig auf eine Dorfbevölkerung, die an einem Stupa ein großes Fest feiert. Wir springen ins Getümmel und hören von Tondrup den Grund des Festes. Einmal im Jahr wird an dem Stupa für eine gute Ernte gebetet. In voller Festtracht gehen die Damen und Herren um den Stupa und beten. Danach wird in unmittelbarer Nähe auf dem Boden gepicknickt und gefeiert.











Die bunten Trachten, die freundlichen Leute lassen uns eine halbe Stunde Fotos und flüchtige Kontakte machen.




















Wenige Serpentinen später eine zweite, nicht minder interessante Aktion. Ein Pferdewettrennen mit Geschicklichkeitsspielen hat mehrere hundert Schaulustige angelockt. Soldaten mit Schild und Schlagstock sind dabei und sollen ein mögliches "Aufbegehren" der Leute unter Kontrolle bringen. Tondrup fragt das Militär, ob wir fotografieren dürfen. Ja, außer den Soldaten.














Das Spektakel ist so grandios, dass ich fast 300 Bilder und Clips schieße. In vorderster Reihe haben wir die Möglichkeit, alles hautnah mitzubekommen und festzuhalten. Auf einer ca. 200 Meter langen Strecke liegen auf dem Boden etliche Kataks, die von den galoppierenden Reitern aufgenommen werden müssen. Dabei stellen sich die Meisten in ihren traditionellen Kleidern sehr geschickt an. Die Zuschauer und vor Allem Zuschauerinnen sind begeistert. Wir natürlich auch.



































Wenig später kommen wir in Nyalam an und müssen hoffentlich das erste und letzte Mal in einem chinesischen Gasthaus übernachten. Die Details möchte ich hier gar nicht nennen. Nur den Wunsch, dass bald der morgige Tag anbricht. "Ich will wieder in mein Zelt"








Manmannmann, war das eine Scheißnacht. Das Zelt habe ich oft herbeigesehnt. In so einer versifften Bude haben wir wohl noch nie übernachtet. Früh stehen wir auf und schieben uns das Frühstück rein (das war Gott sei Dank von unseren Jungs).








Es ist bedeckt, aber trocken, als wir Nyalam verlassen in Richtung zur nepalesischen Grenze. Die gut einstündige Fahrt ist atemberaubend und läßt die letzten 12 Stunden schnell vergessen. Wir kommen schnell von 3800m auf 2500m und passieren eine grandiose Schlucht.











In wilden Serpentinen geht es herunter. Die Strasse ist durch Steinschlag und viele Muhren sehr angegriffen. Wasserfälle tosen von oben herab. Unten im Talboden brodelt das Wasser von den nächtlichen Monsunregengüssen. Es wird wärmer und die ersten subtropischen Pflanzen und Bäume erscheinen. Der Morgennebel lichtet sich; es dampft.








Bald sind wir in Zangmu, dem chinesischen Grenzort zu Nepal angelangt, der in den steilen Hang angelegt wurde. Eine schmale Strasse führt in Serpentinen durch die berühmte Stadt. Wir sind früh, die Leute beginnen gerade ihr Tageswerk.

An dem ersten Checkpoint in der Stadt erfahren wir, dass jetzt erst mal alles gesperrt ist, weil irgendwelche Militärs irgendwelche Inspektionen machen. Wir warten jetzt schon 2 Stunden und es tut sich nichts. Nur das endlose Gehupe der Autos ist verstummt. Unsere Nerven werden auf eine harte Probe gestellt.











Irgendwann hatten die chinesischen Behörden die Gnade, die Blechlawine durchzulassen. Es waren nur noch wenige km bis zur Grenze mit der berühmten (leider fotografieren strengstens verboten) Grenzbrücke. Es wimmelte von Nepalesen, Chinesen und ausländischen Gästen. Die Grenzformalitäten hielten sich in Grenzen. Wie auf einem Flughafen wurden wir abgefertigt und betraten wenig später die Brücke über den tosenden Fluß. Auf der anderen Seite Nepal, wo wir uns augenblicklich wohler fühlten. Die ständige Präsenz der teilweise arroganten Chinesen ging uns doch langsam aufs Gemüt. In Nepal ist alles noch viel chaotischer, aber irgendwie freier.











Unser Bus steht bereit, die crew beläd das Fahrzeug mit unseren Klamotten und die wilde Fahrt bis Dulhikel beginnt.







Die Strasse ist spektakulär schlecht und es geht nur langsam voran. Zum Glück ist die meist Schotterpiste nicht durch frische Muhren unterbrochen. Wir fahren durch wilde Schluchten, subtropischen Wald, kleine nepalische Ortschaften, wechseln häufig das Ufer des brodelnden Flusses und kommen immer tiefer.



































In Jiri, das sit der Ort, an dem früher die Expeditionen zum Everest starteten, machen wir eine kurze Mittagspause und essen Dhal mit Hühnchen; ein Bier dazu...

















Am späten Nachmittag kommen wir dann in dem wunderschönen Hotel in Dudhikel an und können es kaum fassen, wie hübsch die Anlage ist. Ein totales Kontrastprogramm zu dem Gasthaus von gestern. Viele kleine einzelne Lodges auf einer Hügelkuppe gelegen mit herrlichem Blick über die Nebelwälder des Umlandes. In der Ferne erahnt man die Bergketten des Langtang Himal.

















Leider geht es Simones Beinen nicht gut. Uns ahnt Schlimmes!

Kurzerhand bringen wir sie ins nahe gelegene Hospital, um abzuklären, ob es sich um Thrombosen handelt. Die aufwändige Prozedur im Krankenhaus erleichtert uns Rusdam mit seiner Hilfe und Übersetzungskunst. Wir sind beharrlich und bestehen auf einer Doppleruntersuchung. Tatsächlich hat sich Simone in beiden Waden eine kleine Thrombose zugezogen, die wie ich es von meiner Krankheit noch erinnere, mit Heparinspritzen und Kompressionssocken behandelt werden muss. Oh welch ein Glück im Unglück! Das hätte böse enden können. 5 Heparinspritzen und Socken werden gekauft, damit wir sie bis nach Hause versorgen können.











Heute geht es weiter nach Kathmandu, wo wir ins 5Sternehotel Malla ziehen werden.

Jetzt ist die Reise fast vorbei. Simone und ich sitzen im herrlichen Garten des Mallahotels in KTM und genießen die Ruhe in der Oase mitten im lärmenden Thamel. Man hört kaum etwas  von dem Gehupe und dem Getöse der Menschen in der Stadt. Die Krähen übertönen das Murmeln der menschlichen Geräusche. Ab und an hört man das Kläffen eines Hundes.

Am Donnerstagmorgen sind wir in KTM angekommen und wurden vom Lärm und Gestank der Großstadt begrüßt. In der Rush Hour kommt man nur sehr langsam voran.








Kurz hinter dem Flughafen läßt der Fahrer des Kleinwagens Rushdam, Andreas, Matthias und mich bei Pashupatinath aussteigen. Simone und Roland wollen weiter ins Hotel Malla.

In der Ferne sieht man bereits die Silhuette der Hindustätte; es hat mächtig Qualm, d.h. es finden derzeit viele Verbrennungen statt. Der Bagmati gilt als ein heiliger Fluss, der die sterblichen Überreste der Verstorbenen in den Ganges spült. Eine notwendige Bedingung zu einer guten Wiedergeburt.














Gegenüber den Verbrennungsanlagen setzen wir uns auf die Steinstufen, lauschen Rushdams erklärenden Worten und schauen mit einer Mischung aus Ehrfurcht, Neugier und Unverständnis auf das Treiben am anderen Flussufer. In vielen rituellen Handlungen werden die Toten auf die vorbereiteten Scheiterhaufen gelegt und verbrannt.








Mit nassem Stroh verhindert man unangenehme Gerüche und Anblicke. Den trauernden Angehörigen werden an Ort und Stelle die Haare geschoren bis auf einen kleinen Zopf am Hinterkopf. Im Wasser des Bagmati tauchen Menschen nach möglichen Wertgegenständen wie Ringe oder Goldzähne der Verstorbenen. Ein Ritualienmeister sorgt für einen fast restlosen Verbrennungsakt. Die Asche wird in den Bagmati gefegt. Im Dunst des Qualms kann man die Tempel auf der anderen Seite des Flusses nur noch schemenhaft erkennen. Neben einem großen Hindutempel gibt es noch ein Hospiz, wo die Todgeweihten auf ihr Ende warten.








Auf der unsrigen Flussseite sind viele kleine Hinduschreine mit Lingamas angebracht, auf denen Scharen von Affen ihr Unwesen treiben. Dazwischen posieren einige Sadus, die für ein Foto ein paar Rupien erstehen wollen. Drei von ihnen spreche ich an und frage nach Dieter Glogowski, Hanuman- und Milkbaba. Klar kennen sie Dieter und teilen mir mit, dass hanuman Baba in Jakthapur ist und dass Milk Baba vor einigen Monaten gestorben ist. Leider sprechen sie kaum Englisch, so dass die Unterhaltung nur kurz dauert. Ich gebe ihnen ein paar Rupien und schieße ein paar Fotos.


























Heute steht Swayambunath auf dem Programm. Simone macht sich einen ruhigen Tag im Hotel. Für den Rest der Gruppe wird es wieder stressig im reizüberfluteten KTM. Wir fahren gut eine halbe Stunde an den Rand des Kathmandutales, wo auf einem Hügel mit fantastischem Blick über die Stadt der Affentempel liegt. 365 Treppenstufen führen auf das buddhistische und hinduistische Heiligtum hinauf. Viele Affen umspielen uns beim Eintrittsbereich. Eine Buddhastatue in einem Brunnen begrüßt uns. Zum Zeichen für eine friedvolle Welt haben die Besucher Münzen in den Brunnen geworfen. Man kann kaum noch den Boden sehen.













Tausende Tauben toben um die Köpfe der Besucher. Wir genießen die Blicke auf die Tempel und die Stadt. Es ist drückend heiß unter den fetten Monsunwolken.








Im buddhistischen Tempel hört man Klänge von Mönchsgesängen und Gebeten. Ich trete ein, lausche und sehe ihnen zu, zünde eine Kerze für Simone und mich an und spreche ein paar Gebete. Über die hiesige Freiheit der Mönche freue ich mich und muss an die armseelige Unterdrückung in Tibet denken.











Weiter geht die Fahrt in die Altstadt von KTM. Meine Erinnerungen an vergangene Jahre werden beim Betreten des Durbar Square sofort wieder wachgerufen. Hindutempel, der Königspalast, das Relief mit dem Totengott, der Affengott Hanuman u.v.m werden wieder aus dem Langzeitgedächtnis abgerufen. Es herrscht reger Betrieb von Touristen, Einheimischen, Myriaden von Tauben, seltsamen Gestalten und Fahrzeugen. Ich setze mich auf die oberste Stufe eines Hindutempels und genieße eine Weile die Szenerie von oben. Von hier läßt sich das scheinbare Chaos am besten ertragen.






























Zu Fuss geht es weiter durch die engen Gassen von Thamel, in denen sich die Geschäfte wie auf einer Perlenkette aufreihen. In den nur wenige Meter breiten Gassen fühlt man sich wie in einem gigantischen Venensystem. Alles was Beine oder Räder hat zwingt sich hier durch.











Es ist Zeit für ein Resumee der Reise: Da wir seit 2005 keine Trekkingtour mehr unternommen haben, kann diese Reise als besonderes Wagnis aufgefasst werden. Einerseits ist diese Tour die Traumreise von Simone und mir schlechthin gewesen, andererseits wussten wir nicht, wie wir mit fortgeschrittenem Alter und Knieproblemen auf die Anforderungen reagieren würden.

Mein Knie hat besser mitgespielt, als ich es im Traum erwartet hatte. Mit der Höhe hatte ich so meine kleinen Problemchen. Simones Durchfall war normal, aber die kleinen Wadenthrombosen sicher ein Riesenmist, der zuhause hoffentlich schnell im Griff ist.

Es war an der Zeit, dass wir die Reise gemacht haben, dass wir uns künftig wieder weiteren Trekkingtouren widmen können (vielleicht eine Nummer kleiner) und dass wir weiter neugierig auf Reisen sein können.

Die Reise nach Westnepal und Tibet war ein Ereignis für uns und hat alle Erwartungen und Träume bei Weitem erfüllt. Sie war ein großes Abenteuer, ähnlich anstrengend wie Pakistan 1999, und hat uns viele Dinge plastisch vor Augen geführt. Herrliche Landschaften und interessante Leute am Karnalifluss, Tibet in seiner heutigen Form, vor der uns Dieter Glogowski schon vor Jahren gewarnt hatte, eine Landschaft in Tibet, die einem den Atem raubt, eine Kailashkora mit vielen Pilgern, die hier ihren Glauben leben können und ausbeutende, menschenrechtsverachtende Chinesen, vor denen uns graute.

Ich hätte nie gedacht, dass ein Land fast im Dreck erstickt und das die Chinesen alles dafür tun, dass die Tibeter harmlos bleiben und kaum Bildung bekommen. Die Klöster sind zu Museen verkommen, um den Touristen etwas vorzuspielen. Die Tibeter werden mit neuen asphaltierten Strassen bequem für alle Reisenden zur Schau gestellt und bei allen Gelegenheiten gedemütigt. Die Erzählungen unseres Guides sind mir unter die Haut gegangen und erinnerten mich an vergangene Zeiten in der DDR.






Staatliche Willkür ist an der Tagesordnung, wie wir beim Verbot das Everest B.C. zu besuchen gemerkt haben. Trotz der unendlichen Schönheiten und Begegnungen mit den Menschen des Landes, waren wir froh und frei, als wir die Grenze zu Nepal wieder überschritten.








Nepal ist bettelarm an unseren Massstäben gemessen, aber reich an Lebensfreude, Improvisation und Schönheiten. Die Tage in Kathmandu waren wieder fabelhaft und erneut hat uns Bodnath in seinen Bann gezogen.








Wir hatten einen guten Führer und eine tolle Mannschaft. Die 5er Reisegruppe war ein Geschenk.

Ich bin sicher, dass es noch eine ganze Weile dauern wird, bis wir mit Körper und Geist wieder ganz zu Hause sind.




 
     
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